I. Die Natur des Landes.
1. Überblick und Bild des Ganzen.
Das reußische Land, im Osten von Mitteldeutschland auf einem nördlichen Seitengliede des hercynischen Gebirgszugs erbaut, bildet den centralen erhabensten Theil des alten voigtländischen Völkerquartiers, welches im Mittelalter in seiner Vereinigung unter der Herrschaft der altdynastischen, reichsfreien Voigte ein sehr ausgedehntes schönes Stück deutscher Erde war, indem dasselbe damals, seine in Böhmen, Franken, Thüringen, Sachsen und in Preußen (bei Magdeburg) durch Heirath, Erbe, Verdienst oder Kauf gewonnenen, vorübergehend besessenen Einzelgüter nicht gerechnet, außer dem jetzigen reußischen noch den bayerischen oberen Saaldistrict (das bayerische Voigtland), die sächsischen Ämter Plauen und Voigtsberg, den weimarischen neustädter Kreis, mehrere altenburger Gebiete (namentlich Ronneburg) und zeitweilig die preußischen Parcellen Gesell und Ziegenrück, somit einen Flächenraum von mehr als 80 □Meilen oder das Areal des ehemaligen Herzogthums Nassau umfaßte. Die ursprünglichen, im Laufe der Zeit auf einander folgenden Namen dieses Gesammtvölkerquartiers „Sorbenmark, Osterland und Voigtland“ waren auch die anfänglichen Namen des Reußenlandes; wie vorzugsweise ihm und den sächsischen Ämtern Plauen und Voigtsberg noch heute die alte Bezeichnung „Voigtland, terra advocatorum“ geblieben ist. Jünger ist der Name „Reuß, Reußenland, Reußisches, terra Ruthenorum“, ein Name, der allein auf das Land übergegangen ist, welches die Ahnen der heutigen Fürsten Reuß von ihrem ehemaligen Besitzthum gerettet haben. Übrigens stammen beide Bezeichnungen, „Voigtland und reußisches Land“, was ein seltenes Vorkommniß ist, von dem Herrscherhause dieses Landes her; jene Bezeichnung erinnert an den alten großen Besitz der Landesregenten, diese drückt das verkleinerte heutige Erbland aus, von dem drei Viertel das Fürstenthum Reuß jüngere Linie und ein Viertel das Fürstenthum Reuß ältere Linie ausmachen.*)