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I. Die Natur des Landes.

1. Überblick und Bild des Ganzen.

Das reußische Land, im Osten von Mitteldeutschland auf einem nördlichen Seitengliede des hercynischen Gebirgszugs erbaut, bildet den centralen erhabensten Theil des alten voigtländischen Völkerquartiers, welches im Mittelalter in seiner Vereinigung unter der Herrschaft der altdynastischen, reichsfreien Voigte ein sehr ausgedehntes schönes Stück deutscher Erde war, indem dasselbe damals, seine in Böhmen, Franken, Thüringen, Sachsen und in Preußen (bei Magdeburg) durch Heirath, Erbe, Verdienst oder Kauf gewonnenen, vorübergehend besessenen Einzelgüter nicht gerechnet, außer dem jetzigen reußischen noch den bayerischen oberen Saaldistrict (das bayerische Voigtland), die sächsischen Ämter Plauen und Voigtsberg, den weimarischen neustädter Kreis, mehrere altenburger Gebiete (namentlich Ronneburg) und zeitweilig die preußischen Parcellen Gesell und Ziegenrück, somit einen Flächenraum von mehr als 80 □Meilen oder das Areal des ehemaligen Herzogthums Nassau umfaßte. Die ursprünglichen, im Laufe der Zeit auf einander folgenden Namen dieses Gesammtvölkerquartiers „Sorbenmark, Osterland und Voigtland“ waren auch die anfänglichen Namen des Reußenlandes; wie vorzugsweise ihm und den sächsischen Ämtern Plauen und Voigtsberg noch heute die alte Bezeichnung „Voigtland, terra advocatorum“ geblieben ist. Jünger ist der Name „Reuß, Reußenland, Reußisches, terra Ruthenorum“, ein Name, der allein auf das Land übergegangen ist, welches die Ahnen der heutigen Fürsten Reuß von ihrem ehemaligen Besitzthum gerettet haben. Übrigens stammen beide Bezeichnungen, „Voigtland und reußisches Land“, was ein seltenes Vorkommniß ist, von dem Herrscherhause dieses Landes her; jene Bezeichnung erinnert an den alten großen Besitz der Landesregenten, diese drückt das verkleinerte heutige Erbland aus, von dem drei Viertel das Fürstenthum Reuß jüngere Linie und ein Viertel das Fürstenthum Reuß ältere Linie ausmachen.*)

*)Die historisch oft wiederholte Zusammenstellung einerseits von „Algier, Tunis und Tripolis“ und andererseits von „Greiz, Schleiz und Lobenstein“ gab dem Humor der Studenten Mitteldeutschlands im vorigen Jahrhundert Veranlassung, den Namen Raubstaaten von dem afrikanischen Kleeblatt auch auf das Land der drei reußischen Städte überzutragen. Ebenso wird vom Volke das Ortskleeblatt Birk, Pfütz und Lerchenhügel bezeichnet.

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I. Die Natur des Landes.

Der Boden des Reußenlandes ist ein vom Fichtelgebirg ausstrahlendes, plateaureiches, vom Frankenwald nordostwärts gerichtetes, in die thüringische Ebene abfallendes Berggelände. Diese nordöstliche Grundrichtung des Bodens durchschneiden mit nordwestlichem Laufe, also rechtwinklig, die zwei Hauptflüsse des Landes, die Saale, welche vom Fichtelgebirg, und die Elster, welche vom Elstergebirg herabkommt, beide nach der thüringisch-sächsischen Niederung zu ihrer Vereinigung und dann zur Einmündung in die Elbe abfließend. Somit fällt das reußische Land, bis auf eine kleine Mainstelle am Frankenwald, in den Bereich des Elbgebietes. Wenn nun dasselbe durch den Zug seiner Gewässer und durch die Neigung seines Geländes vorzugsweise in Sprache und Glaube, Sitte und Tracht, in Verkehr, Industrie und staatlicher Entwickelung dem nördlichen Deutschland zugewiesen ist, so vermittelt es doch auch zugleich als ein Glied des mitteldeutschen Fichtelgebirgs den Übergang des deutschen Nordens nach dem deutschen Süden, in den der hohe Bergwulst des Frankenwaldes hinabschaut und Straßen und Eisenbahnen von Norden her überführen. In dieser Stellung, als hohe Terrassenbrücke zwischen Nord- und Süddeutschland, hat es unter den Einflüssen beider Länder und dabei in Art und Kraft seiner eigenen Natur sich staatlich und kulturhistorisch zu einem eigenthümlichen Volkskörper entwickelt.

Geographisch besteht das Fürstenthum Reuß j. L., an Größe dem Fürstenthum Schwarzburg-Sondershausen gleich, nicht aus einem zusammenhängenden, abgerundeten, auf gleicher Berglandsstufe gelegenen Gebiete, sondern aus zwei ungleichen, getrennten, durch Höhe, Boden und Klima verschiedenen Terrassenstücken. Das größere Stück, 11,03 □Meilen umfassend, liegt südlich auf der im Mittel 1360' hohen Saal-Elsterterrasse oder auf dem umrandeten voigtländischen Plateau; das kleinere, 4,03 □Meilen groß, nördlich von jenem auf der im Durchschnitt 730' hohen Terrasse des mittleren Elstergebietes, einer Fußbank des voigtländischen Plateaus. Jenes Stück heißt darum das Oberland, dieses das Unterland. Beide sind durch den weimarischen neustädter Kreis um vier Stunden von einander getrennt.

Das auf Grauwacke und Thonschiefer erbaute Oberland, wellenförmig vom Frankenwald über die Saale bis zur Elster ausgedehnt und in dieser Richtung 11 Stunden lang, hat im Südwesten im Frankenwald seinen höchsten Bergrand und daselbst im Fichteberg, 1925' hoch, seinen höchsten Punkt, dagegen im Nordosten an der Leube sein niedrigstes 800' hohes Niveau. In der Linie vom Kulm im Frankenwald nach Altgernsdorf (Reuß ä. L.) liegt auch die Axe des Oberlandes. Somit ist dasselbe ein lustiges Wellenland, auf dem sanfte Mulden, angeschwellte Höhen und langgezogene Buckel in manfachen Windungen abwechseln. Die Höhenpunkte bieten allüberall Fernsichten über die langgedehnten, von hellen Fluren zu düsteren Wäldern überspringenden Wellenlinien der Hochplatte, ein heimelndes, melancholisches Gefühl erweckend. Tief unter dem Niveau der Hochplatte liegen die scharf eingerissenen, spaltförmigen, stark gewundenen Thäler der Saale und der Elster mit reicher Fülle höchst romantischer Punkte. Wie diese Flüsse sich ihre Bahn im Kampfe mit dem Grauwacken- und Thonschieferboden errungen haben, so hat neben der Flora und Fauna der menschliche Bewohner des Plateaus mit dem harten Boden und dem strengen Klima zu ringen, daher sein wetterfester, strammer Körper, seine derbe Sprache, seine naturwüchsige Verständigkeit, seine feste und zähe, aber auch eigenliebige Gesinnung und seine meist in sanften Hochmulden angelegten Dörfer, denen er in diesen Buchten windsicheren Schirm zu schaffen sucht. Es reicht das Oberland vom 29° 7' 20" bis 30° 7' 40" in östlicher Länge und vom 50° 22' 45" bis

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1. Ueberblick und Bild des Ganzen.

21' 5'' in nördlicher Breite. Dicht bei Tanna schneiden sich 29° 30' Ostlänge und 50° 30' Nordbreite. Die Gestalt des Oberlandes ist sehr unregelmäßig, mit stark ein- und ausspringenden Grenzen. Am Berengtesten ist sie längs der Weida, die das Gebiet in einen breiten südwestlichen und einen schmalen nordöstlichen Theil scheidet. Im Osten und Südosten stößt das Oberland an Sachsen, im Süden an Bayern, im Westen an Meiningen und Schwarzburg und im Nordwesten und Norden an Preußen und Weimar. Den Umfang desselben in seinen Krümmungen und mit Einschlusse seiner Ex- und Enclaven zu 48 Stunden angenommen, kommen auf Reuß ä. L. 22, auf Sachsen 8, auf Bayern 7 1/5, auf Preußen 6, auf Schwarzburg 3 3/5 und auf Meiningen 1 1/5 Stunden.

Das Unterland, zwischen dem voigtländischen Hochlande und der großen thüringischen Mulde erbaut, jenem als Fußbank, dieser als Uferrandstück dienend und auf jüngeren Flözgebilden ruhend, bildet, abgesehen von einem kleinen Nebenstücke, ein Viereck, das von dem Thale der mittleren Elster in zwei Hälften, in eine Elster-Saal- und eine Elster-Pleiße-Platte getheilt wird. Es steht dasselbe mit allen seinen physischen und socialen Beziehungen näher zu Thüringen als das inselartige voigtländische Plateau und ist, gegen dies betrachtet, milder in Klima, weicher in der Sprache, beweglicher in Sitte und Tracht, glatter im Umgang, schaffender in Gewerbe und Verkehr und reicher in Haus und Feld, aber ärmer an Quellwasser, Wald, Mineralien, landschaftlichen Bildern und romantischen Punkten. Es reicht vom 29° 33' 48'' um 18' 54'' Ostlänge und vom 50° 47' 48'' um 10' 50'' Nordbreite und wird im Westen und Osten von Altenburg, im Norden von Preußen, im Süden von Weimar und Sachsen begrenzt. Von seinem 18 stündigen Umfange kommen auf Altenburg 9, auf Weimar 5, auf Preußen 3 und auf Sachsen 1 Stunde. Im Austritt der Elster aus dem Lande, 459' hoch, hat es seinen tiefsten, im Scheidberg, 989' hoch, seinen höchsten Punkt.

Das gesammte Land hat an Holz und nutzbaren Mineralien, besonders an Eisen, einen großen Reichthum und einen für Ackerbau und Viehzucht ergiebigen, zudem gutgepflegten Boden und doch reichen diese Bodenschätze und ökonomischen Gewinne nicht aus, alle Schichten der verhältnißmäßig dichten Bevölkerung reichlich zu nähren, zumal das Klima in den höheren Gegenden des Oberlandes den Feldbau beschränkt und die metallinischen Schätze aus Mangel an nahgelegten Verkehrsmitteln des Dampfes unbenutzt liegen; daher ist der Bewohner zur Thätigkeit in Industrie und Handel, zu sommerlichen Erwerbswanderungen, vor Allem aber zur geistigen Kultur hingetrieben, um in Wechselwirkung mit dem großen Völkerleben zu treten und Haus und Herd wohlhäbig und wenn dieses nicht, doch nothdürftig behaglich zu machen. Aus diesem Fleiße, den der Boden und das Klima in den Character der Bevölkerung eingräbt, wächst ihre Heimathsliebe, ihre Fröhlichkeit an Festen und neben ihrer Treue in alter Sitte und altem Glauben ihre Empfänglichkeit für neue Ideen und Erwerbsbahnen.

Die Gliederung des Fürstenthums in die drei Bezirke Gera, Schleiz und Lobenstein-Ebersdorf hat ihren Grund nicht minder in der Lage und Natur als in der geschichtlichen Entwickelung dieser Theile. Auf gleichen Gründen ruht auch die Gliederung des Ganzen in 6 Städte und in 167 Landorte, darunter 4 Marktflecken und 11 Marktdörfer.

I. Die Natur des Landes.

2. Mathematische Lage im Ganzen und im Einzelnen.*)

Das Unterland 29° 33' 48" — 29° 52' 42" L.
50° 47' 48" — 50° 58' 38,6" Br.
Das Oberland 29° 7' 20" — 29° 47' 40" L.
50° 22' 45" — 50° 43' 50" Br.

Röttersdorf 29° 7' 42" L. 50° 28' 15" Br. Kohlhäuser.
Grumbach 29° 10' 8,5" L. 50° 25' 55" Br. Dorfmitte (Straßenkreuzungspunkt).
Oßlaer Hügel 29° 10' 3,78" L. 50° 28' 9,59" Br. Signalstein.
Titschendorf 29° 11' 40" L. 50° 23' 37" Br. Kirche.
Gahma 29° 12' 15,45" L. 50° 31' 31,07" Br. Thurmknopf.
Ruppersdorf 29° 14' 32,61" L. 50° 30' 37,61" Br. Thurmknopf.
Heinersdorf 29° 14' 39,85" L. 50° 28' 24,85" Br. Thurmknopf.
Eliasbrunn 29° 15' 48,61" L. 50° 29' 43,58" Br. Signalpunkt.
Eliasbrunn 29° 16' 3,20" L. 50° 29' 52" Br. Thurmknopf.
Unterlemnitz 29° 17' 18" L. 50° 28' 25" Br. Kirche.
Krähenhügel 29° 17' 49,91" L. 50° 24' 32,98" Br. Signalpunkt.
Lobenstein 29° 18' 27,154" L. 50° 26' 48,13" Br. Ruinenthurm.
Bellevue 29° 19' 28,105" L. 50° 28' 42,46" Br. Forsthaus (Nordschornstein).
Kleinfriesa 29° 20' 0" L.
Ebersdorf 29° 20' 1" L. 50° 29' 5" Br. Kirche.
Harra 29° 21' 5" L. 50° 25' 11" Br. Kirche.
Saalburg 29° 23' 50" L. 50° 30' 7" Br. Kirche.
Lerchenhügel 29° 24' 13,18" L. 50° 25' 48,76" Br. Baum.
Kulm 29° 25' 8,61" L. 50° 30' 29,67" Br. Thurmknopf.
Bergkirche 29° 28' 14,81" L. 50° 35' 6,49" Br. Thurmknopf.
Schleiz 29° 28' 43,07" L. 50° 34' 40,03" Br. Schloß (Westthurm).
Heinrichsruh 29° 28' 57,65" L. 50° 33' 21,7" Br. Thurmfahne.
Oettersdorf 29° 29' 10,95" L. 50° 36' 6,67" Br. Kirchthurmknopf.
Kapelle 29° 29' 53,79" L. 50° 29' 45,35" Br. Signalpunkt.
Tanna 29° 30' 26,49" L. 50° 29' 42,93" Br. Holländ. Mühle.
Tegau 29° 31' 48,52" L. 50° 39' 0,97" Br. Thurmknopf.
Hohe Tanne 29° 32' 47,32" L. 50° 25' 47,64" Br. bei Gebersreuth.
Kirschkau 29° 33' 14,57" L. 50° 36' 20,35" Br. Thurmknopf.
Lössau 29° 33' 17,68" L. 50° 35' 35,23" Br. Signalpunkt.
Hirschberg 29° 29' 16" L. 50° 24' 18" Br. Kirche.
Mödlareuth 29° 31' 48" L. 50° 25' 0" Br. nördlichstes Haus.
Göttengrün 29° 29' 57" L. 50° 27' 41" Br. Nordhaus am Dorfteich.
Dragensdorf 29° 30' 5" L. 50° 38' 50" Br. Kirche.
Oberböhmsdorf 29° 30' 1,12" L. 50° 33' 41" Br. Kirche.
Pahren 29° 33' 55" L. 50° 38' 44" Br. Kirche.
(St. Gangloff 29° 34' 6,127" L. 50° 51' 25,87" Br. Thurmknopf.)
Kraftsdorf 29° 34' 54" L. 50° 52' 39" Br. Kirche.
*)Unterlagen der obigen mathematischen Ortsbestimmungen sind: 1) die preußischen Generalstabskarten, 2) die Triangulation von Thüringen. Ausgeführt in den Jahren 1851 bis 1855 vom preußischen Generalstabe. Berlin, 1859.

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43 Orte43 Places
2. Mathematische Lage 2c. — 3. Größe oder Umfang der Bodenfläche 2c.
Stelzenbaum 29° 37' 1,87'' L. 50° 29' 21,58'' Br. Signalpunkt.
Käseschenke 29° 37' 51,51'' „ L. 50° 52' 0,41'' „ Br. Schornstein.
Rödersdorf 29° 38' 7,25'' „ L. 50° 53' 51,17'' „ Br. Holländ. Mühle.
Geissen 29° 39' 52,5'' „ L. 50° 45' 44'' „ Br. Kirche.
Weißendorf 29° 40' 0'' L. 50° 40' 16'' Br. Dorfmitte.
Dürrenebersdorf 29° 41' 44,38'' „ L. 50° 51' 3,39'' „ Br. Thurmknopf.
Hohenleuben 29° 43' 16,02'' „ L. 50° 42' 45,48'' „ Br. Thurmknopf.
Gera 29° 45' 35'' „ L. 50° 52' 35'' „ Br. Nicolaithurm.
Seeligenstädt 29° 46' 52,66'' „ L. 50° 56' 55,6'' „ Br. Westgiebel des Westgebäudes.
Zschippern 29° 47' 25,58'' „ L. 50° 52' 12,75'' „ Br. Mühle.
Trebnitz 29° 47' 46,71'' „ L. 50° 53' 49,46'' „ Br. Thurmknopf.
Wüstfalke 29° 47' 53,98'' „ L. 50° 48' 50,44'' „ Br. Nordschornstein des Wohnhauses.
Kleinaga 29° 45' 31,5'' L. 50° 57' 37,5'' Br. Forsthaus.
Großaga 29° 45' 15'' „ L. 50° 57' 58'' „ Br. Kirche.
Köstritz 29° 40' 35'' „ L. 50° 55' 43'' „ Br. Kirche.
(Heukenwalde 29° 49' 13,45'' „ L. 50° 57' 59,84'' „ Br. Schloßthurm.)
Pohlen 29° 49' 54'' „ L. 50° 48' 27,9'' „ Br. Kirche.
Groitschen 29° 50' 6,66'' „ L. 50° 55' 30,45'' „ Br. Kirche.
Hirschfeld 29° 51' 21,34'' „ L. 50° 56' 32,99'' „ Br. Thurmknopf.
Bethenhausen 29° 51' 51,31'' „ L. 50° 55' 48,5'' „ Br. Thurm.

Der westlichste Punkt des Landes ist demnach Röttersdorf, der östlichste Bethenhausen, der südlichste Titschendorf und der nördlichste Großaga. Annähernd liegen

in gleicher Länge: Großaga, Gera, Langenwetzendorf;
Köstritz, Mühlsdorf, Frankenthal, Triebes;
Rödersdorf, Lohma, Tanna, Dobareuth;
Pörmitz, Schleiz, Seubtendorf;
Gahma, Wurzbach, Titschendorf;

in gleicher Breite: Stübnitz, Mühlsdorf, Thieschitz, Tinz, Schwaara;
Kraftsdorf, Harpersdorf, Frankenthal, Ernsee, Gera;
Waltersdorf, Dürrenebersdorf, Zwötzen, Kaimberg;
Oberlemnitz, Ebersdorf, Stelzen.

3. Größe oder Umfang der Bodenfläche des Landes.

Nach den früheren Angaben von Hassel und Stein nahm man allgemein bis zum Jahre 1840 das Areal des Landes in folgender Größe an:

Gera mit Saalburg, Neuärgerniß und Pöllwitz = 7,25 □M. } 21,1 □M.
Schleiz = 6,1
Lobenstein=Ebersdorf = 7,75

Auf Grund eines Regulativs vom 4. August 1840 wurde der Landestheil Gera im Jahre 1840 und in den nächstfolgenden Jahren unter der Aufsicht des vormaligen Steuerdirectoriums und dann zufolge der Bekanntmachung vom 27. April 1843 der Landestheil Schleiz 1843 und in den folgenden Jahren unter der Leitung zweier Obergeometer mit dem Meßtisch aufgenommen. Obschon beide Messungen zunächst im Interesse der Triftablösung geschahen, so

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I. Die Natur des Landes.

dienten doch zugleich ihre Resultate als Grundlagen bei der Einführung der allgemeinen Grundsteuer. Die Zwecke der Grundbesteuerung erheischten auch eine Vermessung im Landestheile Lobenstein-Ebersdorf, doch kam es hier nur zu einer Ausschreitung und Croquirung. Bei der Vermessung und Croquirung legte man statt des dresdener Scheffels, mit dem man begonnen hatte, den preußischen Morgen zu Grunde. Für Gera ist der Maßstab der Kartirung 1/2000, für Schleiz 1/2500, bei den Croquis für Lobenstein-Ebersdorf 1/4000. Zugleich sind für alle Fluren in Gera und für einige in Schleiz Duplicate nach dem Maßstabe der Unicate und daneben für Gera und Schleiz Croquis im 5000theil. Maßstabe angefertigt, dagegen die Croquis von Lobenstein-Ebersdorf nur kopirt worden. Die Unicate hat das Catasterbureau zu Gera, die Duplicate je der Gemeindevorstand in Verwahrung. In den Jahren 1851 bis 1857 erfolgte eine vom preußischen Generalstabe ausgeführte topographische Aufnahme von Thüringen mit Einschlusse des reußischen Landes. Auf Grund dieser Aufnahme und der Landesvermessung ergiebt sich nun ein anderes Areal-Resultat, das in seiner Durchschnittszahl so lange als annähernd richtig angenommen werden muß, bis eine auf trigonometrische Messung beruhende Berechnung das endgültige Maß feststellt. Neben dem Resultat der leider nicht vollständigen, zudem nicht trigonometrisch behandelten Landesvermessung liegen noch zwei preußische Berechnungen des Landesareals, eine ältere (vom Geh. Reg.-Rath Engelhardt, 1853) und eine neueste (vom Inspektor Nowack) vor*), von denen die letztere die mittlere Zahl der beiden anderen Angaben bildet und als maßgebend zu betrachten ist.

Preußische Berechnung Landes-
ältere neuere Vermessung.
(Engelhardt). (Nowack).
Das Land. □ M. □ M. □ M. pr. Morgen.
Gera . . . . . . 5,83 4,03 4,007 85701
Saalburg . . . . . 20218
Reichenfels . . . . 4,49 11,03 6,035 17760
Schleiz . . . . . . 81380
Lobenstein-Ebersdorf 4,83 4,923 111679
Summa 15,15 15,06 14,965 316738

Den Umfang der Bodenfläche des Fürstenthums zu 15,06 □ M. angenommen, so ist derselbe
über 3 Mal größer als das Fürstenthum Reuß ä. L. (= 4,99 □ M.),
um 1/3 größer als das Herzogthum S.-Koburg (= 10,2 □ M.),
fast gleich mit Schwarzburg-Sondershausen (= 15,63 □ M.),
gegen 5/8 vom Herzogthum S.-Altenburg (= 24,00 □ M.),
" 1/3 vom Herzogthum S.-Meiningen (= 44,97 □ M.),
" 5/22 vom Großherzogthum S.-Weimar (= 66,03 □ M.).

*)S. Dr. Bruno Hildebrand, Statistik Thüringens. Bd. I, Lfg. 1, p. 25.

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4. Plastik des Landes oder dessen senkrechte Gliederung.

4. Plastik des Landes oder dessen senkrechte Gliederung.

Die beiden Landestheile des Fürstenthums, das Unterland und das Oberland, bilden mit Ausnahme des kleinen Mainstücks am Frankenwald zwei Stufenlandschaften des oberen Saal-Elstergebietes, jenes eine Elsterterrasse, dieses größtentheils eine unmittelbare Saalterrasse. Beide Stufen sind eigenartige Bodenformen. Nach seinem Entstehen ist das Unterland vorherrschend ein Kind und Randglied des großen thüringischen Beckens, das Oberland eine Ausstrahlung des Fichtelgebirgs, daher hat jenes zu seinem Untergrunde weicheres, dieses härteres Gestein; jenes geringere Meereshöhe und mildere Luft, dieses eine höhere, luftfrischere Stellung. Da übrigens das Unterland am Fuße des Oberlandes und im festen Anschlusse an dieses erbaut ist, so stehen beide Landestheile wie Vorstufe und Hochstufe zu einander. Trotz ihrer geologischen, vertikalen und klimatischen Verschiedenheit haben doch beide Terrassen darin eine gleiche, übereinstimmende Grundform ihrer Oberflächenbildung, daß jede aus einem tief eingeschnittenen Hauptrinnsaale, dem Elsterthale im Unterlande und dem Saalthale im Oberlande, und aus zwei höher gebetteten Seitenlandschaften besteht. Einen noch mehr übereinstimmenden, zudem höchst einfachen Oberflächencharakter würden beide Landestheile erhalten, wenn man sich die tiefen Einschnitte der Saale und Elster ausgefüllt und geebnet dächte; dann böte sich dem Blicke dort wie hier ein stetig zusammenhängendes, im Oberlande wie im Unterlande von Südwest nach Nordost sanft geneigtes Plateau, jedes mit Fernsichten reich ausgestattet, freilich dann auch ohne den Reiz und die Würze der Gegensätze von Hoch und Tief, Kühl und Warm, Trocken und Feucht; denn erst diese Gegensätze geben dem Lande energische, packende Situationen, aus denen das Fluidum strömt, welches Sinn und Gemüth dem Idealen nicht entfremdet. Eben diesen Gewinn verdankt das Land seinen beiden tiefen Flußthälern, die zugleich als Sammler der Seitengewässer eine reiche Gallerie von Rinnen und Mulden in den Nebenlandschaften erzeugten und dadurch das Einförmige der Bodenform in wechselnde Gliederung umwandelten. Der Plateaucharakter ist beiden Stufen erhalten worden, aber sie haben durch die Wasserrinnen einen mehrfachen Wellenboden bekommen, doch so, daß im Unterlande die Rinnsale, im Oberlande die Hochflächen ausgeprägter sind. Fehlt zwar auch den Bildungen der beiden Stufen das Grandiose, weil ihnen die großen Maße der Höhe und Tiefe abgehen, so fehlt doch nicht ihren weitsichtigen Höhen und ihren schönen, selbst romantischen Thälern der poetische Duft und der Anhauch erhabener Empfindungen. Dazu kommt noch der praktische Werth, den die Wasseradern und die Waldflächen für die Bedürfnisse und Zwecke des Menschen haben.

Der architectonische Bau des aus Flözen gebildeten Unterlandes besteht mit Einschlusse der die Orte Otticha, Falke, Pohlen und Lichtenberg begreifenden Exclave aus drei Hauptgliedern, aus dem Elsterthale, einer Ost- und einer Westlandschaft. Das Elsterthal ist wie das Saalthal im Oberlande tief eingeschnitten, aber von ihm in der Breite und im Gange verschieden. Während die Saale im Oberlande festes Gestein durchbohrt und sich deshalb in engen Felsspalten schlangenartig Bahn bricht, durchschneidet die Elster im Unterlande, in das sie zwischen dem Zoits- und Heerberg, dem durchbrochenen alten Riegel des weidaischen Beckens, eintritt, mit leichterer Mühe und geradlinig einen weicheren Boden, den sie trotz ihres herbeigeführten und abgelagerten Gebirgsschuttes weit ausgebaucht und zum freundlichen, fruchtbaren, dicht bevölkerten

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13 Orte13 Places
I. Die Natur des Landes.

Thale gemacht hat. Einem Hauptnerven gleich läuft sie in der Richtung von Süden nach Norden durch die Mitte des Unterlandes, daher die beiden Seitenlandschaften fast von gleicher Größe sind. Die Mittelhöhe ihres unterländischen Bettes, 500' betragend, liegt 394' unter der Durchschnittshöhe ihrer Uferlandschaften. Ihre Thalränder, im Süden und in der Mitte des Thals links schroffer und bewaldeter, rechts sanfter und lichter, umgekehrt im Norden, bilden die abgewaschenen Wände und Caps der beiden Seitenlandschaften, welche als wasserscheidende Landrücken aufgebaut sind, die Ostlandschaft als Landwulst zwischen der Elster und Pleiße, die Westlandschaft als solcher zwischen der Elster und Saale. Die Lage ihrer höchsten Punkte:

Westlandschaft. Elster. Ostlandschaft.
Norden 800' Westhöhe von Gleina, 822' Höhe bei Seeligenstädt,
Mitte 975' Südhöhe von Kraftsdorf, 780' Höhe bei Bethenhausen,
Süden 989' Scheidberg b. Hundhaupten, 912' Höhe bei Pohlen

läßt nicht allein erkennen, daß jede der Uferlandschaften eine Senkung von Süden nach Norden hat, sondern auch, daß beide, als ein Ganzes genommen, eine Neigung von Westen nach Osten oder genauer von Südwest nach Nordost behaupten. Ist nun auch ihr gegenseitiger Höhenunterschied unbedeutend, so gestaltet sich dagegen der durch die Gesteinsunterlagen und durch die Arbeit der Gewässer bedingte Unterschied ihrer Bodenformen als ein bedeutender. Auf dem Ostwulste herrscht ein Wechsel von Kalk- und Sandplateaus und sanften Hochmulden, im sandigen Westwulst die tief eingeschnittenen Thalformen mit steilen Bergzüge vor. Dort hat der Pflug und die menschliche Wohnung ihren Hauptsitz auf den Hochflächen, hier in den Thalspalten; dort trifft man mehr trockene, lichte, waldarme Landrücken, hier mehr wald- und quellenreiche Bergstriche. Der landschaftliche Ausdruck des Ostwulstes mit seinem hochwelligen, weitschauenden Boden, der vielfach an das Oberland erinnert, ist übrigens nicht minder anmuthig als die lieblichen Thäler des Westwulstes. Beide indeß übertrifft an fesselndem Ausdruck die herrliche Thalau der Elster. Als wichtige landschaftliche Namen finden sich im Unterlande das Elsterthal, das Bramthal, das Eleonorenthal und das Holzland, das sich von Kraftsdorf und Harpersdorf über Waltersdorf und Schöna nach Hundhaupten zieht. Die Bewohner dieses Holzstrichs heißen in der Gegend die Holznischel. An Bergnamen ist das Land reicher als an wirklichen Bergen, weil häufig schon Anhöhen und niedrige Buckel, besonders auf den Hochflächen, Berge genannt werden. Zudem trifft man wenig freistehende Bergformen, meist sind die sogenannten Berge bloß Wände oder Randstücke langgezogener Bergrücken. Die größere Zahl von Bergen gehört der Westlandschaft, die aussichtsvolleren Höhen der Ostseite.

In der Reihenfolge der Berge sind als wichtig zu nennen auf dem rechten Elsterufer:

1) als Uferberge der Elster: 1) von der Lichtenau bis Langenberg: Leutenberg, Räubersberg, Viehberg, Wachtelberg, Weinberg, Kolke, robener Berg, Pohnigsberg, Kienberg (Kühnberg), Kirchberg, Eichberg, Hausberg; 2) von Langenberg bis Gera: Pfaffenstein, Lassig, Schafberg, Gittersberg, Lerchenberg, Weinberg, großer Stein, Galgenberg, Rosenberg, Steinertsberg, Galgenberg; 3) von Gera bis zum Zoitsberg: Ronneburger Höhe, Steinberg, Geiersberg, Störsberg, pfortener Berg, Weinleite, Wachholderberg, Delschig, Collisberg, Mühlberg, Galgenberg, Fuchsberg, Krimel (Kremel), Krautberg, rothe Berg, Stockberg, Lasur, Kellerberg, Eichberg, Weinberg und Hellberg.

2) zwischen der Wipse und dem faltischen Grunde: Kreuzberg, Wipsenberg, Rechenberg, Kieferberg, Sandberg, Kanigsberg, blauer Berg,

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8 Orte8 Places
4. Plastik des Landes oder dessen senkrechte Gliederung.

Joachimsberg, Steinberg, Wachtelberg, Auberg, Culmberg (Kolmberg), Som- merberg und Krellsberg.

3) im Bramthalgebiete: Salpenberg, Steinberg, Kirchberg, Gickersberg, Schenkenberg, Krautberg, Sandberg, Steinsberg, Lehmberg, Kuhberg, Goldberg, Schafberg, Kirchberg, Kuhberg, Weinberg, Schafberg, Steinberg, Kirchberg, Grauberg, Kaulicht, Wachthügel, Steinberg, Kremel, Galgenberg, Hackenberg, Eichberg, Hain.

4) an der Quelle der kleinen Schnauder: Kreuzberg und Lerchenberg,

5) im Agagebiete: Sandberg, Majoranberg, Hungerberg, Sommerberg, Eichhübel, Falkenberg.

Auf dem linken Elsterufer:

1) von der Nordgrenze bis zum Gold- oder Eleonorenthal: Grolle, Sommerseite, Winterseite, Lauseberg, kleiner Berg, Weinberg, Bieberitz, Töpfersberg.

2) zwischen dem Goldthal und dem Schafgrund: Dürrenberg, Eichberg, Sommerseite, Thalberg, rother Berg.

3) zwischen dem Schafgrund und dem Erlbach: Cosse, Galgenberg, Bornberg, Steinberg, Bornberg, Schafberg, Sommerberg, Kirchberg, Röhren- berg, Eichberg, Queckberg, Felsberg, Mergelberg, Mühlberg, Zippenbusch, Thüm- melsberge (Tummelsberge), Weichhübel (Wachhübel), Friedrichsberg, Winterseite.

4) zwischen dem Erlbach und dem Grund von Frankenthal nach Langengrobsdorf: Dessenberg, Steinbusch, Kirchberg, Geierskopf, Hart, Heidenhübel, Käseberg, saarscher Berg, Hirschberg, Rossberg, Hart, Dickenberg, Eichberg, Lerchenberg, Hässelsberg, Sandberg, Mittelberg, Galgenberg, Mühl- berg, Krautberg, Kienberg, Scheinberg, Wachtelberg, Luthersberg, Hart, Scheid- berg, langengrobsdorfer Berg.

5) zwischen der Elster und dem Erl- und Saarbach: Hummel- berg, Geraberg, Gickersberg, Mühlberg, Kirchberg, Merzenberg, Weinberg, ernseer Berg, Hainberg mit dem Osterstein, Eselsberg, rothe Berg, Fuchsberg, Brand, Hart, Teufelsberg, Lassig, Bornberg, Kirchberg, Silberberg, Steinberg, Angerberg, Heerenberg, (Heersberg, Heerberg) und Heidelberg.

Was die Meereshöhe der bewohnten Orte im Unterlande betrifft, so ist Caaschwitz der tiefste, die Käseschenke der höchste, mit einem Höhenunterschiede von 493'. Dazwischen liegen die sämmtlichen übrigen Orte und zwar 6 unter 500', 23 unter 600', 23 unter 700', 28 unter 800' und 5 unter 900'. Ihre Reihenfolge in aufsteigender Linie ist:

Auf dem rechten Ufer der Elster:

Köstritzer Bahnhof 474'.*) Küchengarten 498'.
Pohlitz 490—530'. Tinz, Wirthshaus 500'.
Stublach 495—498'. Gottesacker 525'.
Tinzer Park 495'. Geraer Bahnhof 502'.*)
Cuba 497—500'.
*)Sämmtliche Höhenangaben der Landeskunde des Fürstenthums Reuss j. L. haben mit den mathematischen Ortsbestimmungen gleiche, bereits S. 6 (Note) genannte Unterlagen und enthalten deshalb preuss. Decimalfuss, auf den Pegel bei Swinemünde bezogen. Bei den Wohnorten ist meist die Grösse ihrer Ansteigung durch die unterste und oberste Grenze bezeichnet. Alle früheren herstammen und zum Theil in Reimanns Karten übergegangen sind, sowie auch diejenigen, welche Neumanns und Cotta's geognostische Karte und Geinitzens

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47 Orte47 Places
I. Die Natur des Landes.
Gera 505—600'. Windmühle 760'.
Markt 514'. Söllmnitz 683,7—705'.
Pforten 520—560'. (Der goldne Hahn 700'.)
(Roschitz 520—560'.) Lauenhayn 710—725'.
Langenberg von der Ziegelei bis oben 525—625'. Laasen 710—726'.
Kirche 544,2'. Bethenhausen 712—755'.
Lindenthal 525'. Kirche, Höhe 768'.
Zwötzen, Mitte zwischen der Kirche und dem Rittergut 525'. Caasen 720—746'.
Ziegelei 550'. Schwaara, Nordgasse 725'.
Collis 560—570'. Kirche 710'.
Dorna 570—630'. Kretzschwitz 720—750'.
Pfarrhaus 625'. Lessen 725—740'.
Bieblach 575—625'. Wernsdorf 725—765'.
Seidelsmühle (Fuchsmühle) bei Zschippach 602'. Hirschfeld 730—748'.
Zschippach 610—650'. Kirche 736'.
Culm 615—650'. Roben 730—815'.
Waaswitz 620—660'. Reichenbach 735—745'.
Groitschen 624—700'. Teich 718'.
Kirche 680'. Naundorf 735—755'.
Gera, Pulverthurm 625'. Kirche 747'.
Zschippern 640—740'. Trebnitz 730—770'.
Gutsgebäude 725'. Kirche 766'.
Windmühle 800'. Hermsdorf 750—780'.
Bergschlösschen bei Gera 650'. Steinbrücken 750—810'.
Leumnitz 650—720'. Rittergutsboden 800'.
Negis 660—695'. Seeligenstädt 755—780'.
Dorfmitte 675'. Wüstfalke 760—860'.
Großaga 660—700'. Teich am Herrenhaus 850'.
Kirche 688'. Kleinfalke 770—860'.
Kaimberg 670—755'. Lichtenberg 770—825'.
Kirche 733'. Otticha 775—810'.
Kleinaga 670—755'. Rusitz 780—800'.
Kammergut 700'. Wachholderbaum, Chaussee 848'.
Pohlen 860—880'.
Dorfmitte 875'.

Auf dem linken Ufer der Elster:

Caaschwitz 460—465'. Debschwitz, Mitte, 515'.
Köstritz 470—520'. Ziegelei 520—525'.
Milbitz 498—505'. Pöppeln 520—525'.
Dorfmitte 500'. Rubitz, der Hof 529'.
Thieschitz, Mitte 510'. Seifarthsdorf 520—600'.
Kirche 519'. Gleina 525—560'.
Untermhaus 500—550'. Lusan 530—540'.

Gäa von Sachsen enthalten, haben wegen ihrer Ungenauigkeit hier keine Berücksichtigung finden können. Nur die beiden Punkte, der Bahnhof bei Köstritz und der bei Gera, sind dem Nivellement der thüringer Eisenbahn entnommen, nach dem jener 577, dieser 607,53 rhein. Fuß hat, beide auf den amsterdamer Pegel bezogen. Der Übereinstimmung wegen ist ihre Reduktion in preußische Decimalfuß und auf den Pegel bei Swinemünde eingetragen.

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10 Orte10 Places
4. Plastik des Landes oder dessen senkrechte Gliederung.
Töppeln 535—579'. Ziegelei 680'.
Unterröppisch oberstes Haus an der Chaussee 550'. Stübnitz 670—755'.
Frankenthal 550—620'. Kleinsaara 680—710'.
Kirche 594'. Schöna 695—720'.
Ziegelei 725'. Kirche Thkn. 735'.
Hartmannsdorf unterste Häuser 550'. Pörsdorf 700—780'.
Fuß der Kirche 575'. Rüdersdorf 700—810'.
Scheubengrobsdorf, Mitte 604'. Kraftsdorf 700—825'.
Osterstein, unterer Hof, 554'. Kirche 778'.
oberer Hof 575'. Dürrenberg 713—725'.
Eleonorenthal 575'. Waltersdorf 720—775'.
Niederndorf 590—625'. Kirche 748'.
Windischenbernsdorf 600—630'. Kaltenborn 725—825'.
Grüna 610—630'. Dorfmitte 775'.
Geißen 620—648'. Mühlsdorf, Dorfmitte 775'.
Harpersdorf 625—658'. Ernsee 800—825'.
Kirche 653'. das Westhaus 800'.
Zeulsdorf 630—675'. Dürrenebersdorf 820—865'.
Rittergutsboden 650'. Kirche Thkn. 179,897 Toisen.
Steinschäferei 639'. Hundhaupten 820—900'.
Oberröppisch 640—675'. Kirche 887'.
Fuß der Kirche 675'. (St. Gangloff 850'.)
Langengrobsdorf 640—700'. Weißig 860—865'.
Großsaara, Dorfmitte 660'. (Markersdorf 890'.)
Kirche Thkn. 701'. Käseschenke 953'.
oberer Rand des Schornsteins 973,4'.

Höhenpunkte des Unterlandes.

Gypsbrüche unterhalb Gleina 500'. Nordostnordhöhe bei Großaga (Signal) 738'.
Südosthügel bei Köstritz 533'. Nordhöhe (Kirchberg) bei Schwaara 744'.
Pfortener Berg 591'. Geiersberg bei Gera 750'.
Alter Markt 610'. Nordhöhe von Seifarthsdorf 750'.
Südosthöhe von Tinz 613'. Südwestüdhöhe von Söllmnitz 751'.
Merzenberg bei Milbitz 625'. Höhe zwischen dem oberen Eleonorenthal und Heinzethal 756'.
Rother Berg bei Debschwitz 630'. Nordwestnordhöhe von Rubitz 756'.
Nordhöhe von Gleina 630'. Weinberg bei Untermhaus 756'.
Straßenhöhe zwischen Pöppeln und Windischenbernsdorf 640'. Lasur bei Pforten 758'.
Lauseberg bei Caaschwitz 675'. Südwesthöhe von Laasen 758'.
Heersberg 680'. Nordhöhe von Schöna 758'.
Nordwesthöhe bei Lusan 681'. Nordhöhe von Leumnitz 759'.
Galgenberg bei Gera 684'. Osthöhe von Kleinaga (Signal) 760'.
Westnordwesthöhe von Collis 690'. Südwesthöhe von Dürrenberg (Signal) 760'.
Steinberg bei Gera 700'. Südhöhe von Wernsdorf 760'.
Westhöhe von Oberröppisch 703'. Naundorf, Windmühle in Südost 760'.
Nordosthöhe von Bieblach 712'. Nordhöhe bei Naundorf 762'.
Rindenhütte auf dem Hainberg 720'. Cosse 763'.
Wachholderberg bei Zschippern 730'. Steinertsberg 763'.
Steinberg bei Töppeln 732'. Nordostnordhöhe von Söllmnitz 763'.
Südwesthöhe bei Laasen 738'.

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42 Orte42 Places
I. Die Natur des Landes.

Westnordwesthöhe von Kaimberg 768'.
Südwesthöhe von Rusitz nach Franken- thal 768'.
Südhöhe von Geissen 770'.
Culm (collisser Berg) bei Collis 773'.
Hirschfelder Windmühle 774'.
Nordwesthöhe von Grüna 775'.
Weinberg, höchster Punkt im Westen
775'.
Nordwestnordhöhe von Laasen 775.
Eichberg bei Dorna 776'.
Südwesthöhe von Hirschfeld 776'.
Kienberg bei Langenberg 780'.
Naundorf, Windmühle im Südwesten
780'.
Westhöhe von Trebnitz 780'.
Westhöhe von Lessen (Signal) 780'.
Südhöhe von Bethenhausen 780'.
Südhöhe von Langengrobsdorf nach
Markersdorf 787'.
Ronneburger Höhe (Signal) 789'.
Südhöhe von Laasen (Signal) 794'.
Südhöhe von Grüna 800'.
Nordhöhe von Rüdersdorf 800'.
Windmühle bei Zschippern 800'.
Galgenberg bei Pörsdorf 801'.
Nordhöhe von Niederndorf 805'.
Steinsberg (Nordwest) von Wernsdorf
809'.
Nordwestnordhöhe von Steinbrücken
(Signal) 811'.
Westhöhe von Mühlsdorf (Signal) 813'.
Osthöhe von Stübnitz 815'.
Friedrichsberg bei Pörsdorf 815'.
Ostsüdosthöhe (der Berg) bei Otticha
816'.
Ostnordosthöhe von Roben nach Rusitz
zu 819'.
Chausseerundtheil bei der seeligenstädter Ziegelei 822'.
Nordwesthöhe von Geissen 824'.
Nordwestnordhöhe von Stübnitz (Sig-
nal) 825'.
Osthöhe von Leumnitz 825'.
Nordhöhe von Roben (Signal) 825'.
Berghöhe zwischen Langenberg und
Hain 825'.
Nordwesthöhe von Lichtenberg 826'.
Chaussee zwischen Reichenbach und
Kretzschwitz 827'.
Nordostnordhöhe von Großsaara 828'.

Südosthöhe von Schöna 830'.
Westhöhe von Rusitz (Signal) 831'.
Nordhöhe von Geissen 834'.
Lerchenberg (Nordost) von Geissen 836'.
Westnordwesthöhe von Ernsee (Signal)
836'.
Südosthöhe von Ernsee 841'.
Osthöhe von Rüdersdorf 847'.
Südhöhe von Kleinsaara 850'.
Hässelsberg (Norden) bei Großsaara
850'.
Chaussee bei Wachholderbaum 850'.
Nordost von Harpersdorf 850'.
Westhöhe von Schöna 855'.
Nordwesthöhe von Schöna nach Klein-
saara 860'.
Südwesthöhe von Dürrenebersdorf
(Signal) 863'.
Alte Fichte (Nordhöhe) von Dürren- ebersdorf 868'.
Westnordwesthöhe von Dürrenebersdorf
873'.
Nordosthöhe von Wüstfalke 876'.
Südwesthöhe von Weissig (Chaussee)
880'.
Weichhügel bei Rüdersdorf 880'.
Mittelberg (Westnordwest) bei Walters- dorf 881'.
Südosthöhe von Dürrenebersdorf (Sig-
nal) 882'.
Windmühle bei Dürrenebersdorf 882'.
Südosthöhe von Lichtenberg 883'.
Nordosthöhe von Schöna 885'.
Südwesthöhe bei Weissig (Chaussee) 900'.
Nordhöhe von Kraftsdorf 900'.
Südwesthöhe von Pohlen 912'.
Westhöhe von Kaltenborn 913'.
Höhe zwischen Kleinsaara und Har-
persdorf 915'.
Südwesthöhe von Kaltenborn (Signal)
915'.
Zippenbusch=Ziegelei 920'.
Thümmelsberg (Nordost) von Krafts-
dorf 922'.
Westhöhe von Rüdersdorf 923'.
Zippenbusch (Signal) 925'.
Südhöhe von Großsaara 925'.
Hart (Nordhöhe) bei Hundhaupten
(Signal) 928'.
Thümmelsberg (Nord) von Harpers-
dorf 939'.

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8 Orte8 Places
4. Plastik des Landes oder dessen senkrechte Gliederung.
Westhöhe (Mühlberg) von Kraftsdorf Steinbusch (Südwest) b. Kraftsdorf 975'.
955'. Südhöhe von Kraftsdorf 975'.
Käseberg 958'. Scheidberg bei Hundhaupten (Signal)
Westhöhe von Hundhaupten 975'. 989'.

Das Oberland, ein hochstockiger, fester Gesteinsbau, energisch durch seinen Himmel und seinen Boden, reich an Eisen, Wald, Quellen und Teichen, gekennzeichnet durch den Besenstrauch, welcher längs aller Wege wächst und schleicht, durch die Latzschürzen bei Männern und Knaben und durch die Anfänge des Alpenjodelns, thätig in Viehzucht und glücklich beim Segen der Klöße, besteht zwar wie das Unterland nur aus drei Hauptgliedern, aus dem Rinnsal der Saale und aus zwei Seitenlandschaften, aber das Saalthal ist hier nur ein Bodenriß und Kletterspalt, die Seitenglieder dagegen emporgehobene weite Tennen- und Zinnenstriche. Darum bildet es ein Hochplateau, das nicht allein ausgedehnter, härter, höher und luftfrischer ist, als das Unterland, sondern auch ausgeprägter in all seinen Bodenformen und von weitaus größerer Eigenthümlichkeit. Wenn im Unterland neben den Plateaustrichen sich auch das Elsterthal einen landschaftlichen Character errungen hat, so behauptet im Oberland nur die Hochfläche die eigentliche Landschaft. Der Saaleinschnitt ist zwar eine höchst romantische Felsenspalte, aber darum auch ohne Gegend; dagegen bietet jeder Höhenpunkt der Seitenplatten Rundsichten, je höher der Punkt, desto mehr über nahe und ferne, hohe und tiefe, helle und dunkle Bodenstriche wegschauend und desto stärker Sinn und Gemüth zugleich mit Wanderlust und Heimweh erfüllend. Der über die Hochtafel ausgebreitete reiche Wechsel von kleineren und größeren landschaftlichen Bildern durchschreitet alle Töne vom Sanften bis zum Erhabenen. Wie im leicht bewegten Meere Wellen und Wasserfurchen auf einander folgen, so hier langgezogene Landwellen und sanfte Mulden, aber dort Alles in rastlosen Schwingungen, hier in festem Stillstand; daher erscheint die Oberfläche des Oberlandes wie ein erstarrtes, zur ewigen Ruhe gebanntes Meer. Wo sich auf dieser gleichsam „verwunschenen Seefläche“ Landwellen häufen und durchkreuzen, thürmt sich der Boden zu fernsichtigen Wulsten und Höhen empor. Zwischen den Wellen liegen die sanften Mulden mit ihren schleichenden Gewässern, grünen Auen und gebuchteten Ortschaften. Den sanft wogenden Flächencharacter verlieren jedoch die Bergwellen und Mulden, wo sie sich der Saale nähern; hier springen jene in steile Felswände, diese in jähe Kerben über. Aus der Hauptflächenbildung des Oberlandes folgt übrigens von selbst, daß hier neben quellenarmen Strichen quellenreiche, neben hartsteinigen unfruchtbaren Gebieten fruchtbare, neben trockenen Flächen sumpfige Mulden getroffen werden.

Obschon die Hochwellen manchfach breite, mit Wald oder Feld besetzte Rücken tragen, so hat doch der Bewohner sein Auge mehr für die Mulden und Thäler, als für die Bergrücken geschärft, dies darum, weil er meist in jenen der Quellen, des ergiebigeren Bodens und der schützenden Seitenwände wegen seine Wohnung aufschlug, daher finden sich für die Hochflächen wenig bezeichnende Ausdrücke, mehr dagegen für die Höhenpunkte, am meisten für die Rinnen und Thäler. Wenn die Hochebenen, je nachdem sie licht oder bewaldet sind, mit Mark, Brand, Haide oder Wald, die meist rundlichen Höhen und Buckel mit Bühl, Hügel (Hübel, Haug), Höhe, Kopf, Stein, Fels, Berg, Kulm, Delsch, Lohmen benannt werden, so trifft man für die verschiedenen Thalformen die Ausdrücke Senk (Seng), Tiegel, Pfanne, Kessel, Muschel, Tasche, Telle, Hölle, Kerbe, Graben oder Otter- und Schlangenbach. Was sich an landschaftlichen

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4 Orte4 Places
I. Die Natur des Landes.

Namen im Oberlande vorfindet, beruht vorzugsweise auf dem Höhenunterschiede der einzelnen Terrassen; daneben benennt man aber auch die Lage der Orte nach dem Saalthal, durch das sie in ein „hüben und drüben“ zerfallen, oder nach den größeren Waldstrichen, namentlich nach dem Frankenwald, Streitwald, Saalwald, Schleizer-, Oschitzer-, Köthen- und Pöllwitzwald. Nach der Höhe gliedert man das Oberland selbst wieder in ein „oben oder unten“, ein „nauf und nunter“, in ein Ober- und Unterland, sogar in ein Ober-, Mittel- und Unterland. In der Gegend von Greiz, Hohenleuben und Zeulenroda heißt der ganze oberländische Saalstrich das schleizer Oberland oder schlechthin das Oberland und wiederum in dem Quellstriche der Modera und Wiesenthal wird die Gegend nach Schleiz zu und nordwärts davon das Unterland genannt. In Schleiz selbst und in dessen Umgegend nennt man entweder die Orte um Tanna „die oberen“ und die an der Modelitzsch und Weida „die unteren Dörfer“ und die lobensteinsche Gegend „das Oberland“ oder man theilt das gesammte Oberland und die vorliegenden Länder ein in

das Oberland = die Dörfer nach Tanna und Hirschberg zu,
das Mittelland = die Dörfer im Modelitzschgebiete,
das Unterland = das hohenleubner und ziegenrücker Plateau,
drüben = Ebersdorf-Lobenstein,
drunten = Gera,
draußen = Thüringen und Franken.

Ebenso nennt man in Lobenstein die Dörfer jenseits der Saale (nach Frössen zu) das Oberland, die diesseits der Saale das Unterland. Wenn man in Saalburg sagt: „drüben in Ebersdorf oder Lobenstein, nein nach Schleiz, nüber nach Tanna, nauf nach Hirschberg und drunten in Burg“, so trifft man Aehnliches auf jedem anderen Standpunkte des Oberlandes, wobei der einzelne Ort sich als Mittelpunkt setzt und danach seine Umwelt eintheilt.

Seinen höchsten, einer Meeresbrandung gleichenden Randwulst hat das Oberland im Süden und im Südosten, im Frankenwald und in dem hohen Landbuckel, der sich vom pottigaer Waldrücken zwischen Frössen und Langgrün, Göttengrün und Seubtendorf, Gefell und Willersdorf, wo er zu 1685' ansteigt und Diebsweg heißt, nach Heidesfeld und Mißlareuth zieht. Von diesem hohen Randwulst senkt sich der Plateauboden sanft gegen Nordosten über die Weida hinaus zur Elster, steiler gegen Süden nach Bayern zu. Die beiden Buckel des Wulstes, der Frankenwald und der Diebswegbuckel, haben einst einen zusammenhängenden Damm gebildet; ihre Spaltung geschah durch die Saale, welche sich vom höfer Kessel aus hier ein Thor (harraer Thor) und eine Straße gewaltsam eroberte. Ihr tiefes, an herrlichen Uferscenen reiches Felsenbett, in neun Windungen das Oberland erst küssend, dann vom harraer Thor an durchsägend, ist das ewig dauernde Denkmal, das sie sich im Lande gebaut hat. Es ist die goldene, werkthätige Ader des Hochlandes, dessen Wasser sammelnd und dadurch die Nebenthäler bildend. Durch das Saalbett scheidet sich das Plateau in ein Diesseits und Jenseits, in eine linke und rechte Hochlandschaft, jene mit zwei, diese mit fünf besonderen Bodenformen, vorherrschend durch die abspülenden Wassergewalten erzeugt.

Das linke Saalplateaustück hat zwei Bodenglieder, den Frankenwald und den eliasbrunner Hochbuckel.

Der Frankenwald, vordem Nordwald, auch schlechthin Wald und sein Bewohner der Wäldner, Wälder genannt, bildet das einzige Gebirgsstück des Fürstenthums, wichtig dadurch, daß sich dasselbe südlich in das Bayerische als wasserscheidender Bergrücken („alter Kehr-, Wende- oder Rennstiegboden“) zwischen der

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11 Orte11 Places
4. Plastik des Landes oder dessen senkrechte Gliederung.

Saale und dem Main oder dem alten Höfer-Markgräfischen (Recknitzland) und dem bamberger Gebiet ausdehnt und das Fichtelgebirge mit dem thüringer Walde verbindet. Der diesseitige Frankenwaldzug, vom lehstener Plateau (Meiningen) bis zur Saale ausgedehnt, ist der höchstgelegene Randstrich des gesammten Frankenwaldes, daher gegen Süden abschüssig, gegen Norden und Osten aber, nach Neundorf und Harra hin, in vorgeschobene Hochwellen auslaufend. Das Langwasserthal und der Lemnitzgrund grenzen ihn nördlich ab. Sein Langrückenbau ist zugleich auch im Fürstenthum das höchste und rauheste, aber an Waldungen triebkräftigste Glied, darum in alter und neuer Zeit das reichste Jagd- und Holzgebiet. Die Berghöhen haben im Fichteberg ihren Montblanc, behalten jedoch nach Osten hin bis zum Kulm fast die gleichen Maße, erniedrigen sich dann aber gegen die Saale um 400 Fuß. In der Mitte des 12. Jahrhunderts erhielt das Michaelskloster zu Bamberg die waldige Gegend von Nordhalben zur Ausreutung. Damals muß dies Stift die christliche Kultur bis an den Rennstieg getragen und hier zur Hut und Pflege der von Bamberg in das Voigtland führenden Straße beim rodacher Brunnen das längst wüst gewordene Seeligenstädt, die von Nordhalben aus besorgte*) Kapelle am Kirchbach und die jetzt öden Orte am Orlabach gegründet haben. Ein Jahrhundert vorher hatte das saalfelder Benediktinerstift an der Sormitz herauf, somit von der Nordseite her, dem Frankenwald christlichen Kult zugeführt. In späterer Zeit wirkte auf die Belebung des Waldes die Industrie und der Natursinn mancher Regenten des Landes. Im Jahre 1647 berechnete man die Fläche des Frankenwalds mit Einschlusse des Sieglitzwaldstriches auf 15,183 7/8 nürnberger Acker. An Hauptbergen finden sich in ihm auf der Ostseite der Kulm, Sieglitz, Pempelberg, Hacken, Markusberg, die Siegelleite, Eichleite, der Wiesbühl und Lerchenhügel; auf der Südseite der Vogelherd, Otterwinkel, das Hirschloch, der Klösberg, die Pfalz, der Titschenberg, Franzenberg, Lagstein (Langestein), Stutenkamm, Mittelberg, großer und kleiner Brand**), Fuchsenberg (Fuchsengeräumde), Finkenberg, die Waldleite, der Wolfsgrubenberg und die hohe Tanne; auf der Nordseite der Neunberg (neundorfer Berg), Sauhügel, graue Berg, obere und untere Trog, Mittelberg, Glashügel, Vogelberg; auf der Westseite der Fichteberg, Oßlahügel, hintere Berg, Galgenberg, Osselberg, Kirchberg und Tosselsberg.

Der eliasbrunner Hochbuckel, zwischen der Saale, der Sormitz, dem Langwasser und der Lemnitz als lang- und breitwelliger Hochbau in der Form einer breitsohligen Pyramide aufgethürmt und außer den diesseitigen Gebieten auch über greizer und schwarzburger Striche ausgedehnt, hat bei Eliasbrunn seine pyramidale Spitze, von der aus nach allen Himmelsgegenden der Boden abdacht und Wasserfäden abfließen. Seine Fußränder sind gegen die Flüsse hoch und schroff, nur gegen die obere Lemnitz sanfter. Auf seinem breiten Rücken, der zum Theil als trockener Strich die Mark heißt, liegt der Streitwald und eine Gallerie von Ortschaften. Er hat mehr „Bühl“ oder Buckel, als ausgeprägte Bergformen. Selbst seine höchste Spitze bei Eliasbrunn ist bloß ein Buckel, obschon nur 213' tiefer als der höchste Berg im Frankenwald. Die erste christliche Kultur trug Saalfeld in diesen Strich; später wirkten Schleiz, Gera und Lobenstein bildend ein. Unter seinen Höhen sind nennenswerth im Ottergebiet der Bühl, das Eibicht, Pfaffentännig, der Bühl und Oberländer; an den Ilmquellen das Tännig, die Birken, das Erlich, der Ilmhügel, Biergarten und das Roth; an der Törpig der große und kleine Silberberg, Roßbühl, Geiers-

*)Dies beweist der südlich fließende Pfaffenbach.
**)1647 Gölsch genannt.

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5 Orte5 Places
I. Die Natur des Landes.

hügel, Taubenherd, Neidenberg, Steinbühl, Tiebelberg, das Henkersfleck, Neureuth und die Sormitzleite (Thierbachsleite); an der Lemnitz der Lerchenhügel (bei Heinersdorf), Koselstein, Fels, das Eibichholz, der Hölperlesberg (Beerhügel), weiße Stein, das Kösele, Geheeg, der Henneberg, Galgenberg, Siechenberg und das Tännig; zwischen der Friesa und der Saale der lobensteiner Muckenberg, Kapfenberg, ebersdorfer Muckenberg, Heinrichsstein, Hartebruch, Hartmannsberg, Koppenfels, Hirschkopf, die hohe Tanne und der hohendorfer Berg.

Die rechte Saaluferlandschaft hat zu ihren Bodenformen die hirschberger Saalwand, das Wiesenthal-Wetteraplateau, die Modelitzschmulde, das ziegenrücker und das hohenleubner Plateau.

Die hohe Landschwelle, welche als langgezogener Bergrücken vom harraer Saalthor östlich bis Heidefeld und über Mißlareuth nach Stelzen zieht und die abfließenden Wasser in nördliche und südliche Zuflüsse der Saale scheidet, erhebt sich am Diebsweg, der zwischen Tanna und Gefell ihrem Rücken entlang läuft, zu ihrer größten Höhe, nur 230' tiefer als der Kulm im Frankenwald. Auf ihrer Nordseite hat sie das ausgedehnte Wiesenthal-Wetteraplateau, auf der Südseite ein zur Saale abfallendes schmales Gelände mit neun kurzen, wärmlich gebuchten Thälern und dazwischen sonnige Landwellen. Wie auf der Nordseite eine Wettera fließt, so auf der Südseite, dem Saalgelände, das mit Recht das hirschberger Gelände heißt, weil sich auf demselben die alte Pflege Hirschberg ausgebreitet hatte. Von den Höhen dieser schönen Saalwand tragen reizende Fernsichten über das Saalthal in die wechselvoll geformten Striche des bayerischen und lobensteiner Frankenwalds und zum Fichtelgebirg. Nach fränkischen Angaben gehörte die hirschberger Saalwand zum Recknitzland und dieses zum Radenzgau, deshalb läßt man auch das bamberger Bisthum seine kirchliche Wirksamkeit bis Gefell ausdehnen und stellt Hirschberg und seine Umgebung unter das alte Diaconat Kronach. Dem widersprechen indeß sichere thüringische Berichte, nach welchen der Saalwandstrich dem Bisthum Naumburg unterstellt war. Zu den Haupthöhen der Saalwand gehören zunächst als Berghäupter des Hochrückens der Lindeknock, die gerische Leite, kalte Tanne, hohe Leite, der Ochsenstollen, Sauberg, die Schupfe, der Mühlberg, Kohlungshügel, Tannenhügel, die frössner Höhe, der Haugenbühl, die blintendorfer Höhe, die alte Höhe bei Göttendorf, die Kohlung, der Brandberg, Rosenbühl, Diebsstein, Knollenbusch, Heideberg und die Kapellhöhe bei Stelzen; dann auf dem Gelände am Tannenbach der Mühlberg, Eybaberg, das Birkicht und der venzkaer Bühl (Warte); am Aubach der Siebenacker, das Mühlholz, die Langestaude, der Mühlberg, das rothe Kreuz, der Krähenberg, gefeller Berg, Steinbühl, wilde Stein, Schmerstein, Lohmen, Lehesten, Bühl und Starenberg; zwischen dem Göritz- und frössner Thale die Höhe und der Bachberg; westlich von Frössen der hohe Rain, Tannenhügel, Vogelherd, das Hoheloh und der Griesbühl.

Das Wiesenthal-Wetteraplateau oder das Dreistädtehochland erstreckt sich in der Hauptmasse von der hohen Diebsweglandschwelle nordwärts bis zu den Randbergen der Weida, an der schmalen Westseite dagegen zur Saale, dort gering, hier stark abdachend. Es besteht dasselbe aus vier parallelen Thälern und aus vier langgezogenen, breitrückigen Hochwellen, die sich zwischen den Thälern und längs derselben ausbreiten. Das Eigenthümliche der vier Thäler ist ihr paralleler Bogenlauf; den kleinsten Bogen machen der Pösnigsbach und die Triebes, den mittleren die Wettera und den größten die Wiesenthal. Ausgedehnte Waldstriche, vor Allen der schleizer Wald, den man 1647 auf 4487 7/16 nürnberger Acker angab, und reiche Teichlager, namentlich in der Kämmera (dem

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11 Orte11 Places
4. Plastik des Landes oder dessen senkrechte Gliederung.

Quellgebiet der Wettera) und in dem Pörmizwalde, erfüllen meist die Hochflächen des Plateaus, auf dem gleichfalls mehr Buckel als Berge aufsitzen. Nur wenige Orte haben sich auch hier auf den Höhen angebaut, die Mehrzahl in den Thälern und Mulden und allda liegen auch die drei Städte dieses centralen Plateaus, im hohen Süden Tanna, im gesenkten Norden Schleiz und auf einer Saalterrasse im Westen Saalburg. Die christliche Kultur kam in dies landschaftliche Gebiet, sowie in die übrigen nördlichen Gebiete des Oberlandes durch das Bisthum Naumburg, durch die Grafen von Eberstein und Lobdaburg, durch die weidaer Landesherrn und durch das deutsche Ordenshaus in Plauen und Schleiz. Als hervorragende, meist den Blick weit tragende Buckel und Berge des Wiesenthal-Wetteraplateaus sind zu nennen auf der Südseite des Pösnigsbachs der Schreibühl (Hühnerloth), Scherf, das Erlich, der Sträußleinstamp, Marienstein, Schiller, Künsberg (Künsdorfer Berg), die blaue Leite, der Lerchenberg und die Waldspitze bei Künsdorf; zwischen dem Pösnigsbach und der Wettera oder auf Seiten der Triebes das hintere Tännig bei Schilbach, der hohe Rain, hohe Stein, Bühl, Rittersbühl, Seilersbühl, Rothenbühl, Lohbühl, Dorfberg, die sog. Kappel, der Mühlberg, Honigberg, die Geiersleite, der Gießhübel, Gültzsch, Steinhübel, Vogelherd, Leuchthügel, Hatzenberg, Kulm, Schloßberg, Saalberg und Egidiberg; zwischen der Wettera und Wiesenthal das Häsig, der Ebersberg, Brand, Weißkiesel, hohe Bühl, die Buchreuthe (Sophienhöhe), der Ahorn, Bühl, Erlich, Berghübel, Hundshübel, das Fichtig, der Steinbühl, Steinhübel, Grünberg, weiße Stein, hohe Rain, die hohen Reuthen, der Mühlberg, Gries, die rothe Leite, Moosflocke, der Hungerknock, Bühl, langenbacher Hügel, Zeiterahügel, Rehberg, Kranich, Heinrichsbusch, Königsberg, Schweinsberg, graue Berg, Sandberg, Kirschbühl, Wolfsgalgen, Rittersbühl, Totscher, Culm, Oelsch, Lohmen, Riesenbühl, die Höhe (Warte), der Kosent, die Siebenlinden, der Schillershübel, Bühl, Kirchberg, Weinberg, die neue Leite, Wetteraleite, Einsiedelhöhe, Lochsleite, der Nonnenwald und die Molbizleite.

Die Modelizmulde, ein Glied des Weidagebietes und vor Zeiten ein Seeboden, bildet einen kleinen, aber schön geformten, interessanten, im verjüngten Maßstab dem Lande Böhmen gleichenden Landkessel, von einem ausgedehnten, hoch und breitwulstigen Rande umsäumt, der die inneren Rinnen und Thäler durch Beschirmung vor den rauhen Winden erwärmt. Wenn die Quellenstriche der Wettera und Wiesenthal das schleizer Sibirien enthalten, so liegt in diesem Kessel das schleizer Italien. Die von dem Kesselrande nach innen abfließenden Wasser sammelt die Modeliz, welche zwischen Kirschkau und Förthen den Rand durchbricht und ihr Wasser durch dies Thor (das einzige des Kessels) der Weida zuführt. Im Centrum des Kessels, den übrigens die Bewohner in einen unteren und obern Kessel eintheilen, liegt Göschitz, auf und dicht am Rande aber neun Dörfer, darunter am höchsten die Nordranddörfer Dittersdorf, Dragensdorf und Tegau. Als Haupthöhen dieser Bodenform treten hervor im Norden die dittersdorfer Höhe, der Steinbühl, Bühl, Berg, die tegauer Höhe, der Ziegenberg, Mühlberg, Vogelsberg und Braunsberg; im Osten der pahrener Kapsenberg, Steinhübel, Igelsberg, förthener Berg, Taubenbühl, die Pechleite, der Binsenbühl, Steinbühl, Poppenberg (Popenberg), Ebersbühl, Stern, Hühnerbühl, das Erlich, der Birkenbühl, Lerchenhübel und lössauer Mühlberg; am Südrande die Hohewart bei Oettersdorf, der Wehrhübel, Sauhübel, Bühl und obere Bühl; am Westrande der Eckard, das Roth, der Oelsch, Permen, Busch, die kalte Leite, der Poppenberg, Hungerberg, göschitzer Kapsenberg, Lerchenberg und Brand.

Das ziegenrücker und das hohenleubner Plateau, zwei Weberstriche,

2*

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8 Orte8 Places
I. Die Natur des Landes.

beide früher reichenfelser Gebiete, jetzt dreiherrisch, kleinstentheils zu Weimar, größtentheils zu Greiz und Schleiz gehörig, bilden zwei schmale, aber hochrückige, nordwärts und parallel gestreckte Landzungen, jenes zwischen der Weida und Triebes, dieses zwischen der Triebes und Leuba aufgebaut. In ihrer Stellung zum Oberlande sind sie dessen nördlichste, niedrigste, daher das Unterland genannte Terrassen, demungeachtet hoch genug gethürmt, daß ihre Spitzen nach Thüringen und über das Voigtland zum Erzgebirge schauen. Ihre Orte liegen theils auf den meist mageren Rücken der Plateau's, theils in den ergiebigeren Thälern. Unter den diesseitigen Haupthöhen sind nennenswerth zuerst auf dem ziegenrücker Plateau in der Richtung von Leitlitz nach Triebes der Brand, das Erlich, Stäudig, die Buchleite, der Hasenbühl, Mühlberg, die schöne Höhe, der Mühlberg, Römersberg, Küchenbühl, die Ueberschaar, der Lindenberg, Taubenhügel, Leitenberg, Buchberg, Laiz, Wachholderhügel, Sonneberg, Teufelsberg, Tümmler, die Bisselkoppe, der Oelsch, Weidenberg, Steinhügel und die Höhe; auf dem hohenleubener Plateau um Hohenleuben der Schlegel, Lausehügel, Weinberg, Amselberg, Reichenfels und Kienberg (Kühnberg), bei Triebes der Sandberg und Lerchenhügel, bei Niederböhmsdorf der Brand und die obere und untere Hart und im Pöllwitzwalde der Vogelberg, Ochsenberg und Lerchenberg. Jenseits der Leuba liegen bei Langenwetzendorf die Hart, der Schieferberg und Töpferberg.

Die Höhe der bewohnten Punkte des Oberlandes:

Schloßmühle bei Reichenfels 800'. Neue Mühle a. d. Sormitz 1040'.
Neue Mühle bei Hohenleuben 800'. Neue Hammer a. d. Saale 1042'.
Sichelmühle 850'. Gottliebsthal, Saale 1048'.
Langenwetzendorf 875—1075'. Spaniershammer 1050'.
Hungriger Wolf 1023'. Weißendorf 1050—1100'.
Starkmühle 890'. Drahtmühle a. d. Sormitz 1054'.
Triebes 895—980'. Hirschbach 1072—1090'.
obere Häuser nach Weißendorf 960'. Leitlitz 1075—1160'.
obere Häuser nach Hohenleuben 980'. Dorfsmitte am Bache 1112,9'.
Kirche 938'. Saalburg 1075—1140'.
Mündung des Schmidtsgrundes in Langenwetzendorf 900'. Kirche 1103'.
Törbizmühle a. d. Weida 920'. Zschachenmühle bei Gahma 1080'.
Riedelmühle 925'. Harra 1080—1290'.
Rettungshaus bei Hohenleuben 950'. Kirche 1147'.
Reichenfels (Fuß der Ruine) 975'. Lemnitzhammer 1088'.
Hohenleuben 975—1050'. Niederböhmsdorf 1095—1140'.
Kirche Thkn. 1158'. Neupöllwitz 1098'.
Saalhäuser bei Saalburg 980'. Schmidtsgut bei Leitlitz 1098'.
Weckersdorf 990—1040'. Blankenstein 1100—1150'.
Chausseebrücke 998'. Neuärgerniß 1116—1125'.
Kleinwolschendorf 1015—1060'. Burkersdorf 1120—1175'.
Dorfteich 1025'. Dorfsmitte 1150'.
Leitlitzmühle 1020'. Kranich, Mitte 1125'.
Zscherlich 1025'. Görkwitz 1125—1175'.
Pahren 1025—1060'. Rödersdorf 1125—1160'.
Göttendorf 1025—1080'. Löhma 1132—1175'.
Göschitz 1025—1070'. Schleiz, Wiesenthal 1138'.
Langenwolschendorf 1030—1170'. Wiesenthalbrücke nach Greiz 1158'.
Kirche Thkn. 1281'. Haupttheil der Stadt 1150—1175'.
Schloß, Boden 1169,5'.

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18 Orte18 Places
4. Plastik des Landes oder dessen senkrechte Gliederung.
Schloß, Westthurmspitze 1340,6'. Forsthaus am Streitwalde 1300'.
Burkersdorf, Mitte 1150'. Carolinenfeld (Mitte) 1300'.
Kirche 1156'. Ebersdorf 1320—1390'.
Oschitz 1150—1200'. Kirche 1333'.
Pöritzsch 1150—1250'. Friedhofsmitte 1375'.
Grüngut 1160'. Weidmannsheil 1324'.
Hirschberg 1170—1225'. Kalte Schäferei 1322,6'.
Kirche 1209'. Oberböhmsdorf 1325—1348'.
Tegau 1170—1210'. die neue Kolonie 1365'.
Kirche, Thkn. 1298'. Grauer Affe 1312'.
Saalbach, Mitte 1172'. Zollgrün 1355—1380'.
Billingsmühle bei Lössau 1175'. Kirche 1347,6'.
Klettigsmühle an der Sormitz 1175'. Wernsdorf 1340—1360'.
Raila 1190—1250'. Unterkoskau 1348—1425'.
Pörmitz 1190—1220'. Blintendorf 1350—1370'.
Kirche 1203'. Rödern 1360—1370'.
Lehesten 1190—1350'. Schönbrunn 1360—1440'.
Klettigshammer, unterstes Haus 1195'. Siehdichfür 1367'.
Herrnmühle, unterhalb Lobenstein 1200'. Langgrün 1365—1430'.
Dragensdorf 1200—1220'. Kirche 1417'.
Kirche 1204'. Oberkoskau 1370—1395'.
Schleizer Bergkirche 1200'. Marienstein 1372,5'.
Loßmühle 1205'. Solmsgrün 1372,5'.
Chausseehaus nördl. von Tegau 1210'. Dobareuth, Mitte 1372,5'.
Gräfenwarth 1215—1271'. Ebersberg 1372,5'.
Joachimsmühle am Streitwalde 1225'. Dürre Schäferei 1372,5'.
Waldhäuser (Oberböhmsdorf) 1250 bis Künsdorf 1375—1425'.
1275'. Kirche 1402'.
Triebichsmühle 1250'. Gallenberg 1397'.
Niedergrün 1250'. Frössen 1375—1450'.
Dettersdorf, Mitte 1250'. Kirche, Fuß 1397'.
unterste Häuser 1225'. Lichtenbrunn 1375—1510'.
Kirche, Thkn. 1352'. Wurzbach 1380—1510'.
Lobenstein, unterstes Haus im Lemnitz= Kirche 1477'.
grunde 1250'. Ausgang der Chaussee nach Loben=
oberste Häuser im Koselgrunde 1300'. stein 1390'.
am reußischen Hofe 1297'. Seubtendorf 1390—1430'.
Teich 1267'. Kirche 1423'.
Schloßberg 1460'. Frankendorf, das Gut 1394'.
Thurmruine, oberer Rand 1506'. Mielesdorf, Kirche 1397'.
Dittersdorf 1255—1350'. Benzka, Dorfsmitte 1400'.
Kirche, Thkn. 1387,5'. Absangk 1403'.
Göritz 1267—1325'. Heinrichsruh 1405—1425'.
Lückenmühle 1275'. Wetterfahne des Thürmchens 289,628
Kirschkau, die nördlichen Häuser 1275'. Toisen.
Kirche, Thkn. 1371'. Ullersreuth, Kirche 1408'.
Pottiga 1275—1360'. Kulm 1410—1450'.
Bärenmühle unterhalb Wurzbach 1292'. Kirche, Thkn. 1484'.
Lössau 1300—1330'. Spilmes 1418—1426'.
Kirche 1317'. Einzelhaus in Südosten 1450'.
Lothramühle 1300'. Mödlareuth 1420—1475'.

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54 Orte54 Places
I. Die Natur des Landes.
Birk 1420—1470'. Oßla 1525—1580'.
Hohenpreis 1425—1450'. Dürrenbach 1525—1590'.
Lerchenhügel 1425—1460'. Stelzen 1525—1560'.
Unterlemnitz 1425—1475'. Helmsgrün 1530—1560'.
Tanna 1430—1480'. Gebersreuth 1540—1575'.
Kirche 1487'. Oberlemnitz 1542—1590'.
Altengesees 1430—1460'. Kirche 1569'.
Kirche, Fuß 1443'. Juchhöh, Chausseehaus 1546'.
Lothra 1430—1460'. Gahma 1550—1590'.
Thierbach 1430—1528'. Kirche, Thn. 1671'.
Benignengrün 1432'. Bodenhöhe 1596'.
Lichtenbrunn, Mitte 1437'. Ebersberg 1570—1575'.
Schilbach 1440—1505'. Langwassermühle 1572'.
Kirche 1458'. Göttengrün, Chaussee 1572,3'.
Ruppersdorf 1440—1500'. Straßenreuth, Nordhäuser 1625'.
Kirche, Thn. 1562'. Heinrichshöhe 1625—1650'.
Seibis 1442'. Hornsgrün 1646'.
Hochofen bei Benignengrün 1447'. Schlegel, Teich im Dorfe 1646'.
Rothenacker Kirche 1447'. Eliasbrunn 1650—1680'.
Arlas, Kirchenruine 1458'. Kirche, Thn. 1746'.
Knauersmühle 1452'. Heidefeld 1665—1675'.
Bellevue 1454'. Heinersdorf 1680—1760'.
Schornsteinsrand am Forsthaus 1477'. Kirche, Thn. 1797'.
Oßlaer Mühle 1473'. Röttersdorf 1695—1755'.
Kießling 1475—1525'. Kirche 1722'.
Herrenhaus 1522'. Heinrichsgrün 1697—1720'.
Göttengrün 1475—1575'. Heinrichsort 1704'.
Willersdorf 1480—1520'. Jägersruh 1717'.
Kirche 1502'. Neundorf 1720—1780'.
Thimmendorf 1485—1575'. Kirche 1746'.
Kirche, Fuß 1511'. Rodacherbrunn 1780—1810'.
Dornbusch 1500—1510'. Grumbach, Mitte 1797'.
Pulvermühle am Langwasser 1503'. Kohlhäuser 1800—1825'.
Titschendorf 1510—1604'. Karolinensfeld 1874,6'.

Demnach ist im Oberlande der tiefste bewohnte Punkt die reichenfelser Schloßmühle oder die hohenleubner „Neue Mühle“, der höchste dagegen Karolinensfeld; ihre Differenz beträgt 874'. Die Durchschnittshöhe der Wohnorte hat also ca. 1340'. In der Wirklichkeit liegen 63 Wohnpunkte (mit Inbegriff der Einzelhäuser) höher als derselbe, 74 unter ihm.

Die Berghöhen des Oberlandes:

Weinberg bei Hohenleuben 992'. Römersberg bei Langenwolschendorf 1118'.
Westnordwesthöhe b. Hohenleuben 1022'. Nordwesthöhe (Waldenberg) bei Kranich 1150'.
Lerchenhügel bei Triebes 1091'. Vogelsberg bei Burkersdorf 1158'.
Signal 1008'. Südwesthöhe von Niederböhmsdorf 1170'.
Westhöhe von Kleinwolschendorf 1088'. Südosthöhe von Niederböhmsdorf 1173'.
Waldhöhe nördl. v. Weckersdorf 1098'. Förthnerberg bei Pahren 1183'.
Nordwesthöhe von Hirschbach im niederböhmsdorfer Walde 1122'. Kapsenberg bei Pahren 1183,2'.
Südosthöhe von Hirschbach 1125'.

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39 Orte39 Places
4. Plastik des Landes oder dessen senkrechte Gliederung.
Westhöhe von Langenwolschendorf 1183,2'. Höchster Punkt im Weidmannsheiler Forst 1450'.
Südwesthöhe von Schleiz, kl. Schweinsberg 1200,3'. Lobensteiner Muckenberg 1450'.
Vogelherd im Pöllwitzwalde 1205'. Ochsenstollen 1450'.
Hungerberg bei Löhma 1206'. Geiersberg bei Lobenstein 1450'.
Südosthöhe von Leitlitz 1233'. Buckel zwischen Ebersdorf und Röppisch 1458'.
Südostsüdhöhe bei Pörmitz 1237'. Kirchberg bei Wurzbach 1460'.
Schöne Höhe bei Langenwolschendorf 1254'. Ebersdorfer Muckenberg 1461'.
Osthöhe von Neupöllwitz 1257'. Westhöhe von Heinrichstein 1466'.
Nordwesthöhe von Tegau 1288'. Mühlberg bei Mielesdorf 1484'.
Nordosthöhe von Görkwitz 1291'. Heinrichsruh, Wetterfahne des Thürmchens 1496'.
Nordosthöhe von Dettersdorf (bei den Eisengruben 1297'. Nordwesthöhe von Mielesdorf 1500'.
Heinrichsstein 1297,7'. Schönbrunner Hügel im Nordostnord 1500'.
Hirschkopf bei Pörmitz 1303'. Nordosthöhe von Künsdorf 1508'.
Südosthöhe von Dettersdorf 1304'. Bühl bei Lothra 1509'.
Nordosthöhe von Künsdorf 1308'. Moosflocke (Moosfleck) 1510'.
Südosthöhe von Oschitz 1310'. Horla-Acker (Ullersreuther Höhe, Signal) 1522'.
Schmiedekoppe bei Gräfenwarth 1317'. Westhöhe von Ruppersdorf 1522'.
Südwesthöhe von Löhma 1328'. Kulm bei Kulm 1522'.
Lohmen bei Oschitz 1330'. Ostnordosthöhe von Mielesdorf 1525'.
Künsdorfer Berg (Künsberg) im Saalwalde 1333'. (Bahnhof Reuth an der östlichen Landesgrenze 1525'.)
Osthöhe von Oschitz 1340'. Großer Silberberg bei Gahma 1530'.
Nordhöhe von Karolinenfeld 1346'. Holzberg (Bergholz) westnordwest von Frankendorf 1530'.
Poppenberg bei Kirschkau 1350'. Höhe zwischen Oberkoskau und Willersdorf 1533'.
Dittersdorfer Höhe im Nordwesten 1358'. Höchster Punkt im oschitzer Walde 1540'.
Südostsüdhöhe (Lerchenhügel) von Kirschkau 1359'. Höhe zwischen Unterkoskau und Stelzen 1540'.
Hartebruch bei Ebersdorf 1369'. Geheeg bei Lobenstein 1542'.
Nordostnordhöhe von Lössau (Signal) 1373,3'. Tannenhügel (Westen) von Frössen 1550'.
Mühlberg bei Lössau 1375'. Südwesthöhe von Langgrün 1550'.
Hohendörfer Höhe bei Pörmitz 1392'. Nordhöhe von Rothenacker 1550'.
Hartmannsbruch bei Ebersdorf 1400'. Lichtenbrunner Nordosthöhe 1552'.
Südhöhe von Lössau 1400'. Westhöhe von Siehdichfür 1557,7'.
Schillershügel bei Gräfenwarth 1400'. Südhöhe von Mielesdorf 1557,7'.
Frössner Höhe 1400'. Südhöhe von Titschendorf 1575'.
Königsberg 1400'. Lerchenhügel bei Thierbach 1575'.
Chaussee bei Heinrichsruh, wo sie sich nach Saalburg und Zollgrün abzweigt 1414'. Seibishügel im Südwesten 1580'.
Nordosthöhe von Wernsdorf 1432,9'. Südwesthöhe von Seubtendorf 1580'.
Kirchberg bei Lobenstein 1438'. Ebersberg 1582'.
Großer Schweinsberg 1450'. Vogelherd im lerchenhügler Forst 1585'.
Langenbacher Hügel (Osten) von Oberböhmsdorf 1450'. Kohlung (Osten) von Blintendorf 1585'.
Südhöhe von Ruppersdorf 1598'.

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5 Orte5 Places
I. Die Natur des Landes.
Geiershügel bei Ruppersdorf 1600'. Heideberg bei Heidefeld 1685'.
Südwesthöhe von Altengesees 1600'. Südwesthöhe von Tanna 1685'.
Nordhöhe von Lothra 1600'. Pfalz (Fals), nördlich von Titschendorf 1690'.
Höhe zwischen Göttengrün und Seub- tendorf 1600'. Südosthöhe von Helmsgrün 1700'.
Tummelplatz bei Kießling 1600'. Mittelberg im Frankenwald 1711'.
Osthöhe von Langgrün 1610'. Nordhöhe von Eliasbrunn 1712'.
Kappel bei Tanna (Signal) 1610'. Roßbühl bei Gahma 1714'.
Sophienhöhe bei Frankendorf 1615'. Südwesthöhe von Eliasbrunn (Signal) 1732'.
Katzenberg bei Eliasbrunn 1615,4'. Krähenhügel b. Schlegel (Signal) 1743'.
Stelzenbaum (Signal) 1619'. Chausseehöhe oberhalb Heinersdorf 1767'.
Südhöhe von Straßenreuth 1630'. Quelle der Rodach 1772'.
Südosthöhe von Dobareuth 1630'. Neue Berg bei Neundorf 1777'.
Oßlaberg 1634'. Kreuztanne bei Helmsgrün 1782'.
Der kleine titschendorfer Berg (Süd- west) von Heinrichshöhe 1647'. Graue Berg im Frankenwald 1802'.
Westhöhe von Eliasbrunn 1650'. Südwesthöhe von Neundorf 1808'.
Eybaberg bei Gebersreuth (Signal) 1660'. Vogelberg bei Wurzbach 1809'.
Osthöhe von Gebersreuth 1660'. Lerchenhügel bei Heinersdorf 1817'.
Nordwesthöhe von Thimmendorf 1660'. Oßlahügel 1819'.
Brand (Nordost) von Göttengrün 1675'. Finkenberg 1875'.
Heidekoppe südostsüd von Wurzbach 1677'. Sieglitzberg 1878'.
Tännig, Höhe zwischen Ruppersdorf und Thimmendorf 1677'. Hohe Tanne 1885'.
Chausseehöhe oberhalb Eliasbrunn 1680'. Fels bei Helmsgrün 1897'.
Straßenreuther Höhe 1680'. Kulm 1913'.
Rosenbühl 1683'. Fichteberg, zwischen dem Rohrbache und dem großen Grunde an der Lan- desgrenze 1925'.

5. Geognostische Übersicht.*)

Wie in allen landeskundlichen Beziehungen, so ist auch bei den geognostischen Betrachtungen des reußischen Landes es thunlich, das Oberland und das Unter- land aus einander zu halten.

A. Das Oberland.

Das Oberland macht von irgend einer der hervorragenden Höhen aus ge- sehen den Eindruck, als sei es einst flüssig gewesen und als seien die Wellen dieses Meeres dann plötzlich erstarrt. Dies hat seinen Grund einestheils in der sanfteren Böschung, welche die meisten Berge und Hügel zeigen, anderentheils aber vorzüglich darin, daß eine gewisse Anordnung der Berge nach Reihen von Nordost nach Südwest und eine vorwiegende Längserstreckung der meisten Höhen nach eben dieser Richtung bald in die Augen fällt. Es scheint eben, als ob oben ein Südostwind über ein Meer geweht und als ob dann plötzlich die ganze Wassermasse mit ihren Wellen versteinert sei. Der Grund liegt darin, daß durch Kräfte, die Millionen von Jahren hindurch wirkten, allmählig über

*)Dieser geognostische Abschnitt hat Herrn Prof. Dr. Liebe in Gera zum Verfasser.

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5. Geognostische Übersicht.

das ganze Terrain hinweg die Erdkruste in Falten gelegt ward, welche, im Allgemeinen von Nordost nach Südwest verlaufend, eine Reihe von ziemlich parallelen, meilenlangen Riesenwällen bildeten. Dies geschah vorzüglich während der Perioden in der Geschichte unseres Erdballes, welche unter dem Namen der Devonzeit und Steinkohlzeit bekannt sind. Aber schon vorher, in der Silurperiode, hatte sich durch Faltung der Erdkruste ein fast meilenbreiter Wall gebildet in der Richtung von Ostsüdost nach Westnordwest und dann nach Nordwest verlaufend. Durch ihn ward ein guter Theil der Schichten, die das Silurmeer abgesetzt hatte, zum Niveau des Silurmeeres und theilweise darüber hinauf gehoben. Ihm parallel liefen ähnliche Erhebungen von geringerem Belang. Dieser älteste silurische Erhebungswall läßt sich heutzutage noch recht gut in der Richtung von Hirschberg über Blankenberg nach Lobenstein bis Heinersdorf hin verfolgen. Tausende von Rinnsalen und Bächen und Flüssen, die in der Urzeit die Regen- und Quellwasser in das Thüringer- und Frankenmeer ableiteten und später abermals Tausende solcher Wasseradern, welche jetzt zum Main, zur Saale und zur Elster führen, haben im Verein mit diesen Strömen das ganze Gebiet durch allmälige Auswaschung und Abspülung mit unzähligen Schluchten und Thälern durchfurcht und so an vielen Orten die ursprünglichen Falten und Erhebungen ziemlich unkenntlich gemacht. Immerhin aber sieht man noch recht gut, wie die Saale, die Wiesenthal und andere Flüsschen bald quer durch die Erhebungswälle hindurchbrechen, bald sich ihnen anbequemend zwischen je zweien in paralleler Richtung hindurchgleiten. In jenem Falle sind in der Regel die Thalgehänge steil und felsig, in diesem hingegen sanft geböscht. Daß unter solchen Umständen in dem Zeitraume von so vielen Millionen von Jahren eine ungeheure Masse von festem Gestein den zerstörenden Einflüssen der Atmosphäre ausgesetzt und hinuntergeführt werden mußte in die Tiefländer und in die Meere, sei es in Gestalt von Geröll und Sand, sei es in Gestalt von Schlamm und Thon, das versteht sich von selber. Dadurch aber ist dem Geognosten, der Alter und Zusammengehörigkeit der verschiedenen Gesteinsmassen bestimmen soll, die Arbeit ungemein erschwert, zumal da sich noch einige andere Umstände, wie die vielfachen Grünsteineinlagerungen und der so oft eintretende Mangel an Versteinerungen, zu jenem Übelstande gesellen. Es haben sich indeß doch bis jetzt folgende Resultate herausgestellt.

1 a. Ob sich eigentliche Urthonschiefer im ganzen Gebiet finden, ist noch sehr zu bezweifeln, man müßte denn den talkigen Schiefer in der Umgebung von Hirschberg hierher rechnen. Wahrscheinlich ist aber auch dieser kambrisch. Die kambrische Formation ist die Gesammtheit der Gesteine, welche während der kambrischen Periode aus den Gewässern abgelagert oder aus dem Erdinnern hervorgequollen, sich auf der Oberfläche ausgebreitet haben. Die kambrische Periode aber ist der Zeitabschnitt in der Entwickelungsgeschichte unserer Erde, in welchem die ersten Anfänge der Thier- und Pflanzenwelt geschaffen wurden. Reste der letzteren sind aber bei uns verhältnißmäßig selten und bestehen nur in einer Art Seetang, dem Phycodes circinnatus (His.), welche im anstehenden Gestein nicht gut zu erkennen ist, wohl aber prächtig heraustritt, wenn die sie enthaltenden Steinplatten auf den Feldern und Abhängen längere Zeit den Einflüssen der Witterung ausgesetzt waren. — Die beiden Hauptgesteine dieser Formation sind ein meist grober und dickfaseriger Schiefer von hell grünlichgrauer Farbe einerseits und ein mehr oder weniger schieferiger, feinkörniger Sandstein andererseits, welche beide durch manchfache Übergänge verbunden werden. Einen breiten Streifen bildend, ziehen sie sich in fast nordwestlicher Richtung von der Kießlinger zu der Heinersdorfer Flur hin, treten zu beiden

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I. Die Natur des Landes.

Seiten der Saale zwischen Kießling und Ullersreuth an verschiedenen Punkten hervor und bilden endlich, wenn auch in etwas veränderter Gestalt, die Umgebung von Hirschberg, wie z. B. bei Mödlareuth, Gebersreuth, Ullersreuth an der Lehstenwand 2c.

Auch quer durch die Enclave Hohenleuben-Pöllwitz lassen sich diese Schiefer verfolgen, z. B. bei Neu-Ärgerniß und ohnweit der Neuen-Mühle. Aus ihnen bestehen der Lerchenhügel bei Heinersdorf, der Neue-Berg bei Lobenstein, die Berge um Lichtenbrunn 2c. Der durch Verwitterung aus diesen Gesteinen gebildete Boden ist im Allgemeinen wohl locker, aber nicht warm, jedoch der Vegetation nicht ungünstig und zwar ist er um so besser, je dünnschieferiger und je weicher das Gestein wird. Dagegen liefert es da, wo es sandsteinartig wird, einen dürftigen Ackerboden und an einzelnen Örtlichkeiten, wo es sich als Quarzit ausgebildet hat, wie z. B. am „weißen Stein“ unweit Lobenstein, geradezu einen armen mageren Boden — tauglich höchstens für Kieferpflanzungen.

1 b. Zu der kambrischen Formation zählen wir noch die schimmernden talkigen Schiefer von Hirschberg, welche mit gleichem Unrecht bald Urthonschiefer, bald Glimmerschiefer, bald Talkschiefer genannt werden. Sie bestehen aus feldspathartigen Mineralien, gemengt mit fein vertheiltem Quarz und durchzogen von parallelen Lagen eines Talkminerals von grünlich-grauer bis silbergrauer Färbung. Letzteres giebt allen Bruchstücken des Gesteins einen fast silbernen Glanz und läßt sogar die Wege innerhalb seines Gebietes im Sonnenscheine glitzern und funkeln. Dieser Schiefer verbreitet sich von der dobareuther Flur südwestwärts über Hirschberg nach Bayern hinüber und westwärts über Pottiga hinaus, wo er schließlich sich mit den mehr unveränderten kambrischen Schichten verbindet. Es ist ein umgewandelter Thonschiefer. Da das feldspathige Mineral, welches, wie oben erwähnt, zu seiner Zusammensetzung gehört, viel Kali enthält und da das Gestein nicht schwer zu einem lockeren warmen Boden verwittert, so liefert es eine sehr gute Ackererde. In ihr gedeihen vorzüglich gut die Hackfrüchte, namentlich Kraut- und Kohlrüben, aber auch Kartoffeln, sowie überhaupt alle Futterkräuter und Getreidesorten. Leider sind die Felder meist steil geböscht und so der Auslaugung und Abführung ihrer mineralischen löslichen Stoffe sehr ausgesetzt.

1 c. Im kambrischen Gebirge treten ferner nördlich und südlich bei Helmsgrün Stöcke eines jungen röthlichen Granits von mittlerem Kern auf, der aber, weil er leichter verwittert als der quarzige Phykodesschiefer um ihn her, keine Kuppen bildet und, größtentheils zu Grieß aufgelöst, als Ersatzmittel für Sand beim Bauen benutzt wird. In seiner Nähe ist der Phykodesschiefer schwarzfleckig geworden — in Fleckschiefer umgewandelt. Das Gestein selbst gleicht ganz dem Granit vom Heineberg bei Heberndorf an der schwarzburgisch-reußischen Grenze. — Auch ein röthlich-grauer bis schwarz-grauer Gneis, der aber wegen seiner Armuth an Quarz und wegen seines Chloritgehaltes einem Grünsteine sehr ähnlich ist, bildet Stöcke in der genannten Formation, z. B. an der Saale gleich unterhalb Hirschberg, zu beiden Seiten des unteren von Dobareuth nach Hirschberg sich herumwindenden Thales und vor Allem in Hirschberg selbst, wo er in der prächtigen Felswand des vorderen Schloßberges eine der schönsten landschaftlichen Parthien des Oberlandes hervorzaubert.

Weiter oben in der Nähe von Göttengrün liegen noch einige Stöcke eines quarzreichen Gneises von etwas jüngerem Alter. Dieser Gneis giebt einen noch kalihaltigeren Boden als der talkige „Hirschberger Schiefer“, der überdies noch wärmer und sehr locker, also der Vegetation außerordentlich günstig ist.

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5. Geognostische Uebersicht.

1 d. Im kambrischen Gebirge stehen auch hie und da Gänge von Grünstein: so auf dem Neuenberg und bei der Walkmühle am Lemnitzhammer chloritischer Kalkdiabas — in Hirschberg chloritischer zersetzter Diorit — an der Lehstenwandecke, bei Heinersdorf, bei Harra und am Krähenhügel unweit Seibis Titaneisendiabas und dergl. mehr. Allein alle diese Gänge sind von unbedeutender Mächtigkeit.

1 e. Weit wichtiger sind die Gänge von Spatheisenstein, welche zum größten Theile so ziemlich genau in der Richtung von Südost nach Nordwest, also in der Richtung der Hauptfaltung verlaufen und wegen der Güte ihrer Erze schon seit langer Zeit eines bedeutenden Rufes genießen. Zu nennen sind in dieser Beziehung der Rücken zwischen dem dobareuther und ullersreuther Thale (unter Anderem die wegen ihrer seltenen Mineralien berühmte Grube „Arme Hilfe“), das Tännig bei Lobenstein, die Umgegend von Pottiga 2c. Uebrigens setzen die Erzgänge vielfach in die folgenden Formationen fort und entwickeln sich oft erst hier zu größerer Mächtigkeit.

1 f. Nach oben lagern sich der kambrischen Formation Grünsteinlager ein. Von diesen soll aber erst weiter unten ausführlicher die Rede sein, da sie ja doch schon zu den Uebergangsgesteinen gehören und in der nächsten Formation eine weit bedeutendere Rolle spielen.

2 a. Auf die kambrische Formation folgt die silurische, deren untere Abtheilung wir in unserem Gebiete füglich die „ältere Dachschieferformation“ nennen können. Das Hauptgestein ist ein grau-schwarzer Schiefer mit quarzigen und grauwackenartigen Zwischenlagern. Der Schiefer ist in der Regel dunkel-grau bis graulich-schwarz gefärbt und spaltet vielorts recht gut in Platten und in Tafeln. Fast durchgängig und zumal in den unteren Parthien ist er umgewandelt, oft eben so stark wie der kambrische Schiefer bei Hirschberg und zeigt auf den Spaltungsflächen lose Flasern (Bast) und einen ziemlich starken Schimmer. Auch beobachtet man auf ihnen fast stets eine sehr feine Fältelung und Riefung. Ziemlich häufig enthält er Schwefelkies in Krystallen oder in seiner Beimengung und wird dadurch einerseits unbrauchbar zu technischen Zwecken und macht andererseits den Boden unfruchtbar. Selten verkieselt und dann zu Straßenmaterial verwendbar (bei Dobareuth), ist er gewöhnlich weich, verwittert aber trotzdem nicht sehr schnell und liefert einen ziemlich kalten, thonigen Boden von mittlerer Fruchtbarkeit. Nur die härteren und lichteren, an feldspathartigen Mineralien reicheren Abänderungen sind der Land- und Waldwirthschaft sehr günstig. Er umgiebt das kambrische Gebiet in einem Gürtel und überlagert dasselbe da und dort inselartig, was zu dem Schlusse berechtigt, daß er einst innerhalb des Gebietes die ganze kambrische Formation bedeckt habe und erst später während der vielen Millionen von Jahren, die er nun als Festland existirt, in Folge der Abwaschung und Ausnagung durch die Gewässer theilweise hinweggenommen worden ist. Man kann diese unterste Silurformation verfolgen von der Höhe zwischen dem hirschberger Haag und Juchhöh an auf der einen Seite über die Fluren von Dobareuth, Göttengrün, Ullersreuth, Göriz, Blintendorf und Frössen bis Stahlhütte hin und andererseits nordöstlich bis hinauf in die Fluren von Willersdorf, Oberkoskau und Spilmes, sowie ferner auf einem schmaleren Streifen von Seibis über Heinrichsgrün, südwestlich bei Neundorf und Heinersdorf vorbei fast bis Thierbach. Die Umgebung von Leitlitz, sowie der weitaus größere Theil der Enclave Hohenleuben-Pöllwitz wird dadurch gebildet und nur die südlichste Ecke bei Wolfshayn, sowie die Flur Weißendorf, die halbe Flur Triebes und die nördliche Hälfte der Flur Hohenleuben gehören anderen jüngeren Formationen

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I. Die Natur des Landes.

an. Dazu kommen, wie bemerkt, noch inselartige Auflagerungen auf der kambrischen Formation, z. B. südlich von Ullersreuth, an der Lehstenwand, bei Pottiga tc. In dieser Formation stehen die Dachschieferbrüche von Ullersreuth, Blintendorf, Helmsgrün, Heinersdorf tc.

2 b. Die ganze Formation ist zwar auch von einer guten Anzahl von Grünsteingängen durchschnitten, wie z. B. bei Ullersreuth am Gange der „Armen-Hilfe“ und anderwärts, allein viel wichtiger sind die bedeutenden Grünsteinlager, welche fast allenthalben sich zwischen die Schieferlager einschieben. Es sind dies theils echte Diabase, theils Grünsteintuffe und Grünsteinschiefer; aber sie alle sind in hohem Grade umgewandelt. Der Gehalt an Eisenerztheilchen ist verschwunden und der Augit hat sich fast stets gänzlich aufgelöst und seine Bestandtheile dargeboten zur Bildung von Talk, Chloritarten und kohlensaurem Kalk. Daher bestehen diese Grünsteine der Hauptsache nach nur aus feldspathartigen Mineralien mit großem Natrongehalt und aus einem fettig glänzenden Mineral, welches seinen Eigenschaften nach in die große Familie der Chlorite gehört, sowie noch aus Körnern von kohlensaurem Kalk, wenn letzterer nicht durch die Einflüsse der Witterung vorher ausgelaugt worden. Sie sind an einzelnen Stellen geradezu zu talkigen Schiefern umgebildet. Diese Grünsteinlager, welche über das ganze Gebiet hin zu verfolgen sind und in größeren Parthien, z. B. bei Juchhöh, am Wildstein bei Hirschberg, an der Lehstenwand, bei Ullersreuth, zwischen Pottiga und Blankenberg, zwischen Wurzbach und Heinersdorf zu beobachten sind, — sie geben einen trefflichen lichtgefärbten lockeren Boden, wegen des Natron-, Talkerde-, Kalk- und Kaligehaltes sehr gut geeignet zur Feld- und Wiesen-Kultur.

2 c. Daß auch in dieser Formation Gänge von Eisenspath und von aus ihm entstandenem Brauneisenstein in guter Anzahl anstehen, haben wir bereits oben gesagt. Nur das sei noch erwähnt, daß schon hier enge Beziehungen zwischen den Grünsteinlagern und Eisenerzgängen zu erkennen sind.

2 d. Hierher gehört auch ein gneisartiges röthliches Gestein in der Nähe von Rothenacker, welches sehr quarzhaltig ist und der Vegetation nicht sehr günstig zu sein scheint.

3 a. Die Schichten des eben beschriebenen unteren Silurs verlieren sich nach Norden und Nordwesten zu unter einer Schieferbildung, welche dem mittleren Silur zugehört. Sie enthält ein oder hie und da auch zwei einander sehr genäherte Lager von kohlschwarzem Kieselschiefer. Wo dies Gestein durch die gewöhnlich sehr starke Windung der Schichten nicht zu sehr gestört und nicht von Quarzäderchen durchsetzt ist, da enthält es in einzelnen Lagen viel Versteinerungen: außer einem Gradhorn (Orthoceras tenue) und einer Muschel (Orthis callactis) sehr zahlreiche Arten verschiedener Federpolypengeschlechter (Graptolithen), welche meist wie zarte auf den Stein gemalte pflanzliche Gebilde aussehen. Da derselbe sehr schwer verwittert, wobei er bleicht, grau und endlich weiß wird und sich zuletzt zu einem feinsandigen Thon auflöst, und da er überdies fast keine Kalk- und Talkerde und nur wenig Kali enthält, so giebt er einen wenig fruchtbaren Boden, welche nur durch zufällig beigemengte Grünsteinmassen oder durch sehr verständige Behandlung von Seiten des Landwirths ertragfähig wird. An einigen Stellen ist der Schiefer ärmer an Kieselerde und reich an Schwefelkies. Solche Partien wurden früher als Alaunschiefer zur Bereitung von Alaun und Eisenvitriol abgebaut, finden aber jetzt wegen ihrer Weichheit keine Verwendung mehr (Gräfenwarth, Gottliebsthal tc.). Die wichtigste Verwendung des Kieselschiefers ist aber die zur Beschotterung der Straßen. Es giebt für diesen Zweck kein besseres, dauerhafteres Material, als Kieselschiefer

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5. Geognostische Uebersicht.

auf einer Packlage von frischem, gebrochenen Grünstein, und diesem Umstande verdankt das Oberland seine trefflichen und billigen Chausseen.

Der Kieselschiefer bildet gern sanft gewölbte Hügel und Rücken, weil er schwer verwittert, und verstreut von oben herunter allmälig seine Bruchstückchen weit umher, so daß sie in Menge da liegen, wo schon ein anderes Gestein den Untergrund bildet. Er tritt zuerst zwischen Neundorf und Hornsgrün auf und zieht sich in einem oft unterbrochenen schmalen Streifen westlich um den Sieglitzberg und östlich um den Kulm herum über die Grenze nach Steben hinaus. Ein anderer Zug des sächsischen Voigtlandes, sonst verdeckt durch devonische Grünsteinmassen, tritt innerhalb unseres Gebietes bei Straßenreuth zu Tage. Dann erscheint der Kieselschiefer wieder am nordwestlichen Vorsprunge des Tännig, streicht bei Gottliebsthal hinüber über den Südostabhang des lobensteiner Muckenbergs, von da durch den weidmannsheiler Forst, zwischen Künsdorf und Langgrün hindurch, um Seubtendorf herum, dann mit einer Wendung südlich bei Schilbach und dicht an der Kapelle vorüber. Von hier macht er einen großen Bogen südlich um Tanna herum, zwischen diesem Ort und Ebersberg hindurch, und, indem er einen Zweig nach Frankendorf abgiebt, in nordöstlicher Richtung weiter, nördlich von Unterkoskau am Waldrand entlang, über die Grenze mit einer nördlichen Biegung nach Mühltroff zu. Auf der anderen Seite steht das Kieselschieferlager wieder zu Tage an von Gottliebsthal aus in nordöstlicher Richtung entlang der Saale am künsdorfer Berg vorbei bis in die Gegend zwischen Kulm und Wernsdorf. Hier wendet sich der Zug aber westlich um den saalburger Kulm herum, streicht dann beim Wetterahammer über das Wetterathal hinüber nach Gräfenwarth, dann weiter auf der Nordseite der Landstraße entlang, sich immer weiter ausbreitend nördlich am Fuße des Wolfgalgens hin, über den Kirschbühl und Heinrichsruhe nach dem Buchhügel bei Schleiz. Von hier bildet er einen ziemlich breiten und weniger oft unterbrochenen Streifen über den Kranich hinweg nach dem kleinen Heinrichsbusch zu und von da über den großen Heinrichsbusch um Wüstendittersdorf herum, über den Königsberg weg durch die Fluren von Lössau, Kirschkau und Weckersdorf. Nachdem er in derselben nordöstlichen Richtung weiter streichend die dazwischen liegende Umgegend von Zeulenroda verlassen, tritt er in unserem Gebiete wieder auf am Kranich westlich von Triebes und am Weinberg nordwestlich und nördlich von Hohenleuben. Außerdem erscheint der Kieselschiefer noch an verschiedenen Punkten auf einem breiten Streifen von dem Berge nordöstlich bei Zollgrün an über Mielesdorf und den Moosfleck, zwischen dem Langebacher- und dem Zeiterahügel hindurch, wo er sich zuletzt in der Nähe des Königsbergs mit dem zuvor geschilderten Zuge verbindet.

3 b. Wie schon oben bemerkt, bildet der Kieselschiefer (Graptolithenschiefer) nur eine Abtheilung der mittleren Silurformation. Die Hauptmasse derselben besteht in einem meist weichen Schiefer von dunkler Farbe, mit spärlichen, feinkörnigen Grauwackenzwischenlagen. Er liegt unmittelbar unter dem Kieselschiefer; nur hier und da kommt auch über letzterem ein weicher, dunkler Schiefer vor, obschon dann in sehr geringer Mächtigkeit. Bei seiner großen Mächtigkeit bildet er unter dem Kieselschiefer hervortauchend sehr breite, neben jenem herlaufende Streifen, und füllt den größeren Theil der zwischen den beschriebenen Kieselschieferzügen befindlichen Räume aus. Nur im westlichen Theile des Gebietes, südöstlich und westlich von Lobenstein, wird er gering mächtig. Außer einigen undeutlichen Tangen enthält er, soviel wir bis jetzt wissen, nur in harten, mit einem ringförmigen Wulst umgebenen Kugeln, die er bisweilen in großer Anzahl einschließt, Versteinerungen, wie z. B. Gradhörner. Der Schiefer verwittert

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I. Die Natur des Landes.

leicht und giebt einen hellgrauen, kalten, thonigen Boden von mittler Güte für Feld- und Wiesenkultur, aber sehr günstig für Nadelholzbestände.

3 c. Grünsteine sind innerhalb dieser Schieferformation nicht sehr häufig, und ihre Stöcke und Lager haben nur geringe Ausdehnung und Mächtigkeit. Sie bestehen selten in Grünsteintuffablagerungen, wie z. B. bei Oberböhmsdorf, vielmehr in der Regel in Diabasen, zusammengesetzt aus natronhaltigen Feldspathen und Augit, mit nur sehr wenigen und kleinen Eisenerzkörnchen. Er verwittert zu einem hellgelben, fruchtbaren, lehmigen Boden.

3 d. In dem genannten Schiefer stehen ferner die Antimonglanzgänge, welche, sich unendlich oft zertheilend und in kleine Trümchen auflösend, ein von Südwesten nach Nordosten streichendes Gangsystem bilden. Noch bis vor Kurzem wurden die Erze abgebaut auf den beiden GrubenHeinrichsfreude“ südöstlich vom Wolfsgalgen und auf der „Halbmondfundgrube“ unterhalb Oberböhmsdorf. Auch einige schon längst verlassene Baue stehen auf diesen Gängen, wie z. B. am Südabhange des Buchhübels bei Schleiz und in der Nähe von Weckersdorf. Die Erzgänge stehen in Beziehung zu einem in derselben Richtung streichenden Gange, dessen porphyratiges, hellgrauliches, oft Quarzkörner und kohlensauren Kalk führendes Gestein in der Nähe der Gänge fremde Mineralien, wie Arsenikkies und dergl., aufnimmt, die Gänge aber selbst erzärmer macht.

3 e. Unbedeutend sind die Eisenerzvorkommnisse innerhalb dieser Formation. Hier und da findet sich unmittelbar unter dem Kieselschiefer etwas quarziger Brauneisenstein, — bei Lössau sogar in bedeutenderen Massen. In Oberböhmsdorf steht eine Grube in einem merkwürdigen Lager von Rotheisenstein, welcher eine Umwandlung aus linsenförmig ausgebildetem Thonschiefer zu sein scheint. Sonst sind noch Braun- und Rotheisensteingänge in nicht eben großer Häufigkeit und hauptsächlich in unmittelbarer Berührung mit den Diabasen zu treffen (Unterkoskau 2c.).

4 a. Anderwärts, z. B. in Böhmen, lagert auf dem mittleren Silurium das obere Silurium als eine mächtige Masse von Schiefer- und Kalketagen, angefüllt mit den Resten einer reichen Seethierwelt. Bei uns findet dergleichen nicht statt. Vielmehr tritt statt ihrer eine Schieferformation auf, die Tentaculitenschieferetage, welche sich durch ganz eigenthümliche Versteinerungen und namentlich durch das ungemein häufige Vorkommen von Tentaculiten auszeichnet. Dies sind fast mikroskopisch kleine, etwa abgeschnittenen Stecknadelspitzen vergleichbare, äußerst zierlich und je nach den Arten verschieden gerippte Schälchen von Schwimmschnecken🔗 der Silurzeit. Die Etage ist nicht gerade von besonders großer Mächtigkeit und wird hauptsächlich durch weiche, leicht in Griffel und Plättchen zerklüftende Schiefer gebildet, zwischen denen kalkhaltige Bänke eines blaugrauen Schiefers von gröberem Korn lagern. Der Kalkgehalt der letzteren rührt, wie es scheint, oft einzig von den Tentaculitenschälchen her. Außerdem enthält er regelmäßig in seiner Mitte Lagen eines dickplattigen, wellig gebogenen, harten, krystallinisch-sandigen, hellen Schiefers mit glimmerreichen, oft äußerst zarten, weichgrauen Schieferzwischenlagen. Liegen die Platten desselben bloß, was bei ihrer schweren Zerstörbarkeit sich leicht von selbst macht, so treten allmälig durch Verwitterung die Versteinerungen hervor, namentlich die sogenannten Nereiten🔗, die gewundenen Schlangenskeleten vergleichbar sind (Nereograpsus Sedgwicki), fadenförmige, geschlängelte Würmer🔗 (Myrianites tenuissimus) und vielerlei zum Theil recht wunderlich gestaltete Seetange. Die ihnen beigesellten Schnecken🔗, Muscheln🔗 2c., die freilich gerade innerhalb des Gebietes Reuß j. L. bis jetzt nur spärlich gefunden worden sind, fallen durch ihre Kleinheit auf. In der Nähe der Nereitenschichten ist in dieser jüngsten silurischen Formation auch

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5. Geognostische Uebersicht.

noch ein Kalk eingelagert, d. h. ein hartes, grobgeschichtetes Schiefergestein mit regelmäßig eingebetteten bis zollgroßen Kalkknollen, welche letztere sich hie und da so mehren, daß man das Gestein als wirklichen Kalkstein ansprechen kann. Uebrigens ist die Mächtigkeit gering und die Verwendbarkeit des Kalkes zum Brennen wegen seiner Unreinheit sehr schlecht. Dafür enthält er aber öfter, namentlich in Berührung mit Grünsteinen, interessante Mineralien. — Die Tentaculitenformation läßt sich im westlichen Theile des Gebietes von einer Stelle südlich der Kreuztanne an entlang dem ganzen rechten Thalgehänge vom Langwasserthal bei Hornsgrün vorüber bis zwischen Kulm und Sieglitzberg hinein verfolgen und erscheint wieder auf den Höhen an der Ostseite des Sormitzgrundes zwischen der Bärenmühle und dem Klettigshammer. Von der kleinen Friesa bei Lobenstein abwärts kommt sie wieder zum Vorschein, hier sehr schön aufgeschlossen, sowohl am vorderen Tännig wie am Süd- und Ostabhange des Muckenbergs. Es ist nicht gerade leicht, das Ausstreichen der Tentaculitenformation zu verfolgen, da sie nicht sehr mächtig und überdies durch die Grünsteinstöcke sehr häufig tief hinab gedrückt ist unter Schutt und aufgeschwemmtes Land. Sie tritt zu Tage an einigen Punkten des weidmannsheiler Forst es und Saalwaldes, erscheint wieder nördlich unweit Künsdorf und zwischen Seubtendorf und der Schäferei, wo sie größere quarzitische Lager einschließt, wendet sich nach Zollgrün hinüber und zeigt sich wieder zwischen Frankendorf und Mielesdorf, in und dicht bei Mielesdorf und an mehreren Punkten des mittleren schleizer Waldes, wie z. B. am Zeiterahügel. Auf der anderen Seite läßt das Ausstreichen der Formation wieder von den Höhen westlich bei Wernsdorf aus bei Kulm vorüber, an dem saalburger Kulm hin und beim Wetterahammer gemeinschaftlich mit dem unmittelbar darunter lagernden Graptolithen führenden Kieselschiefer über die Wettera hinüber nach Gräfenwarth zu. Dann taucht der Zug wieder bei der oschitzer Schäferei auf, geht zwischen dem Kirschbühl und dem „hohen Roh“ hindurch, südöstlich dicht an Schleiz vorüber und breitet sich bei der Holzmühle etwas mehr aus. Ferner findet sich die Formation an einzelnen Stellen zwischen Lössau und Weckersdorf und bei Weißendorf. Auch bei Hohenleuben zeigen sich Spuren davon. Endlich erscheint sie an der Wisentthal unterhalb Unterkoskau und an einigen Abhängen von hier nach Frankendorf zu. — Die Tentaculitenschichten liefern beim Verwittern einen gelblichen bis bräunlichen Boden von sehr mittelmäßiger Fruchtbarkeit, nicht wegen geringen Gehaltes an guten Stoffen, sondern vielmehr wegen der langsamen Verwitterung gerade der Gesteine, die jene Bestandtheile enthalten. In der Regel aber wird die Fruchtbarkeit des Bodens durch die daneben anstehenden Grünsteine bedeutend gehoben.

4 b. Es führen die Tentaculitenschiefer nämlich nicht blos zwischen ihren Schichten, sondern vorzugsweise unter und über sich stets eine große Masse von Grünsteinlagern. Seltener sind es Grünsteintuffe; meist bestehen sie in grünen Titaneisendiabasen von mittlerem Korn, zusammengesetzt aus Augit, Natron-Feldspathen, Titaneisen und Diabantachronnyn, wozu noch Eisenkiestheilchen und andere, feldspathartige Mineralien kommen. Der Augit ist mehr oder weniger durch Zersetzung angegriffen und auf seine Kosten ist das Gestein mit grün färbendem Diabantachronnyn und kohlensaurem Kalk angefüllt. Beim Verwittern erzeugt er einen lockeren warmen, röthlich gelb-braunen Boden von großer Fruchtbarkeit, der Kali, Natron, Talk- und Kalkerde in hinreichenden Quantitäten enthält, um alle Kulturpflanzen trefflich gedeihen zu lassen. Einigermaßen verschieden von diesem Titaneisendiabas sind die ältesten hierher gehörigen Grünsteine, fast schwarz von Farbe mit viel Augit und Epichlorit, welche stets die Tentaculitenformation von der

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I. Die Natur des Landes.

älteren, tieferen Formationen scheiden. Letztere treten zuerst in ein Verwitterungsstadium, in welchem sie in erbsengroße Körner — in einen schwärzlichen Gries zerfallen, der im Oberlande, wo der eigentliche Quarzsand vollständig fehlt, unter dem Namen Sand zum Bereiten des Mörtels beim Bauen verwendet wird, wie z. B. bei Schleiz (Sandberge), Wüstendittersdorf, Triebes, Weckersdorf, südlich von Seibis 2c. Auch porphyrtartige Grünsteine kommen vor, indem die einzelnen Feldspathkrystalle sich besonders entwickeln (bei der Dorschenmühle unweit Seibis, im harten Bruch bei Weidmannsheil, an der oschitzer Schäferei), oder indem die Augite in großen Krystallen sich einmengen, wie an der Dorschenmühle, oder in dem schönen Bruch mit säulenförmig abgesondertem Diabas zwischen Langenbach und Unterkoskau. Unterhalb Unterkoskau bricht auch ein sehr interessanter Diabas mit regelmäßig eingemengtem Schillerspath. Die meisten dieser Diabase, mit Ausnahme des schwarzen ältesten, nehmen geschliffen eine gute Politur an und geben dann wunderschöne Platten.

4 c. Alle Grünsteine der Tentaculitenformation haben an den Wänden, wo sie das Nachbargestein berühren, Eisenerze ausgeschieden, und zwar hauptsächlich Rotheisenerz, nicht immer aber in so großer Mächtigkeit, daß ein Abbau darauf vorgenommen werden könnte.

5 a. Erst jetzt ist das geologische Alter der Phyllodocitesschiefer, welche man auch die „jüngere Dachschieferformation des reußischen Gebietes“ nennen könnte, mit einiger Sicherheit festgestellt. Während gewisse Lagerungsverhältnisse und der Charakter der Versteinerungen sie dem älteren Silur zuzuweisen schienen, sprechen wieder an anderen Orten beobachtete Thatsachen und einige Versteinerungen dafür, daß sie mit den Tentaculitenschichten zu verbinden sind. Es bilden die Phyllodocitesschiefer eine mächtige Etage von dunklen, auf den Schieferungsflächen in der Regel matten und nur selten schimmernden Schiefern, welche entweder parallel oder schräg zu den Lagen in dünne Tafeln spalten und dann oft einen trefflichen Dachschiefer geben. Leider finden sich auch Lagen feinkörniger dunkler Grauwacken eingebettet, die stets die Ausbildung des Gesteines zu Dachschiefer um sich herum beeinträchtigen. Nach oben geht dieser Schiefer in einen weichen, kurzklüftigen, grünlichen Schiefer ohne technische Verwendbarkeit über. Am westlichen Theile des Oberlandes, in den Forsten von Titschendorf, Grumbach und Wurzbach und in der Flur von Oßla stehen fast allenthalben die Phyllodocitesschiefer an. Ihre östliche Grenze, die weiter südlich wegen des Waldes schwer zu bestimmen ist, umfaßt noch den Wald um Jägersruh, läuft nach dem Stutenkamm hinüber, von da südlich an Hornsgrün vorüber, unterhalb der Langwassermühle über das Thal und auf dem rechten Abhange des Langwasserthales bis nach Wurzbach, von wo sie sich wieder mehr nordwestlich nach Heberndorf und dann nordöstlich über den Sormitzgrund hin wendet. Auch in der Nachbarschaft von Blankenstein treten sie an der Saale auf und verbreiten sich von da südwestlich über Absangk und unterhalb der Buttermühle nach Lichtenberg hinüber. Inselartig erscheinen sie außerdem zwischen Gebersreuth und Mödlareuth, sowie bei Münchgrün unweit Schleiz. Der dunkle Schiefer am Fuße des Bergkirchenbergs gegenüber Schleiz ist nach seinen Versteinerungen jedenfalls auch hierher zu ziehen. — In der Formation stehen die Dachschieferbrüche von Gebersreuth, am Franzensberg, bei Benignengrün (Wurzbach) und am Vogelberge. Durch Verwitterung geht aus diesem Material ein etwas kalter, lichtgrauer, thoniger Boden hervor, der auf den Abhängen und Höhen ziemlich trocken ist, aber unten in den Thälern undurchlässige Thonunterlagen bildet und Sumpfbildung veranlaßt. Für den Ackerbau, namentlich für den Anbau von Hackfrüchten eignet sich der Boden ziemlich gut, weit besser aber

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5. Geognostische Uebersicht.

für die Waldcultur. Von großem wissenschaftlichen Interesse sind die Versteinerungen dieser Schiefer. Es sind erhabene oder vertiefte Abdrücke sehr langer wurmähnlicher Thiere (am häufigsten Phyllodocites Jacksoni und Thuringiacus und Crossopodia Henrici), zierlicher, gefiederten Zweigen vergleichbarer Federpolypen🔗 und eigenthümlicher Tange.

5 b. In die Phyllodocitesschiefer ist ein wenig mächtiger, röthlicher Kalk am Franzensberg, eine mächtigere Lage hellgelblich=grauen Kalkes am Saalufer bei Blankenstein eingelagert. Ob der hornige Kalk bei der Bärenmühle im Sormitzgrund hierher gezogen werden muß, ist bei der völligen Umwandlung der Gesteine in dortiger Gegend schwer zu bestimmen. Der Kalk in den Brüchen auf der Kalch bei Wurzbach gehört wahrscheinlich hierher und nicht zur Tentaculitenformation.

5 c. Grünsteinstöcke unterbrechen die Reihenfolge der Phyllodocitesschiefer selten, so z. B. in der Nähe von Jägersruh und nördlich von Wurzbach. Gehören die Schiefer zwischen dem Klettigshammer und der Bärenmühle mit hierher, dann ist ein Gang von Glimmerdiabas hier zu erwähnen. Weiter unten unweit der Tschachenmühle durchbricht den Schiefer ein grünlich grauer Porphyr, ähnlich dem, welcher am benachbarten Heineberg Schiefer und Granit zugleich durchsetzt. Im herrschaftlichen Bruch bei Benignengrün steht ein Gang sehr zersetzten körnigen Gesteins an, wahrscheinlich auch ein Porphyrgang. Ob der Trümmerdiabas (Breccie) des Stutenkammes ein Glied dieser Formation oder der nächstfolgenden ist, war vorderhand noch nicht zu entscheiden.

6 a. Nach Ablagerung der Tentaculitenschichten verließ das Meer auf längere Zeit die Gegend des heutigen reußischen Oberlandes, denn wir finden keine Gesteine der älteren und mittleren Devonformation. Erst mit Eintritt der jüngeren Devonperiode drang das Meer wieder vor und bedeckte das Gebiet, wenn auch nicht in seinem ganzen jetzigen Umfange. Aus dem Wasser schlugen sich zuerst hauptsächlich Schlamm= und Geröllmassen nieder, welche aus der Verwitterung der schon vorhandenen und sich noch bildenden Grünsteine hervorgegangen, je nach den damaligen Vertiefungen des Meeresbodens bald mächtigere, bald weniger bedeutende Lager bildeten. Man kann dieselben für unser Gebiet mit Fug als „untere devonische Tufflager“ bezeichnen. Die Versteinerungen, kleine Krebsschälchen (Cypridinen) und kleine Muscheln (Spirifer calcaratus🔗, Chonetes nana🔗, Atrypa concentrica🔗 2c.) verweisen dies Formationsglied, als Parallele der Tuffe von Planschwitz und Magwitz im sächsischen Voigtland, in die unterste Abtheilung des oberen Devonium, wie sie z. B. bei Iberg und Grund am Harz erscheint. Es besteht in dicken Bänken höchst feinkörnigen, bläulichen bis bräunlichen Tuffes mit muschligem Bruche, welcher an der Luft bald in kleine scharfeckige Brocken zerfällt — ferner in geschieferten Tuffen gröberen Kornes, in bräunlichen Grauwackenschichten mit Pflanzenresten, sowie endlich in Lagern von Trümmergrünstein — von zusammengebackenen bald scharfkantigen, bald abgerundeten Grünsteinbrocken. Alle diese Gesteine verwittern leicht und geben einen rostbraunen, sehr fruchtbaren, lockeren und warmen, jedoch auf Höhen zu lockeren und trockenen Boden, der sich bei günstiger Lage zu jeder Cultur, vorzugsweise aber zur Wiesencultur trefflich eignet.

6 b. Die ganze Tuffbildung ist nun allenthalben durchsetzt mit Grünsteinstöcken und Grünsteinlagern, welche Diabase, meist ähnlich den Titaneisen-diabasen der Tentaculitenformation, aber mit weniger Titaneisen und mit eingesprengten verschiedenen Feldspatharten (Oligoklas und Labrador) aufweisen. Diese Diabase enthalten hier und da größere Hohlräumchen, ausgefüllt mit Kalkspath. Bei Schleiz auf dem Grundstücke der „großen Erholung“ durchbrach

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I. Die Natur des Landes.

ein Kalkdiabas als Gang die Tuffe und hat sich dann über das Ganze weg= gebreitet, indem er das Nebengestein merkwürdig umwandelte. — Alle diese Diabase liefern einen ebenso günstigen Boden wie die älteren Diabase. — Die ganze Tuffformation tritt auf an der kleinen Friesa bei Lobenstein und von da quer über den Muckenberg und entlang der Saale bis Saalburg, wo sie sich weit ausbreitet; ferner im Nonnenwald, südlich und westlich bei Oschitz und von da ununterbrochen über den hohen Roh und Schleiz hinweg nach dem Öttersdorfer Windmühlenberg und weiter westwärts südlich bei Löhma vorüber durch die kirschkauer Flur hindurch, endlich noch entlang der Weida bei Klein= wolschendorf und Weißendorf.

6 c. Lager und Gänge von Rotheisenstein kommen auch in dieser Forma= tion allenthalben häufig vor. An der kleinen Friesa stehen in ihr Gänge mit Spatheisenstein, daraus entstandenem Brauneisenstein und Graunickelkies, welche noch abgebaut werden. Längst auflässig hingegen sind die Gruben auf Kupfer= kies und Fahlerz, welche ehedem südwestlich bei Schleiz und an der Görlitz bei Löhma im Gange waren. An letztere knüpfen sich eine Anzahl Sagen von einstiger reicher Silber- und Goldausbeute. — Bei und in Schleiz umschließen die Trüm= merdiabase Nester von Rothnickelkies.

7 a. Die Tuffablagerungen senken sich fast alle in der Richtung nach Nordwest hinunter unter die „Cypridinenschiefer- und Clymenienkalkformation“. Die Grenze der letzteren nach Südost hin verläuft auf einer Linie vom östlichen Abhange des Geiersbergs bei Lobenstein an, nördlich von der kleinen Friesa und Hämmer= lingsmühle vorüber, südöstlich vom grauen Affen über das Thal hinweg und nordöstlich über den ebersdorfer Muckenberg hin, nach einer jähen Einbiegung nach Osten östlich an Zoppothen vorüber, auf der Höhe neben der Saale und über den pöritzscher Berg hinab, in der Nähe des Schießhauses über die Saale, nördlich an Saalburg vorüber, über Kloster heiligen Kreuz, durch den Nonnen= wald in nordöstlicher Richtung weiter; dann wieder an der Kosent westlich bei Oschitz, durch Oschitz hindurch, hinter dem Kammergute weg, über den Nordwest= abhang des hohen Roh durch die Altstadt von Schleiz hindurch südlich um den Galgenberg herum, dicht an Öttersdorf südlich vorüber, dann plötzlich ostsüd= östlich bis zum Abhange des Holzbergs und Papenbergs und von da nord= westlich an Kirschkau vorüber nach Läwitz zu; dann weiter am Thalgehänge der Weida nordwestlich bei Kleinwolschendorf vorüber. Inselartig bildet die For= mation noch ein Stück des Schleizer Waldes südwestlich vom Königsberg. In dem breiten Gürtel, in dem sich diese Formation von Südwest nach Nordost hinzieht, treten wieder inselartig kleine Parthien der älteren Tuffformation zu Tage, wie z. B. in dem Dreieck zwischen Ebersdorf, Schönbrunn und dem grauen Affen, wo letztere ein ungemein großes Lager Glanzeisenerz umschließt — ferner in der Nähe von Pahren und südwestlich bei Rödersdorf tc. — Das Hauptgestein ist ein sehr weicher, kurzklüftiger, schwärzlicher bis bräunlich=rother Schiefer mit kleinen halbkugeligen Schälchen von Schwimmkrebsen🔗 (Cypridinen🔗) und schlechterhaltenen Resten von Ruderkrebsen🔗 (Trilobiten🔗). Die Schiefer ver= wittern zu einem schweren kalten thonigen Boden von mittler Fruchtbarkeit.

7 b. In der unteren Hälfte dieser sehr mächtigen Schieferlager liegen nun ganz regelmäßig eingelagert eine unterste mächtige versteinerungsarme, eine mittlere ebenfalls mächtige versteinerungsreiche und eine oberste wenig mächtige versteinerungsreiche Kalksteinetage. Der Kalk führt von einer Gattung ver= steinerter Kammerschnecken🔗 den Namen Clymenienkalk und besteht eigentlich in Kalkknollen, die regelmäßig im Schiefer eingebettet sind, die aber fast stets so vorwiegen, daß die Schiefersubstanz nur noch als zarter Bast den Kalk durch-

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5. Geognostische Uebersicht.

zieht. Das Gestein giebt, wie jeder Kalkstein, einen bräunlichen, trockenen und hitzigen Boden, der bei gehöriger Tiefgründigkeit sich auszeichnet für Esparsette, Luzerne, Klee und alle Futterkräuter, sowie er sich auch zur Wiesencultur eignet. Wo Schiefer und Kalk gemischt den Boden bilden, da ist letzterer sehr fruchtbar und für jede Cultur vorzüglich, auch für die Waldcultur, der reiner Kalkboden sonst gerade nicht zusagt. Die Kalke lassen sich im Allgemeinen gut brennen und nur die unterste Etage macht hiervon hie und da eine Ausnahme. Der Segen, der hieraus für alle kältere thonigen Felder und Wiesen mit Schieferuntergrund erwächst, wird leider noch nicht genug gewürdigt, und findet der gebrannte Kalk hauptsächlich nur beim Bauen seine Anwendung. Außerdem giebt der Clymenienkalk aber noch gute Bausteine und nimmt sogar geschliffen eine recht hübsche Politur an, wie zahlreiche Tischplatten und Grabmäler beweisen. Will man sich von der Schönheit der polirten Platten überzeugen, so mag man Stücke aus dem Bruche an der Thomasmühle unweit Schleiz, oder aus den Brüchen von Pahren, oder auch die Altarplatte von Kirschkau ansehen, wo allerdings die vielen eingestreuten Versteinerungen den Schliffflächen noch einen eigenthümlichen Reiz verleihen. Es sind bis jetzt in diesen drei Etagen innerhalb des Gebietes gefunden worden: vier Arten von Schwimmkrebsen🔗 — zwei Ruderkrebse🔗 — von Kammerschnecken🔗 vier Arten Gradhorn, drei Arten Keulenhorn🔗, sechs Clymenien🔗, acht Goniatiten🔗 — fünf Schwimmschnecken🔗, worunter drei Tantaculiten — vier Seeschnecken🔗 — sechs Muscheln🔗 und endlich eine Anzahl Korallen🔗 und Seeschwämme🔗. — Es wäre überflüssig, den Verlauf des Ausstreichens dieser Kalke anzugeben, denn die unterste Etage bildet beinahe den tiefsten Theil der Formation überhaupt und wird also entlang der oben für die Cypridinen- und Clymenienkalkformation ausführlich bestimmten Grenzlinie verlaufen und die zweite Etage läuft dieser so ziemlich parallel. Ueberdies sind alle drei durch Bergbau und Brüche gut aufgeschlossen. In der Regel fallen die Kalkschichten ziemlich steil in die Tiefe und bilden demgemäß im Ausstreichen an der Oberfläche schmale Streifen. Nur bisweilen breiten sie sich mit welligen Biegungen weiter aus, wie z. B. bei Görkwitz, am Geißla bei Löhma, am Kapfenberg bei Pahren.

7 c. Allenthalben durch das ganze Gebiet schieben sich in der unteren Abtheilung der Formation Grünsteine ein. Meist sind es Kalkdiabase, die vorzüglich in der unmittelbaren Nachbarschaft der Kalketagen oft recht mächtige Lager bilden. Sie bestanden ursprünglich aus einer höchst feinkörnigen Grundmasse von einem oder zwei Feldspathmineralien und aus Augit, worin eine Menge blasenartiger Hohlräumchen vertheilt waren — ähnlich wie so viele Lavamassen von jetziger Bildung. In der langen Zeit aber, die seit ihrem Ausbruche und ihrer Ablagerung verflossen, haben sie beträchtliche Umwandelungen erlitten, indem sich die Augite auflösten und dadurch das Gestein mit Diabantachronnyn durchzogen, die Blasenräumchen aber mit Kalkspath oder Diabantachronnyn ausgefüllt wurden. Oft kann man die Reste der Augite nur unter Anwendung chemischer Hilfsmittel noch erkennen. Diese Kalkdiabase sind graulich-grün von Farbe oder auch violet bis braun-roth und schwärzlich-grün. Bisweilen sind sie schiefrig ausgebildet; hie und da aber kann man auch die Gangspalten beobachten, durch die die Massen empordrangen, wie z. B. südlich von Dettersdorf, zwischen Schleiz und Lössau, an dem Erholungsgarten bei Schleiz 2c. Da wo das Gestein in enge Spalten eindrang, ward es durch Aufnahme von viel Glimmer zu Glimmerdiabas und verlor seine Hohlräume, wie z. B. am Lohmen bei Schleiz und unweit des Klettigshammers bei Wurzbach. Weniger häufig als die eigentlichen Kalkdiabase sind die aus ihm gebil-

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I. Die Natur des Landes.

deten Trümmerdiabase (Breccien). Diese reichen von Süden her z. B. bei Rothenacker in unser Gebiet herein und finden sich bei den Hofteichen in Schleiz 2c. Ebenso sind eigentliche Tufflager nicht sehr häufig (bei Pörmitz, Görkwitz 2c.). — Alle diese Grünsteine geben wegen ihres bedeutenden Kalkgehaltes und wegen der Natron, Kali und Kalk enthaltenden feldspathigen Grundmasse einen bräunlichen, lockeren, warmen, sehr fruchtbaren Boden — ein Umstand, der wohl zu beachten ist, da sie einen ebenso großen Flächenraum einnehmen wie die Titaneisendiabase der Tentaculiten- und devonischen Tuffformation und da sie der Landwirthschaft noch günstiger sind wegen ihrer schnelleren Verwitterung.

7 d. In unmittelbarer Nachbarschaft haben manche Grünsteine dieser Formation wenig mächtige Lager von körnigem, dem Aussehen nach zuckerartigen Kalk zu Begleitern. Dieselben sind häufig auch so von Chloritmineralien durchdrungen, daß ihre ursprünglich weiße oder gelbliche Farbe grün geworden ist.

7 e. Fast ohne Ausnahme legen sich an die Grünsteinlager Lagergänge von Rotheisenerz oder daraus entstandenem Brauneisenerz an, deren Material wegen des Kalkgehaltes sehr leichtflüssig und daher sehr gesucht ist. Vorzüglich auf dem Striche von Oschitz bis Göschitz stehen eine Menge theils auflässiger, theils noch gangbarer Gruben auf diesen Erzgängen.

7 f. Die obere Abtheilung der Cypridinenschieferformation enthält keine Kalklager und selten Versteinerungen. Auch stellen sich bei ihr dünne Zwischenlagen von Grauwacken ein. Sie bildet neben der unteren Abtheilung hinlaufend einen breiten Streifen, der sich an den kambrischen nach Nordost verlaufenden Rücken bei Lobenstein anlehnt und von dort in nordöstlicher Richtung bis Tegau und Burkersdorf in ziemlich gerader Linie verfolgt werden kann.

Da die Kalke, mächtigere Grauwackenbänke und auch mächtigere Grünsteinlager in ihr fehlen, so bildet sie ein verhältnißmäßig ebenes Terrain. Damit hängt ihre Neigung zusammen, flache Thäler mit nassem Boden zu bilden, wie sie sich zur Anlage von Teichen gut eignen, und in der That ist der ganze Gürtel reichlich mit Teichen versehen. Kalkdiabase sind in ihr selten, z. B. vor dem lobensteiner Schießhause, zwischen Oettersdorf und Dittersdorf 2c. zu finden.

8. Das ganze Devon wird vom Kulm, von der untersten Abtheilung des Steinkohlengebirges, übergelagert, welcher in meilenbreiter Ausdehnung auf der ganzen Nordwestseite bis zur Sohle des Orlathals unserem Gebiete vorliegt. Es ist schwierig, theilweise sogar unmöglich, die Grenze zwischen den devonischen Schiefern und dem Kulm genau zu bestimmen, weil einerseits die Gesteine beider ganz allmälig in einander übergehen und nicht allenthalben Versteinerungen dem Forscher sicheren Aufschluß geben, und weil andererseits das Terrain, auf dem die Grenze verläuft, meist mit hellgrauer thoniger Dammerde hoch überdeckt ist oder gar aus Sumpf und Teichen besteht. Sie wird ungefähr bezeichnet durch eine Linie, gezogen von den Bergen zwischen Gahma und Ruppersdorf nach dem Mittelpunkte zwischen Heinersdorf und Oberlemniz, von hier in einem Bogen südlich um letztgenannten Ort herum und wieder nordöstlich. Weiterhin läuft die Grenze über die sumpfige Flur von Pahnstangen, südlich Plothen vorüber und dicht bei Dittersdorf vorbei nach dem weimarischen Chursdorf hinüber. Die Brüche bei Plothen und Dittersdorf stehen in Versteinerungen führendem Kulm. Bei Carolinenfield und im ganzen schleizer Streitwald finden sich in der Grauwacke Nester von Kohlenblende und versteinerte Riesenschachthalme.

Die Kulmformation besteht aus mächtigen Grauwackenlagen, welche mit weniger mächtigen grauen Schiefern wechsellagern und selten Thierreste, häufig

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5. Geognostische Uebersicht.

aber Pflanzenreste beherbergen, darunter die eigentlich kennzeichnende Versteinerung, den Riesenschachthalm Calamites transitionis. Die Grauwackenbänke liefern gute Bausteine, welche aber leider die Feuchtigkeit ein wenig anziehen. Die Formation giebt einen bisweilen hellgrauen, wegen des Eisengehaltes aber meist röthlichen, etwas schweren und kalten, aber fruchtbaren Boden, der bei einigermaßen richtiger Behandlung für alle Culturen gute Erträge sichert.

B. Das Unterland.

An der Bodenzusammensetzung des Unterlandes haben die Formationen, die wir bisher im Unterlande kennen gelernt haben, nur wenig Antheil. So treten in der südlichen Enclave nordöstlich von Pohlen und Kleinfalke, sowie zwischen Loitzsch und Otticha silurische, zumal mittelsilurische Schiefer zu Tage und darunter die eigentlichen Kieselschiefer der Graptolithenschichten. Der Heersberg bei Oberröppisch besteht aus kulmischer Grauwacke; — sonst berührt die Kulmformation noch die Grenzen des Gebietes in der Nähe von Zwötzen, rückt bei Kaimberg in Begleitung devonischer Cypridinenschiefer wieder über die Grenze, um bei Collis unter jüngeren Gebilden zu verschwinden. Auch nordwestlich von Naulitz überschreiten wieder Schiefer die Landesgrenze. Endlich ist auch das Thal zwischen Eleonorenthal und Köstritz so tief ausgewaschen, daß dadurch bis unmittelbar vor Köstritz kulmische Grauwackenparthien bloß gelegt sind. — Ob die jüngere Steinkohlenformation, die im Unterlande nirgends zu Tage liegt, hier überhaupt unter den jüngeren Formationen vorhanden ist oder nicht, das ist noch unentschieden, da die dahin abzielenden Bohrversuche bis jetzt kein Resultat gegeben haben.

9. Dagegen fehlt die auf ihr folgende Formation, das Rothliegende, nicht. Es setzt die Lasur zusammen und die ganze Fläche von da ab bis nach Poris, Kaimberg und Collis hin, bildet ferner die Thalgehänge zu beiden Seiten des colliser Baches bis an den westlichen Fuß des Pfortner Berges, ist durch die engen Thäler des Zaufensgraben und Zschipperner Baches aufgeschlossen und läuft mit einmaliger Unterbrechung (bei Laasen) von Collis aus in Gestalt eines breiten Streifens nordwärts über die ronneburger Höhe, über Laasen und an Trebnitz vorbei über den Fuchsberg gegenüber Röbsen in das Bramthal hinab, von wo es thalabwärts bis Roschitz die unteren Gehänge zusammensetzt. Infolge einer von Ostnordost nach Westsüdwest verlaufenden Hebungsfalte ist es nicht blos hier im Bramthal, sondern auch weiterhin in Tinz und an der Schiefergasse bei Milbitz so hoch emporgedrückt, daß es durch die nagende Macht der Thalgewässer an das Tageslicht gebracht worden ist. — Das Rothliegende, von dem hier nur die oberen Parthien in Frage kommen, besteht aus Quarz, Kieselschiefer und Grauwackengeröllen, sowie aus Sandkörnern, die durch eine braunrothe, stark eisenschüssige, thonige (selten kalkige) Masse verkittet sind. Es liefert einen nur mittelmäßigen Boden, welcher auf Höhen und an Abhängen, wo die Sonne ihn stärker erhitzen und austrocknen kann, geradezu unfruchtbar wird.

10 a. Einen noch größeren Theil des Gebietes nimmt der Zechstein ein. Er gliedert sich wie folgt: zu unterst 1. das Weißliegende, Gerölle wie im Rothliegenden, aber verkittet durch ein hellfarbiges, thonig-dolomitisches Bindemittel. Darüber liegt 2. der schwarze Zechstein, eine bei uns nur Spuren von Kupfererzen führende, schwarze Mergellage, dem Kupferschiefer im Mannsfeldischen entsprechend. Es folgen 3. der Kalkzechstein und 4. Mergelzechstein,

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I. Die Natur des Landes.

im Ganzen versteinerungsreiche Bänke von Kalk oder Dolomit,*) wechsellagernd mit Mergeln. Sie werden gebrannt und zum Pflastern verwendet, selten aber zu Bausteinen und noch nicht zur Cementfabrikation, obwohl letzteres recht wohl anginge. Höher liegt ein etwas mächtigeres System von Dolomitbänken mit spärlichen Versteinerungen; 5. die Rauchwacke und 6. die oberen Kalkplatten, von denen die erstere aus einer großen Anzahl von Steinbrüchen Bausteine und Wegebaumaterial sowohl wie Steine zum Brennen liefert und auch die letzteren wegen ihrer guten Eigenschaften als Beschotterungsmittel beliebt sind. Ganz oben liegen 7) rothe Mergel mit Dolomitlagen. — Der Zechstein liegt als Decke auf dem westlichen Theile der Lazur, setzt nicht nur die Berge von Pforten, Collis und Zschippern, den Geiersberg, Galgenberg, Steinertsberg und Lieblacher Berg, sowie auch die oberen Gehänge des Bramthals bis hinauf nach Groitschen und Möckern zusammen, sondern er ist noch vom zwötzner Wehr an abwärts öfter im Elsterbette bloß gelegt und bildet von dem kalten Grunde vor Milbitz an bis nach Thieschitz die untere Parthie an der linken Elsterthalseite. Das rubitzer Thal ist bis Töppeln hin im Buntsandstein und in dieser Formation ausgehöhlt. Von Köstritz an erscheint die Formation wieder als breiter Streifen auf der linken Thalseite vom Eleonorenthal bis zum seyfarthsdorfer Thal; auch taucht sie auf der rechten Seite des Thales von der Saline an abwärts wieder auf und bildet die untere Thalwand. — Infolge der starken Beimengung von Mergeln sowohl aus der Zechsteinformation wie aus den höher gelegenen Buntsandsteinregionen geben alle diese Kalke einen lockeren und warmen und doch nicht zu hitzigen und trockenen Boden von hell-bräunlicher Farbe, gut geeignet zu allen Culturen, namentlich auch zur Obstcultur. Der Zechstein von Gera ist durch seinen Reichthum an Versteinerungen bei den Geognosten berühmt geworden. Es wurden bis jetzt daselbst gesammelt: 7 Arten Fische — über 7 Arten Schwimmkrebse🔗 — 3 Röhrenwürmer🔗 — 1 Kammschnecke🔗 — 9 Seeschnecken🔗 — 25 ächte Muscheln🔗 — 20 Armfußmuscheln🔗, worunter der unter dem Trivialnamen Krötenkopf bekannte Productus horridus🔗 — 2 Strahlthiere🔗 — 8 Corallen🔗 — 2 Wurzelfüßer — 2 Seeschwämme🔗 — 3 Seetange — 2 Farne 2c. — 4 Nadelhölzer und noch eine Anzahl andere Pflanzen.

10 b. Im Weißliegenden kommen Nester von Kupfererzen vor, die zu wiederholten Malen bei Trebnitz Anlaß zu bergmännischen Unternehmungen gaben. Die Erze wurden bei Gera verhüttet. Sehr stark ist die Ausbeute wohl nie gewesen. Im schwarzen Zechstein findet sich Kupferkies, Fahlerz, Buntkupfererz und Bleiglanz, aber so sparsam, daß noch nie der ernstliche Versuch gemacht wurde, diese Lage durch bergmännische Arbeit näher zu untersuchen.

10 c. Im Zechstein stehen auch Gypsstöcke an, wie z. B. die von Thieschitz, Rubitz und Köstritz und die noch umfangreicheren zwischen Köstritz und Gleina und zwischen Gleina und Seyfarthsdorf. Höhlungen (Schlotten) in derartigen unterirdischen Gypslagern, deren Decken einstürzten, waren auch Ursache der sogenannten Erdfälle, tiefer trichterförmiger Löcher am Fuße des Hainbergs bei Gera und im rubitzer Thal. Noch wichtiger aber ist der unterirdische Gypsstock, welcher bei Heinrichshall erbohrt wurde, da derselbe mit einem Steinsalzstocke verbunden ist und bis auf den heutigen Tag vollkommen gesättigte Salzsohle in hinreichender Menge liefert, um sowohl die Saline Heinrichshall wie die daneben stehende chemische Fabrik Jahr aus Jahr ein mit Material zu versehen. —

*)Anmerkung. Dolomit heißen die Kalksteine, welche neben kohlensaurem Kalk noch eine reichliche Menge kohlensaurer Bittererde enthalten.

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5. Geognostische Uebersicht.

Uebrigens wird der Gyps nicht blos im Unterlande verwendet zum Brennen und namentlich zum Düngen der Klee- und Rapsfelder, sondern er wird zu letzterem Behuf auch noch weithin in die benachbarten Landstriche abgefahren.

11 a. Die Buntsandsteinformation, welche unmittelbar auf den Zechstein folgt, breitet sich über bei weitem den größeren Theil des Unterlandes aus. Hierher gehört das ganze Gebiet westlich von der Elster, mit Ausnahme des Heersbergs und der Zechsteinstreifen bei Köstritz und bei Milbitz, ferner fast das ganze höher gelegene Land nördlich vom Bramthal und östlich von der Elster, mit Ausnahme der Gegend von Aga und Seeligenstädt, sodann der höchste westliche Theil des Geiersbergs und der östliche Rücken des Galgenbergs und endlich die südwestliche Hälfte der Fluren Pohlen, Kleinfalke und Wüstfalke. — Die Formation besteht aus Lagen weißen bis gelblichen und rothbraunen Sandsteins von ziemlich feinem Korn mit kalkig-thonigem Bindemittel, welche mit braunrothen oder bläulichen Lettenlagen wechsellagern und häufig selbst Nester von Letten beherbergen. Der Sandstein ist vielorts fest und feinkörnig genug, um sich gut bearbeiten zu lassen und liefert dann gute Werkstücke, die weithin verführt werden, wie z. B. in den Brüchen von Falke, Kraftsdorf, Harpersdorf und Rüdersdorf. — Der Boden, der durch Verwitterung aus dem Buntsandsteine hervorgeht, ist sehr verschiedenartig, bisweilen sehr trocken, bisweilen auch naßgallig, je nachdem lockere Sandsteinlagen das Wasser abführen oder undurchlässige Lettenlagen die eindringenden Regenwasser stauen. Werden die Sandsteinbänke mächtiger und die Lettenlagen zwischen ihnen unbedeutend, so wird der Boden sandig, dürftig und weniger fruchtbar; überwiegen hingegen die Lettenlagen auf Kosten der Sandsteinlager, so entsteht aus ihnen ein unfruchtbarer todter Thonboden, bekannt unter dem Trivialnamen „Gaux“. Sind im Boden Sandstein und Letten in richtigem Verhältniß gemengt, dann ist er von mittler Güte — hie und da, wo im Sandsteine das Bindemittel recht kalkreich ist, sogar gut. Er lohnt die Mühe des Landmanns bei der Cultur von Korn und Hafer, von Kartoffeln und Futter, sowie bei Wiesencultur recht reichlich und ist als Waldboden vorzüglich — und zwar für Laubholz und Fichten oder Kiefern, je nachdem er feuchter oder trockener ist.

11 b. Die unterste Schicht des Buntsandsteins besteht in einer dünnen Lage thonigen Brauneisensteins. Auf der ronneburger Höhe und am Geiersberg finden sich zahlreiche Beweise, daß man sonst diese Erze bergmännisch gewonnen hat, wohl weil man sie wegen ihrer Leichtflüssigkeit recht gut als Zuschlag brauchen konnte zu den an der Südostgrenze unseres Gebietes brechenden strengflüssigen Glanz- und Rotheisensteinen. — Am Hainberg befindet sich sogar ein Gang von Eisenglanz im Buntsand.

12 a. Während das Oberland nach Abschluß der älteren Steinkohlenzeit bis auf den heutigen Tag Festland geblieben ist, hat das Unterland also noch während der Periode des Rothliegenden und des Zechsteins unter dem Meeresniveau gestanden, ist aber dann emporgestiegen und Festland geworden und zwar auf eine sehr lange Zeit hin. Unterdeß entwickelte sich der zur Zeit vollkommenste Theil der Thierwelt aus den niedrigeren Reptilienformen zu den höher organisirten Gestalten der Vögel🔗 und Säugethiere🔗. Erst aus der Zeit der mittleren Tertiärperiode, aus der Miocenzeit finden sich wieder Ablagerungen, aber nicht Ablagerungen aus Seewasser, sondern solche in Süßwasserbecken, nämlich Sandsteine mit äußerst hartem quarzigen Bindemittel — Süßwassersandsteine (Limnoquarzite) — welche bei uns bekannt sind unter dem Bulgarnamen Wacke. Sie finden sich zwischen Köstritz und Tautenhain und anderwärts in vereinzelten Gruppen von Blöcken, weil sie später wieder durch die

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I. Die Natur des Landes.

Jahrhunderttausende währende Einwirkung der Atmosphäre zerstört und fortgeführt worden sind, und nur bei Seeligenstädt und Aga bilden sie noch ein zusammenhängendes Lager. Bei ihrer geringen Mächtigkeit haben sie wenig Einfluss auf die Bodenbeschaffenheit, desto wichtiger aber sind sie als Pflastermaterial. Werden doch jetzt alljährlich große Massen aus der benachbarten zeitzer Gegend nach Gera geschafft, um dort zur Pflasterung der Straßen zu dienen.

12 b. Unter günstigen Umständen bildeten diese Süßwassersandsteine, so lange sie noch weich und nicht fest verkittet waren, den Untergrund für Sumpfwälder, wie die Wurzeln in dem Sandsteine beweisen, und zwar namentlich für Wälder von Lebensbaumarten. Letztere warfen alljährlich ihre Zweige ab und bildeten so in Verein mit anderen vermodernden Pflanzen auf dem Grunde des Seebeckens von Seeligenstädt-Aga eine Schicht moderner Pflanzenmasse, welche heutzutage als Braunkohle ein ziemlich mächtiges Lager darstellt und schon guten Theils wieder durch Bergbau zu Tage gefördert worden ist. Die Braunkohle ist vergesellschaftet mit bläulichen und oft sehr glimmerreichen bräunlich-grauen Thonen, den sogenannten Kohlenthonen. Sie ist zwar nicht ganz frei von Schwefelkiesen und nicht so compact, daß sie als Stückkohle gelten kann, ist aber immerhin ein recht gutes Brennmaterial und enthält eine Masse verkohlter Lebensbaumstämme (Lignit), von denen auch welche (bei Aga) verkieselt und andere in schöne weiße Kieselhölzer umgewandelt worden sind. Das Kohlenwerk von Kleinaga, in welchem die Kohle von Tag aus abgebaut wurde, ist auflässig, — das seeligenstädter hingegen wird unter Tag noch bergmännisch fortbetrieben.

12 c. Über der Braunkohle lagern verschiedene Schichten gelblich oder röthlich oder bräunlich gefärbter Sande und Gerölle, welche weit über die Braunkohlenlager hinweg greifen, namentlich nach der Flur von Hain zu, und einen wenig fruchtbaren Boden geben.

13 a. Das jetzige unterländische Gebiet ward hierauf wieder Festland, tauchte aber bald wieder unter den Spiegel des damaligen baltischen Meeres, so daß auf einem guten Theile desselben eine Menge Gerölle von Quarz und einigen anderen Felsarten abgelagert werden konnte, von denen wir jetzt noch Reste auf der ronneburger Höhe, zwischen Trebnitz, Mückern, Corbusen und Naulitz, bei Loitzsch, sowie auf einigen Höhen der westlichen Waldregion finden. Es geschah dies während der postpliocenen Zeit, in der sogenannten Eisperiode. Noch lassen sich in den Kiesgruben die Wirkungen der angeschwemmten Eisberge beobachten. Auch Blöcke schwedischer und finnischer Granite finden sich vereinzelt im Gebiete — herbeigeschafft durch das hier strandende nordische Eis. Diese Gerölle geben ein sehr mittelmäßiges Straßenmaterial, aber ein gutes Material für Fußwege und einen Boden von nur mittler Fruchtbarkeit.

13 b. In die Schluchten des Gipsgebirgs zwischen Gleina und Köstritz, sowie in die Schluchten des Zechsteins unweit des heutigen Pohlitz wurden Sand und Lehm und Gerölle gespült in einer Zeit, die der Eiszeit ganz nahe lag. Diese Ablagerungen sind merkwürdig durch die Menge von Knochen, die in ihnen liegen und die herrühren von Mähnenelephanten🔗, langhaarigen Nashörnern🔗, Renthieren🔗, wilden Pferden🔗, Höhlenbären🔗, Höhlentigern🔗, Höhlenhyänen🔗 und noch einigen ausgestorbenen Hirscharten. Sie sind seit den zwanziger Jahren öfter ausgegraben worden und theils in die weite Welt hinaus, theils in die vaterländische Sammlung auf Schloß Osterstein und von da nach Gera gewandert. — Knochen führende Lehmlager gleichen Alters finden sich bei Pöppeln, bei Debschwitz, im Clymenienkalk bei Pahren 2c. und werden noch an vielen anderen Punkten nachgewiesen werden.

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6. Die Bewässerung.

13 c. Im Elsterthal und in den unteren Nebenthälern liegen verschiedene Lager von Thonen und Geröllen verschiedenen, aber meist alluvialen Alters. Erstere geben einen sehr fruchtbaren, letztere einen sehr mittelmäßigen Boden, der stellenweise geradezu schlecht genannt werden muß. Diese Schichten haben eine Mächtigkeit bis zu 20 Ellen und bilden auf dem vielfach zerstörten obersten Zechstein eine undurchlässige, muldenförmige Schicht, welche Anlaß ist für eine Stauung der von den Thalwänden in den Zechsteinschichten hereinsickernden Wasser. Bohrbrunnen, welche diese Schichten durchsinken, liefern in den tieferen Theilen des Thales infolge dessen häufig artesisches Wasser.

6. Die Bewässerung.

Der bei weitem größte Theil des Landes (ca. 35/36) gehört mit seinem Gefließe in's Elbgebiet, der kleinste zum Rheingebiete. Dem Elbstrome führt die Saale mit der Elster, dem Rheinstrome der Main die Abflüsse des Landes zu. Der Frankenwald im Westen des Kulm macht die Wasserscheide zwischen beiden Strömen; was auf der Südwand dieses Bergzuges quillt und abfließt, rinnt zum Main, alles Uebrige fällt zur Saale oder in deren Nebenflüsse. Von den 300 Quellrieseln, Bächen und Flüssen, welche das Land bewässern, quellen die vier größten Gewässer, die Saale, Elster, Weida und die Hauptquellfäden der Sormitz, im Auslande, die meisten kleineren im Inlande. Jene insgesammt und viele von diesen durchfurchen den Felsboden des Landes in tiefen Einschnitten und können darum, durch die Felswände gebunden, ihre Rinnsale nicht verändern, nur auf den moosigen Hochflächen und im weichen Vorlande sind kleine Verschiebungen des Bettes möglich und auch stellenweise im Laufe der Zeit erfolgt. Der Preis des Romantischen gebührt dem gewundenen engen Felsenbette der Saale, der des Anmuthigen dem Elsterthal, doch auch die Weida, Sormitz und der Erlbach und manch andere Thäler bieten vielfach bald sanfte, bald wildschöne Stellen. Das Auffanggebiet mehrerer Flüsse und Bäche ist umfangreich, daher sie oft stark anschwellen und durch Ueberschwemmungen schädigen. Bei ihnen ist die Differenz zwischen Ebbe und Fluth am größten. Außer der Saale und Elster, die in langtrockenen Zeiten leicht durchwadbar werden, bei Hochwasser dagegen 6—8 Fuß anwachsen, gehören zu den hochschwellenden Wassern die Sormitz, Lemnitz, Weida und manche Bäche zweiten und dritten Ranges. Mehrere Bäche trocknen in heißen Sommern oder harten Wintern vollkommen aus, mehrere, wie die Gülde im Oberlande, behalten stets eine aushaltende Wassermenge, je nachdem sie vor Allen kahlere Hochflächen oder waldreichere, mit starker Erdauflagerung besetzte Striche zu ihrem Quellgebiete haben. Versickerungen der Wasser kommen, weil der Boden größtentheils festen Untergrund hat, wenig vor. Sicher ist, daß der Dorfbach von Willersdorf dicht unterhalb des Ortes ein Stück versickert; ob aber ein Theil des Saalwassers bei Harra, wie man glaubt, auf eine Strecke verschwindet, bedarf der Untersuchung. Nach Volkssagen und alten Berichten haben einzelne Bäche vordem Gold geführt. So die Wipse, Gülde, die Wettera und der Ziezelbach. In dem letzteren Bache will man noch vor wenig Jahrzehnten einen Schmelzherd getroffen haben, der angeblich den Zigeunern zum Goldschmelzen diente. Während das Wasser einiger Bäche, wie das Güldewasser, keine Fische duldet, sind die übrigen Bäche und Flüsse, von denen mehrere sogar den Namen Forellenbach führen, mit Fischen besetzt, doch sparsamer heute als früher. Schiffbar ist im Lande keiner der Flüsse, wohl aber werden die größeren seit alter Zeit zu Scheit-

I. Die Natur des Landes.

und Langholzflößen benutzt. Von großer Bedeutung sind die Namen der Gewässer; in ihnen ruht zum Theil die Geschichte der aufeinander folgenden Bevölkerungsschichten. Es finden sich unter diesen Namen altgermanische (Wisent, Saale, Elster, Saarbach); sorbische in reicher Zahl, wie unter Andern Elsch, Elschnitz, Leske, Lutzschke, Lemnitz, Leumnitz, Modelitzsch, Muschlitz, Oels, Sormatz und Sormitz; später deutsche, wie Stelzenbach, Judenbach, Kalkbach, Mäusebach, Mühlbach, Vogeltränkbach, Schießbach, und selbst sorbisch-deutsche, wie Sorbenbach (Sormbach) und Zschippach. Die Ausdehnung der verschiedenen sprachlichen Wassernamen über das ganze Gebiet bestätigt die Annahme, daß dasselbe in all seinen Thälern schon seit ältesten Zeiten bewohnt war. Unter den Bachnamen kommen mehrere mehrmals vor, wie Elsch, Sormitz, Triebes, Wettera, Stelzenbach und Goldbach, am häufigsten jedoch Aubach, Saubach, Lohe und Lohbach. Daneben haben einzelne Quellfäden gar keinen speciellen Namen und werden nur schlechthin der Bach oder das Dorfwasser genannt, andere dagegen führen im oberen, mittleren und unteren Laufe, verschiedene Namen und sogar der Erlbach im Unterlande hatte seither in jeder Flur einen anderen Namen. Auch wechselten einige Wässerlein im Laufe der Zeit ihre Namen. So hieß der in die Saale der Klostermühle gegenüber einmündende Bach erst Reuz, später Retzschbach, jetzt Letzschbach.

Ob ein Landstrich an Quellen reich oder arm ist und ob diese aus höheren oder tieferen Bodenschichten kommen, mehr oder minder Wasser haben und ausdauernd oder aussetzend, klar oder auf und ab trübe, hart oder weich, von höherer oder niederer Temperatur sind, hängt von mancherlei, bald mehr, bald weniger zusammenwirkenden Verhältnissen, hauptsächlich aber von den atmosphärischen Niederschlägen, von dem geognostischen Bau, der Humusdecke, der Neigung und der Vegetation des Bodens ab. Wiewohl nun auch das Fürstenthum im Ganzen durch diese Verhältnisse begünstigt und deshalb in der Summe reich an Quellwasser ist, so herrscht doch, abgesehen von atmosphärischen Schwankungen in der Gliederung und Beschaffenheit des Bodens der einzelnen Landesgebiete, ein starker Wechsel und damit wechselt auch der Reichthum, die Natur und die Wiege der Quellen. Haben die Thonschiefer-, Grauwackenstriche und selbst auch die Grünsteinzüge viele, freilich meist kleine, hoch liegende, zeitweilig vertrocknende, weiche Quellen, so bieten dagegen dieselben Striche da, wo sie zerklüftet und von Eisensteingängen durchsetzt sind, reiche, tiefliegende, nachhaltig fließende, mit Eisen und Kohlensäure mehr oder minder genährte, harte Quellen und nicht weniger reich an starken, harten und nachhaltigen Quellen ist das Kalk- und Sandgebiet, nur daß hier die Wasser meist weniger tief emporquellen und daß die der Kalkstriche minder rein sind als die der Sandflächen. Und wiederum in diese geognostischen Verhältnisse bringt die meist von ihnen abhängige Neigung und Vegetationsschicht des Bodens einen Wechsel bezüglich der Stauung oder des raschen Abfließens der Quellwasser und atmosphärischen Niederschläge. Leiden daher manche Mulden und Thäler bei geringer Neigung und undurchlässigem Unterboden an Versumpfung, so finden sich doch auch mehrfach Hochflächen mit großer Trockenheit, deren Umfang in regenloser Zeit sich bedeutend ausdehnt. Für jene sumpfigen Striche hat das Volk die Bezeichnungen Faulen, Erlich, Loh (Engeloh, Hoheloh, Löhla), Moos, Gries, Nässe und Weidig; für die trockenen die Namen Brand, Hungerknock, Mark, Rauhe und Steinbühl.

Vergleicht man übrigens das Oberland mit dem Unterlande rücksichtlich der Bewässerung, so ist jenes reicher als dieses an Quellen und Bächen, weil es ausgedehntere, die Feuchtigkeit der Atmosphäre mehr aussaugende Waldgebiete

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6. Die Bewässerung.

besitzt. Daher finden sich auch dort mehr grüne Flächen, blumige Auen und wiesenreiche Gründe und für sie die dem Unterlande meist fehlenden Dorf- und Flurstücksnamen auf Grün und Au, von denen der letztere in á oder é ausklingt, wie Dorsá, Höferá, Horlá, Löhlá, Kämmerá, Leukerá, Wetterá, Baderé, Fichteré, Koberé, Schäferé, Wolferé. Aber ganz besonders ist das Oberland und namentlich der Strich zwischen der Saale und Elster ein Boden von viel tausend größeren und kleinen Teichen, die, wenn auch nur zum vierten Theil zur Fischzucht benutzt, doch im Allgemeinen als Wasserbehälter eine Wohlthat der Landschaft sind und überdies ihr Wechsel und Schmuck geben. Mancher Ort hat außer seinen Dorfsteichen, um die derselbe angebaut ist, noch in seiner Flur 80 bis 100 Teiche. Keinem dieser Teiche hat indeß die oberländische Natur ein großes Becken gewährt, obschon einige den stolzen Namen „See“, wie Entensee, Krötensee führen. Dagegen sind viele Höhenteiche zugleich Quellteiche und darum der Ausgang von Quellfäden. Eben deshalb wird das Wasser mehrerer Teiche als heilkräftig angesehen. So gilt einer der Röhmigsteiche bei Schilbach, dessen Wasser nie austrocknen und zufrieren soll, als Krätzmedizin. Auch einige krystallklare Bäche hält das Volk für Banner von Krankheiten, vor allen die Gülde.

Die größte Rolle jedoch spielen die Quellen, diese gesegneten Wasserperlen für Dorf und Flur, in der Phantasie und zum Theil in der Erfahrung des Volkes. Schon ihre manchfachen Namen, wie unter Andern Butterborn, Eliasbrunn, Goldborn, Hungerborn, Polterborn, Queckborn, Schönbrunn, schwarzer Brunn, Teufelsborn, Trollbrunn, Zschirlborn, deuten darauf, daß man ihnen gesunde oder giftige Wirkungen zuschreibt. Namentlich sind es die aus größerer Tiefe emporsteigenden, aushaltenden und nicht einfrierenden Quellwasser. Wenn der Kühlborn (Kühborn) am Lausebirnbaum bei Tinz, die Schafgrundsquelle bei Langenberg und so viele andere Quellen des Landes nach dem Glauben des Volkes die Kranken gesund machen und wenn man den Zudelborn im Kerschgraben der Cosse trotz seines Gewürms trinken kann, im Fall daß man allda einen Zodel (alten Lappen) aufhängt, so sind andererseits, nach dem Dafürhalten des Volkes, der Türkenborn unfern Lusan und die Eremitagenquelle bei Oschitz Krätze erzeugend und nicht minder nachtheilig wirken der Butterborn und der Molkenborn bei Rüdersdorf und die Martinsquelle im Dessegrund, sogar der Währigsborn am Wege von Großsaara nach Schöna offenbart, wie man glaubt, seine schlimmen Folgen erst nach neun Tagen oder nach soviel Wochen, Monaten und Jahren. Bis auf die Brunnen der Stadt Gera sind die Brunnengeister des Landes noch zu wenig von der Wissenschaft untersucht worden, selbst ihre Temperaturen haben nur an einigen Stellen eine Messung erfahren*). Demungeachtet steht so viel fest, daß viele Quellen und Bäche weder die Heilkraft noch die Schädlichkeit besitzen, die ihnen das Volk zuschreibt, und daß die reinsten Quellen sich im Gebiete des Buntsandsteins und der älteren Grauwacke, die härteren im Kalkgebiete und im Thonschiefer- und Grünsteinstrich vorfinden. Eine der drei Badeanstalten, welche das Fürstenthum besitzt, beruht vorzugsweise auf der erfrischenden, belebenden Kraft des reinen Quellwassers. Es ist dies die Kaltwasserheilanstalt, welche Dr. Blau in Langenberg errichtet hat.

Eisenhaltige Quellwasser finden sich im Unterlande an manchen Stellen (in dem urbanischen Badewasser im Enzian, in den Walkmühlbädern und in einer Quelle an der Leichenstegsbrücke bei Gera, im Bramthal bei Zschippach und im agaer Braunkohlenstriche), im eisenreichen Oberlande dagegen an sehr vielen

*)S. Abschnitt vom Klima.

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6. Die Bewässerung.

und Molkenkuren verbunden und vor Allen gegen Blutarmuth und Bleichsucht, gegen Krankheiten des weiblichen Geschlechts und gegen gestörte Verdauung angewendet. Die Beschaffenheit des Stahlwassers, die Reinheit und Frische der Luft von Lobenstein, der anmuthige, vom regierenden Landesherrn zum Badeplatze überlassenen Schloßgarten daselbst und die äußerst romantische Umgegend der Stadt sind große Vorzüge des neuen Bades.

Salzhaltige Quellwasser finden sich im Unterlande mehrfach in der Zechsteinformation, doch sind sie zu schwachhaltig, um benutzt werden zu können. Nur die erbohrte 26 grädige Soole bei Heinrichshall hat außer der dasigen Saline und chemischen Fabrik ein Heilbad zu Köstritz hervorgerufen, das zugleich mit den kräftigen Soolbädern erfolgreich trockenwarme Sandbäder und außerdem Dampf-, Malz- und Fichtennadelbäder verbindet. Die Heilkraft dieser dicht an der weißenfels-geraer Eisenbahn gelegenen Badeanstalt wird überdies durch das milde Klima des Orts und durch dessen liebliche, an reichen Wald- und Thalstrichen, besonders aber mit einem schönen Parke ausgezeichnete Umgebung, erhöht.

Kalkhaltige Wasser kommen vielfach im Unterlande vor. Unterhalb Schwaara springt aus einem alten Stollen ein Quell, der die Körper mit Kalktuff überzieht und seinen Kalk dem Salpenbach mittheilt. Desgleichen hat der Dessegrund einige Kalktuff absetzende Quellen. Auch wird schon 1745 einer petrificirenden Quelle bei Mühlsdorf gedacht.

Die Gliederung des Gefließes im Lande ist nun folgende:

I. Das Main- oder Rheingebiet. Hier die höchsten Quellen des Landes, aber nur ein Hauptfluß als Sammelader der wenigen übrigen Abflüsse.

Nämlich:

Die Rodach (früher Radach) entspringt auf dem Rücken des Frankenwalds bei Rodacherbrunn, 1772' hoch, läuft zuerst südöstlich, dann südlich, weiter abwärts südwestlich und mündet unterhalb Zeulen in den Main.

Ihr fließen zu:

links: der Grunsenbach,

der Orlabach (Langestein) und

die fränkische Moschwitz (Muschwitz), auch Schwarzteichbach genannt, weil sie aus dem sogenannten schwarzen Teiche auf bayerischem Boden kommt, wird durch den Tiegelsbach aus dem diesseitigen Tiegelsgeräumde verstärkt und macht anfangs allein und dann mit der Rodach vereint die Landesgrenze;

rechts: der Thiersebach oder Titschenbach (früher auch Teschenbach), den Schlaggrund südwärts durchfließend, bildet im Westen von Titschendorf die Landesgrenze;

der Kettel-, auch Kittel- oder Ködelbach (früher Kotel, Köttel) entsteht aus dem Zusammenflusse der Grumbach (mit dem seligenstedter Grund) und des großen Rosenbaums oder Rosenbaumbachs, beide bei Grumbach quellend, jener 1850', dieser 1825' hoch. In den großen Rosenbaumbach mündet der kleine Rosenbaumbach. Beide Bäche scheiden Bayern von Reuß, der kleine den größten Theil seines Laufes, der große im Unterlaufe. Ein Hauptvertrag über diese Grenze geschah 1492 zwischen dem Hochstift Bamberg und dem Regenten von Gera und Lobenstein.

II. Das Saal- oder Elbgebiet.

A. Das Oberland. Auf dem oberländischen Saalgebiete liegen dessen höchsten Quellen am Sieglitzberg, die des Sieglitzbachs und des Hackenbachs

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I. Die Natur des Landes.

1650 bis 1660' hoch. Die beiden Hauptflüsse, welche die oberländischen Wasser aufnehmen, sind die Saale und Weida.

1) Die Saale, vom Fichtelgebirge herabsteigend, trifft im Süden von Venzka bei der Einmündung des Kegelbachs das reußische Land, 1190' hoch, bildet im westlichen Bogenlauf bis Blankenstein im Süden gegen Bayern und zweimal im Norden gegen preußische Stücke (Sparenberg und Blankenberg) die Grenze, durchschneidet von Blankenberg an mit nördlicher Richtung in kleinen prachtvollen Windungen das Land bis zum Eisbrunnen unterhalb der Klostermühle, macht von da bis zur Einmündung des Molbitzbachs (Mölbitzbach) die Grenze gegen greizer Gebiet und verläßt hier das Land 923' hoch. Von der Mündung des Kegelbachs bis zur Mündung des Molbitzbachs sind im Luftmaße nur 6 Stunden, dagegen beträgt die Schlangenbahn der Saale über 11 Stunden mit einem Gefälle von 267'. An Zuflüssen aus dem Lande hat sie die größere Zahl auf der rechten, die kleinere auf der linken Seite.

Rechte Saalseite:

1) Der Kegelbach (Degenbach, gebersreuther Bach), aus dem Tannenbach (Tannbach) und dem Töpenbach (Kupferbach) gebildet, die beide in der gebersreuther Flur entstehen, jener 1600' im Norden, dieser 1625' hoch im Nordosten des Ortes quellend. Der Tannenbach durchfließt Gebersreuth und Mödlareuth, der Kupferbach oder Töpenbach macht einen Bogen durch das Bayerische, Münchenreuth, Tiefendorf und Töpen durchrieselnd. Von Mödlareuth bis zur Einmündung in die Saale bildet der Tannenbach und darauf der Kegelbach die Grenze gegen Bayern.

2) Der Erlichsbach (Ehrlichbach) oder Aubach, oberhalb Gefell 1580' hoch entstehend, durchfließt Gefell und darauf Dobareuth, wo ihm links der Steinbach und der Pfauenbach und weiter abwärts rechts der in den Saßenwiesen im geseller Gebiete quellende Wetterabach (Wetterau, Wettertenbach) zugehen und mündet bei Hirschberg, hier auch Weidenbach genannt.

3) Der Lohbach, am Fürstlein quellend, durchfließt Ullersreuth.

4) Der Aubach (Göritzb., Hetschenb., Lohb.) entsteht aus dem göttengrüner und dem blintendorfer Bächlein mit dem Stelzenbach, wird in Göritz rechts durch einen Quellfaden verstärkt und mündet unterhalb Lehesten.

5) Das Pechbächlein, im oberen Laufe Ehrlichsbächlein genannt und in Frössen durch einen Nebenquellfaden verstärkt, mündet bei Sparnberg.

6) Das lerchenhügler Wässerlein.

7) Der Aubach, aus dem Krallesbach und dem pottigaer Stollwasser bei der pottigaer Mühle zusammenfließend, mündet unterhalb Saalbach.

8) Der Drusenbach, auf der Grenze zwischen Pottiga und Blankenberg zur Saale rinnend.

9) Der Arlasbach, oberhalb von Arlas der Hohelohbach genannt, bildet größtentheils die Nordwestgrenze von Blankenberg gegen Reuß.

Diese neun Zuflüßchen haben vorherrschend einen südlichen, die folgenden einen mehr westlichen Lauf.

10) Ein Waldbach, Harra gegenüber mündend.

11) Der Saubergsbach mit dem Jungfernzechenwässerlein quillt auf dem pottigaer Forstrücken und mündet bei Saalgrün.

12) Der Ziezelbach, auf dem weidmannsheiler Forstrücken 1475' hoch quellend, mündet bei Saaldorf.

13) Das Göritzbächlein, dicht oberhalb Christiansglück mündend.

14) Das Bierewässerlein, unterhalb Christiansglück mündend.

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6. Die Bewässerung.

15) Der Pösnigsbach (auch Biesnigsbach), aus zwei nahe an der blin-tendorfer Grenze entstehenden Quellbächen, dem langgrüner Wasser (im Volke grüner Grund) und dem Schweinsbach gebildet, mündet dem Koppenfels gegenüber.

16) Die Triebich oder Triebes entsteht aus dem Schilbach und dem seubtendorfer Wasser und mündet Pöritzsch gegenüber. Ihr Auffangs-gebiet ist groß, daher oft reißend.

17) Der Dornbach, aus zwei Quellfäden gebildet, die östlich und westlich vom Dorfe Kulm entstehen, mündet neben der Saalbrücke dicht oberhalb Saalburg.

18) Die Wettera (Wetterau, Bittera, Wetterbach) entspringt in der Moßiga der Kämmerawaldung südlich von Tanna zwischen dem Rosen-bühl und Brand, fließt anfänglich nördlich durch einen teichreichen Strich nach Tanna, hier links durch den Grubenbach, rechts abwärts durch das Rohrwiesen-, Rauten- und Weißkieselbächlein verstärkt, nimmt bei der Grünmühle in der zollgrüner Markung rechts das mielesdorfer Wässer-lein (die Grüna) mit dem Sparnaßbach oder Sparnerabach und unter-halb der Mühle den Mühlbach (Naila), Saubach und Tiefenbach mit dem Purschbach und links den zollgrüner Dorfbach, weiter abwärts links den Auleitenbach und das Kommlerabächlein mit dem Petersbächlein, rechts bei Raila den Jocusbach und das Bächlein und links abwärts den von der wernsdorfer Flur kommenden Dienstbach, im Süden von Gräfenwarth den Stochleitenbach (Krötenbach) und das gräfenwarther Wässerlein auf und fällt bei der Klostermühle in die Saale. Ihre Quelle liegt 1646', ihre Mündung 945' hoch. Ihr paralleler Bogenfluß ist die Wiesenthal, doch diese mit einem fast zweimal längeren Laufe.

19) Der Gerischbach.

20) Der Vogeltränkbach vom Nonnenwald.

21) Der Molbizbach mit dem Kalkbach, auf der Grenze gegen greizer Gebiet fließend.

22) Die Wiesenthal (so im Volksmunde, sonst auch die große Wiesen-thal genannt, ursprünglich aber und richtiger Wisentthal d. i. Auer-ochsenthal) entsteht oberhalb der Ottenmühle aus dem Zusammenflusse des von Mißlareuth über Rothenacker kommenden Hetschenbachs und des südlich von Willersdorf und in der Flur dieses Orts in dem Zeidel-brunnen in der sogenannten Zeidelweide entspringenden Latzbachs. Von beiden Bächen, deren Vereinigung den Namen Wiesenthal führt, ist indeß nicht der Hetschenbach, der zu Zeiten trocken wird, sondern der nie vertrockende Latzbach der Hauptquellfaden und der stets wasser-reiche Zeidelbrunnen der Hauptursprung der Wiesenthal. In ihrem anfänglichen Nordlaufe empfängt sie unterhalb der Bucklischmühle links den vom Ebersberg abfließenden Lohbach, rechts den Goldbach mit dem Stelzenbach,*) Lippenbach und Schwarzbach, bei Oberkoskau rechts das stelzner Wässerlein und den Goldbach, in Unterkoskau links den Lohbach (Brandbach), abwärts rechts den Ruhbach mit dem von der „alten Schmidten“ abrinnenden Rehbach und links an der sächsischen Grenze den Forstbach (kleine Wisentthal, Lochholzbach), fließt nun durch das Sächsische über Mühltroff, wo ihr links das langenbacher Wasser zugeht, wendet sich nordwestlich, trifft die Landesgrenze im Osten von Ober-

*)Dieses Bächlein kommt von Reuth herab.

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I. Die Natur des Landes.

böhmsdorf, empfängt hier den die Grenze gegen Sachsen zwischen dem schleizer Wald und der langenbacher Flur bildenden Zeiterabach mit der von Mielesdorf kommenden Süla, macht von da bis zur Lößmühle die Grenze gegen Sachsen, erhält links das Kirchgertwässerlein und das Kohlholzbächlein, läuft dann westlich, rechts durch den lössauer Dorfabfluß, links bei der Wiesenmühle durch die Leukera vom Königsberg und rechts durch den Goldbach (Colbach), bei der Billingsmühle links durch den Ruhleitenbach mit dem Fleisch- und Märzeichbächlein, abwärts rechts durch den Bailes- oder Zodelsbach*) von der öttersdorfer Flur verstärkt, fließt an Schleiz (Mühlgraben) vorbei, empfängt hier links das Hainbächlein, das seit dem Mittelalter von seinem (1858 canalisirten) Abflusse aus dem Bürgerteiche der Stelzenbach genannt wird, und abwärts rechts den Oelsbach oder Höflesbach,**) bei Görkwitz rechts den mit dem Elschbach vereinten Elschnitzbach, der oberhalb des Zipfelteichs Schlangenbach heißt, und unterhalb der Thomasmühle rechts von Oschitz her den Löhmabach, aus dem Dürrenthalsbach und dem Gummelbach und dieser aus dem Culmbach (Kohlbach) und Liebsch hervorgegangen, wendet sich in das greizer Amt Burg, hier bereichert durch den Werbach und Aubach (oberhalb CrispendorfTaumbach“ oder Taubenbach genannt) und fällt unterhalb Dörflas in die Saale, 862' hoch.

23) Der Plothenbach, oberhalb Plothen in der Westflur von Dittersdorf beginnend, mündet unterhalb Ziegenrück.

Linke Saalseite:

1) Die Selbitz, aus Bayern von Wüstenselbitz kommend und im Endlaufe die Landesgrenze bildend, nimmt die thüringische Wioschwitz auf, welche am Südwestfuße des Kulm 1647' hoch quillt, bei der Buttermühle den von Schlegel über Seibis rinnenden Saubach erhält und in ihrem Ostlaufe die Grenze gegen Bayern macht.

2) Das harraer Auwasser.

3) Die Lemnitz, aus zwei Quellfäden bei Oberlemnitz entstehend, empfängt in Unterlemnitz rechts die kleine Lemnitz und links ein Bächlein von Norden, unterhalb des Ortes rechts den Steinbach, bei Lobenstein rechts die Kosel, die aus der Aue (Aubach) und dem Rödersbach in Helmsgrün gebildet und abwärts durch den Dorfbach von Neundorf bereichert wird, unterhalb der Herrnmühle rechts den Hakenbach (im Oberlaufe Rabisbach genannt), bei der Neuwalkmühle den Sieglitzbach mit dem Pempelbach und mündet beim Lemnitzhammer. Die Quellen der Lemnitz liegen 1537', ihre Mündung 1061' hoch, die Quelle der Sieglitz 1650', ihre Mündung 1098'.

4) Der Rattenbach, bei Gottliebsthal mündend, heißt im Ober- und Mittellaufe die Friesa, die über Friesau herab durch Ebersdorf fließt, hier den ebersdorfer Dorfbach, thalabwärts beim Pollerhaus rechts den schönbrunner Dorfbach und bei Kleinfriesa den Goldbach empfängt.

5) Die Zoppotha mit der Pfitz.

6) Der Ossabach (Ossagrundbach).

7) Der Riesenbach (Riesengrundbach), im Südost von Pöritzsch dem Pösnigsbach gegenüber mündend.

*)Oberhalb des unteren Wehrteichs heißt er gewöhnlich Zodelsbach, unterhalb aber Bailesbach.
**)Im oberen Laufe (oberhalb der Chaussee) heißt er Oelsbach, unterhalb der Chaussee der Höflesbach, von einer ehemals daselbst bestandenen Ansiedelung „Höfle.“

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6. Die Bewässerung.

8) Der Luchsbach.

9) Der Letzschbach (früher Reuzbach, dann Retzschbach), aus den Quellfäden von Röppisch und Remptendorf hervorgehend, mündet unterhalb der Klostermühle beim Eisbrunnen.

10) Der im Streitwald entspringende Kieselbach tritt in den Burgwald, wird hier Sormitz genannt und mündet Burg gegenüber.

11) Der Otterbach (Autrabach, Auterbach, Aderbach, im Volke Atterbach), östlich von Altenbeuthen mündend, entsteht aus dem großen und kleinen Otterbach, von denen jener von Lothra und Drognitz kommt, dieser bei der Lückenmühle aus dem Zusammenflusse von drei Bächen, dem von Thimmendorf abrinnenden und rechts durch den Teufelsbach verstärkten Häselichsbach (Häslich, Grundbach), dem am Geiershügel aus drei Wasserfäden gebildeten und bei Siehdichfür durch den friesauer Grundbach bereicherten Mittelbach und dem Ruheilbach hervorgeht, unterhalb der Lückenmühle den Mehlisbach (Mohla) aufnimmt, darauf eine Strecke die Grenze gegen Schwarzburg macht und sich endlich mit dem großen Otterbach verbindet.

12) Die Sormitz (große Sormitz, auch Sorbitz) entsteht aus dem Langwasser und dem Oßlabach, wird von der wurzbacher Günthersmühle an Sormitz genannt und mündet bei Hockerode in die Loquitz („Lucks“) und diese bei Eichicht in die Saale. Von ihren zwei Quellfäden empfängt das vom Kulm im Frankenwald kommende, 1721,7' hoch quellende, über Hornsgrün fließende Langwasser links vom Frankenwald den Kirchbach, den aus dem Graubach und Kaltenbrunnen hervorgehenden, durch den Finkenbach verstärkten Zipfelbach und den Vogelbach, die Oßla dagegen wird vom Reichenbach, vom Rohrbach mit dem Buschbach, vom großen Grundbach mit dem Pfalzbach und vom Dürrenbach, somit von Quellfäden gebildet, die meist ihren Ursprung auf dem leistner Plateau haben. Die Sormitz nimmt in Wurzbach links die Wurzbach vom leistner Kulm, unterhalb der Bärenmühle links den Lindenbach (Grenzbach), oberhalb des Klettiggrunds rechts den am Gronitzberg entspringenden Delligsbach, bei der Klettigsmühle rechts den von Heinersdorf und vom Henkersfleck zusammenfließenden Latzbach, links von Weitisberga den Gombach und Asbach, bei der Zschachenmühle rechts den Reißbach, der aus dem kleinen und großen Torpich (Torpach) oder Torpisch (jener von Thierbach, dieser von Eliasbrunn*) und Ruppersdorf) entsteht und rechts den Krögelsbach (Kögelsbach) und den von der Riesenquelle stammenden Riesenbach (Trogenbach) erhält, rechts bei der Neumühle das gahmaer Dorfwasser**), oberhalb Grünau links die kleine Sormitz, die bei der weitisberger Mühle vorbeifließt und hier den Sorbenbach (Sormbach) empfängt und dicht unterhalb Grünau rechts den von Altengesees abfließenden Ilmbach auf.

2) Die Weida, die ihre Quellen im Süden und Osten von Pausa auf 1300' hohen Flächen hat, tritt im Süden von Leitlitz, 1055' hoch, in das schleizer Verwaltungsamt, durchfließt dasselbe an zwei Stellen und bildet dabei zweimal die Landesgrenze, zuerst im Nordwesten von Kleinwolschendorf und dann im Südwesten von Weißendorf. Ihr Austritt liegt 840' hoch. Ihr

*)Bei Eliasbrunn heißt das abfließende Wasser der Dorfbach, erst bei Ruppersdorf Torpich oder Turpich.
**)Die alten Bachnamen Sormatz bei Gahma und Truja bei Wurzbach scheinen verschwunden zu sein.

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I. Die Natur des Landes.

Lauf im Lande im Luftmaße ist 2 Stunden, ihre Windung 3 1/2 Stunden lang. Sie nimmt bei Weida die Auma auf und mündet bei Voigtsberg in die Elster. Ihr fließen thalabwärts aus dem Lande zu:

Links: 1) Der Robsbach (Robisbach) im Süden von Leitlitz.

2) Der Waldbach (Waldgrundbach) in Weckersdorf.

3) Das Löhlabächlein unterhalb Weckersdorf.

4) Der Modelitzschbach (auch eine Strecke der Tegbach genannt) entsteht auf der Südhöhe von Dittersdorf und empfängt das Dorfbächlein von Dittersdorf, den Saarbach mit der Trea von Dragensdorf, die Lemnitz und den Bergbach von Tegau, den Rödersbach und Eichelbach von Rödersdorf, die von Löhma kommende und bei Göschitz durch die Muschlitz (Moschlitz, Moschel) oder den Zelbach verstärkte Gülde und bei der Feuermühle die aus dem Elschbach (mit dem kirschkauer Dorfwasser) und dem Limbach (Krauschitz) hervorgehende Görlitz (Hühnerbach).

5) Der Steinbach von Pahren mit dem vorderen Bach.

6) Das burkersdorfer Auwasser.

7) Der Schlegelsbach, in den Fluren von Dittersdorf und Dragensdorf entstehend, mündet zunächst in die Auma und durch diese in die Weida.

Rechts: 1) Der Sybach im Süden von Leitlitz.

2) Der Lohbach von Leitlitz.

3) Das langenwolschendorfer Wasser.

4) Der Igelsbach, bei der Riedelmühle mündend.

5) Der Bingebach (Binnenbach) mit dem alten Bach, aus dem Saugrund von Kleinwolschendorf.

6) Das Weidigswässerlein von Weißendorf.

7) Die Triebes*) entsteht 1225' hoch im Pöllwitzwald südlich von Altpöllwitz, nimmt hier den Collisbach, von Niederböhmsdorf das Ritschigswässerlein, von Weißendorf her den Binnebach, in Triebes den Waldbach auf, bildet darauf die Grenze zwischen Weimar und Reuß (Hohenleuben), erhält allda den Bullenbach (Grenzbach) und mündet bei der Valentinsmühle (im Volke Falkenmühle). Ihr Eintritt ins Land ist 960', ihr Austritt 776' hoch.

8) Die Leuba (Leubach, Laubach) quillt in den sog. Flösteichen im Pöllwitzwald, fließt über Naitschau, darauf durch Langenwetzendorf, wo ihr der Krausenbach (göttengrüner Lohe), der Schmidtsgrund, der hirschbacher Lohbach, die Lohe und das mehlaer Wässerlein zugehen, bildet nun die Ostgrenze von Hohenleuben, empfängt hier das hohenleubner Bächlein und mündet bei Loitsch. Ihr Eintritt ins Land ist 975', ihr Austritt 774' hoch.

B. Das Unterland. Die Elster (weiße Elster), die das Unterland von Süden nach Norden mitten durchschneidet, ist dessen Hauptnerv, denn bis auf die Quellen einiger Wasserfäden, die der Pleiße zugehen, sammelt sie unmittelbar alles Quell- und Bachwasser des Unterlandes, bildet den schönsten, fruchtbarsten und gewerbreichsten Grund des Ganzen und wie in früheren Tagen ihr Thal die christliche Cultur ins Voigtland leitete, so wirkt es noch heute belebend auf die Nebenlandschaften und auf das Oberland. Im Elstergebirg

*)Unrichtig ist die Annahme, daß der Bach oberhalb des Pöllwitzteichs den Namen Collisbach, unterhalb den Namen Triebes führe.

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6. Die Bewässerung.

bei Asch in Böhmen quellend, durchfließt die Elster das sächsische und greizer Voigtland, dann das weimarische Amt Weida und das sächsisch-ziegenhierdische Ländchen, darauf das reußische Unterland, den preußischen District Zeitz und den sächsischen Kreis Leipzig, wo sie die Pleiße aufnimmt, tritt endlich von Neuem in die preußische Provinz Sachsen und mündet oberhalb Halle in die Saale. Ihr Lauf durch das Land im Luftmaß beträgt 3 1/2 und in der Krümmung 4 2/3 Stunden. Beim Eintritt in das Land liegt ihr Bett 525', bei Zwötzen 515', bei Gera 503', dicht oberhalb Untermhaus 500', bei Milbitz 495', bei Köstritz 468' und beim Austritt aus dem Lande 459' hoch. Unter ihren Zuflüssen im Unterlande sind die größten der Erlbach und der Brambach, jeder das Land ca. drei Stunden geradlinig durchschneidend. Die Lauflänge der übrigen Nebenbäche liegt zwischen 1/4—2 Stunden. Die unterländischen Zuflüsse der Elster sind:

Links: 1) Das Holzgrabenwasser von Gorlitzsch, bei Unterröppisch mündend.

2) Die in Zeulsdorf aus dem Hinterthal und vom Lasigberg zusammenfließende Briete, oberhalb Lusan mündend.

3) Der Türkengraben bei Lusan.

4) Der Gerbergraben (Gerbersgraben) bei Debschwitz.

5) Das Martinsgrundwässerlein bei Pöppeln.

6) Das Kerbwasser bei Untermhaus.

7) Der Erlbach*) (so früher nach Angabe der Alten genannt) entsteht aus zwei im Altenburgischen quellenden und in Kraftsdorf zusammenfließenden Wasserfäden, dem Reichenbach und dem oberndorfer Bächlein, wird bei Kraftsdorf durch das Langthal und Kirchthal, bei Harpersdorf durch die Desse (auch Forellenbach) mit dem Tiefenthal, oberhalb Niederndorf durch das Käsethal, in Niederndorf durch den Scherzengrund und durch ein Wässerlein von Rüdersdorf her, unterhalb Niederndorf durch den Todtenwiesengrund mit dem Nesselgrund und durch einen Quellriesel von Rüdersdorf her verstärkt, nimmt bei Töppeln den Saarbach und unterhalb dieses Ortes zwei Wässerlein von der pörsdorfer Gegend auf und mündet unterhalb Thieschitz. Unter den Nebenbächen des Erlbachs ist der bedeutendste der Saarbach (auch Rothenbach oder Mühlbach genannt), welcher mit dem lindenkreuzer Wasser, das er oberhalb Waltersdorf aufnimmt, seine Quellen im Weimarischen bei Münchenbernsdorf, Kleinbocka, Rothenbach und St. Gangloff hat. Derselbe durchrieselt Waltersdorf, erhält bei Kleinsaara das Winterthal und Langethal, bei Großsaara den aus Quellfäden vom Reichardsberg bei Münchenbernsdorf entstehenden Görlitzbach (schönaer oder mittleres Auwasser), das hundhauptner Bächlein und einen vom Käseberg her einfallenden Grund, unterhalb Geißen den Wolfsgraben, bei Windischenbernsdorf das Langethalwasser (langengrobsdorfer Wasser), welches von Dürrenebersdorf, der Flur Weißig und Markersdorf abfließt, bei Scheubengrobsdorf das ernseer Wässerlein und fällt bei Töppeln den Erlbach. Wegen seines starken Auffanggebietes wird der Erlbach, sowie der Saarbach, oft reißend und Sand ausschüttend. Die Mündung des Erlbachs liegt 487,3'

*)Dadurch, daß der Grund von Thieschitz nach Kraftsdorf der Erlbach und der von Töppeln nach Waltersdorf der Saarbach genannt wird, hört der geographische Uebelstand auf, wonach jeder untere Ort den anliegenden Bach nach dem nächst oberen Orte zu benennen pflegte. Einige haben den Erlbach auch die Rubitze genannt.

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I. Die Natur des Landes.

hoch. Bei seinem Eintritte ins Land ist er 824', bei der Einmün- dung des Saarbachs 540' hoch. Letzterer tritt 745' hoch ins Land.

8) Der Schafgrund oder der hartmannsdorfer Bach, bei Stübnitz aus dem Riesel vom Schliffsteingrund und aus der Treibe von Rüdersdorf hervorgehend, gewinnt bei Hartmannsdorf ein Wässer- lein von Pörsdorf und mündet unterhalb der örlsdorfer Mühle. Wo die Treibe einfließt, ist er 700', bei seiner Mündung 480' hoch.

9) Das Goldthal- oder Eleonorenthalwasser kommt aus dem Eisenbergischen oberhalb Reichardtsdorf, nimmt unterhalb Eleonoren- thal den Ziegengrund und bei Köstritz die Dürrenbergsgräben auf und mündet unterhalb Köstritz 468' hoch.

10) Der Borngrund bei Gleina erhält unterhalb dieses Ortes das Heinzethalbächlein und mündet zwischen Köstritz und Caaschwitz.

11) Der Hirschgraben mündet bei Caaschwitz.

12) Der seifarthsdorfer Bach mündet unterhalb Caaschwitz.

Rechts: 1) Das Wasser von Pohlen läuft durch den langen Grund und mündet oberhalb Cronswitz.

2) Der kleinfalkische Bach, östlich von Kleinfalke in der Teube entspringend und weiter abwärts der pösnecker Bach genannt, vereinigt sich mit dem liebschwitzer Bächlein und mündet dicht oberhalb des Zoitsbergs. In der Mündung fließt ihm zu der Wipsebach, der von Rüsdorf kommt und den Hainbach von Lichten- berg und den Krellsbach (Bornthal) von Otticha empfängt.

3) Das Thälchen von Kaimberg, bei Zwötzen ausmündend.

4) Der kleine Schmerlbach bei Zwötzen.

5) Der Pfortenbach (pfortner Bach) entsteht im Altenburgischen in dem raitzhainer Teich, heißt oberhalb Ronneburg der Welzebach, unterhalb der Zweiffelbach und von Collis abwärts die Gesse (Jesse) oder der Pfortenbach, durchrieselt als solcher den Schaf- grund oder das colliser Thal und mündet jetzt bei Pforten 505' hoch. Wird der die Stadt Gera durchfließende Mühlgraben als vormaliges Bett des Pfortenbachs angenommen, so war die ur- sprüngliche Mündung dieses Baches dicht unterhalb Cuba, und der Zaufensgraben und der leumnitzer Bach bildeten dessen Nebenriesel.

6) Der Zaufensgraben entsteht auf der Südosthöhe von Leumnitz 822' hoch, nimmt das Wässerlein von Zschippern auf und mündet oberhalb Gera.

7) Der Leumnitzbach, östlich von Leumnitz 798' hoch quellend, tritt in Gera 575' hoch ein und mündet in den Mühlgraben.

8) Der Krautgrund oder das laasener Bächlein, südöstlich von Trebnitz 797' hoch quellend, fließt an Laasen und Bieblach vorbei und mündet unterhalb Cuba 495' hoch.

9) Der Brambach*) (Bramenbach, Brahmenbach, Brombach, Brämse, im Volke „Brumme“) hat seine zwei 760' hohen Quellfäden in Bethenhausen und bei Caasen, empfängt bei Kulm von Söllmnitz her 618' hoch den Rothenbach mit dem Rießbächlein, unterhalb

*)Der Name Brambach (eigentlich große Brämse im Gegensatze zur kleinen Brämse), mit Unrecht von den Brahmanen oder von Brombeeren abgeleitet, kommt als Flußname öfters vor, zunächst bei Oelsnitz im Voigtland. Aber auch die Flurstücksnamen Bramen und Brämig und die mehrfachen deutschen Orts- und Waldnamen Bramberg, Bramstedt, Bramwald haben gleichen Ursprung.
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I. Die Natur des Landes.

und verfolgt hat. In Hohenleuben geschahen die Beobachtungen durch Rud. Schmidt (Apotheker) von 1854 bis 1861, in Gera durch C. Kratzsch und Dr. Robert Schmidt seit 1856, in Schleiz vornämlich durch Dr. Richard Mauke und Dr. Heyland von 1863 auf 1864 bez. 1866 und 1867 und in Rothenacker in den letzten Jahren vom Lehrer G. Oswald, insgesamt des Tages dreimal, mit Ausnahme der von Kratzsch, welcher täglich nur ein bis zweimal die meteorologischen Zustände notirte. Demungeachtet sind die zu Gera ausgeführten Beobachtungen die werthvollsten, weil sie nicht allein auf einem größeren Zeitraume beruhen, sondern auch außer dem Luftdrucke und der Temperatur noch andere atmosphärische Erscheinungen in ihren Gesichtskreis gezogen haben. In den Jahresberichten der Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaft in Gera und Schleiz fanden die Beobachtungsresultate der vier Stationen ihre Veröffentlichung. Leider reichte das gegebene Material nicht aus, um ein die verschiedenen Striche des Landes umspannendes, meteorologisches Resultat zu gewinnen; denn einerseits sind es zu wenig Beobachtungsstationen, durch welche weder die Nebenthäler im Unterlande noch die höheren Gebiete im Oberlande ihren klimatischen Ausdruck finden, andererseits hat man noch nicht alle meteorologischen Erscheinungen, namentlich noch nicht alle Feuchtigkeitsverhältnisse (Feuchtigkeit der Luft, Dunstdruck, Verdunstung der Wasser) der Messung unterworfen.

Den Luftdruck betreffend, ergeben die Beobachtungen folgende Resultate:

1) Für Gera als mittleren Barometerstand in pariser Zollen:

Jan. Febr. März. April. Mai. Juni. Juli. Aug. Sept. Oct. Nov. Dec. Jahr.
1856 326,40 330,17 331,08 327,44 327,04 329,75 329,74 328,60 328,62 332,33 328,65 327,42 328,94
1857 327,51 332,00 328,70 327,84 329,10 330,19 329,77 327,89 328,20 328,87 332,15 334,28 329,71
1858 333,43 331,40 328,16 328,96 329,66 330,96 328,86 329,66 331,44 330,70 329,50 330,72 330,29
1859 332,37 329,81 329,46 327,88 329,03 329,40 331,32 330,23 329,37 328,22 331,04 329,11 329,77
1860 328,40 328,50 328,18 329,22 329,22 329,20 329,54 328,61 330,12 331,16 329,72 327,24 329,09
1861 332,31 330,05 327,70 331,30 330,00 329,67 329,05 331,10 329,66 331,92 328,60 332,11 330,29
1862 329,17 331,30 327,70 330,70 329,51 329,00 330,15 329,81 330,90 330,10 329,62 330,93 329,90
1863 329,37 333,88 328,90 330,34 330,30 329,98 331,37 330,44 330,02 330,38 331,89 327,99 330,40
1864 330,85 326,36 327,34 330,57 330,35 330,82 331,26 331,54 331,65 330,12 330,55 331,70 330,26
1865 329,48 332,53 331,46 335,02 333,82 334,56 333,69 332,74 336,45 330,90 333,36 337,11 333,43
1866 333,84 331,38 330,91 333,07 332,91 329,41 332,42 332,24 332,65 335,44 331,79 333,00 332,42
1867 330,40 325,00 335,20 331,00 332,70 333,80 332,70 334,00 334,40 333,00 334,80 332,10 332,43
Durch-schnitt 330,30 330,20 329,56 330,28 330,30 330,56 330,82 330,57 331,12 331,09 330,97 331,15 330,58

In dieser 12jährigen Periode war für Gera 342,0 der höchste (März 1867) und 316,00 (1856) der tiefste Barometerstand, so daß die Schwankungsscala 26,00 durchschritt.

2) Für Hohenleuben giebt Dr. Jul. Schmidt in seiner (1827 herausgegebenen) Topographie der Pflege Reichenfels 27'' 7,15/16''' als Mittel 15jähriger Barometerbeobachtungen an, die Pastor Alberti zu Hohenleuben gemacht, aber nicht veröffentlicht hat.

3) Für Schleiz:

Jan. Febr. März. April. Mai. Juni. Juli. Aug. Sept. Oct. Nov. Dec. Jahr.
1863 318,30 317,20 317,10 317,50 319,10 318,50 317,90*
1864 322,00 317,70 315,30 318,40 317,50 317,30 317,70 317,90 318,00 316,80 317,60 317,90*
*)Dies Jahresmittel ist vom December 1863 bis November 1864 genommen.
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7. Klima

Zur Beurtheilung des Luftdruckes auf dem Oberlande und namentlich zur Vergleichung mit der schleizer Beobachtung wird hier der fünfjährige Durchschnitt der Barometerstände in Ziegenrück beigefügt:

Jan. Febr. März. April. Mai. Juni. Juli. Aug. Sept. Oct. Nov. Dec. Jahr.
1851-56 324,84 324,23 325,43 324,86 324,18 324,94 325,27 324,93 325,91 323,78 324,37 325,39 324,84

Der höchste Barometerstand betrug für diesen Zeitraum 333,94 (1853) und der tiefste 313,90.

Hinsichtlich der Temperatur ergaben die Beobachtungen:

1) Für Gera:

a) Wärmebewegung durch die einzelnen Monate:

Jan. Febr. März. Apr. Mai. Juni. Juli. Aug. Sept. Oct. Nov. Dec.
1856 0,89 2,35 — 6,8 8,15 9,91 13,52 13,62 15,04 11,40 8,70 0,83 1,62
1857 — 1,30 0,70 3,03 6,50 10,71 13,53 15,37 15,39 12,69 9,60 2,67 2,20
1858 — 1,44 — 2,49 1,70 6,32 9,70 15,81 14,20 15,95 12,95 7,84 2,10 1,12
1859 1,35 2,35 5,71 6,47 10,42 13,60 16,91 16,24 11,64 8,68 2,15 — 1,30
1860 1,60 — 1,46 1,60 5,68 11,06 13,18 12,53 13,62 11,31 6,77 0,72 — 1,23
1861 — 5,11 2,94 4,52 5,02 8,90 14,00 14,44 14,58 11,47 8,02 3,63 — 0,11
1862 — 2,16 0,11 5,81 8,53 12,85 13,05 14,26 13,41 11,39 9,02 2,31 1,30
1863 2,40 2,20 4,20 6,80 10,20 13,50 13,40 15,60 11,40 9,00 3,90 2,70
1864 — 4,90 — 0,70 3,70 4,40 8,00 12,90 12,80 12,20 10,90 5,90 1,10 — 3,50
1865 0,10 — 4,30 — 1,00 7,60 13,10 11,50 16,50 13,60 11,60 7,30 4,70 0,10
1866 2,80 3,00 1,70 7,30 8,10 14,70 13,20 12,90 12,90 4,90 3,50 2,00
1867 — 0,30 3,60 1,00 6,60 9,50 13,60 13,50 14,50 12,10 6,60 2,30 — 0,50
Mittel — 0,51 0,69 2,09 6,61 10,20 13,57 14,23 14,42 11,81 7,69 2,49 0,37

b) Mittlere, höchste und tiefste Thermometerstände:

Sommer- mittel.*) Winter- mittel.**) Höchster Stand. Tiefster Stand. Jahres- mittel.
1856 11,94 1,26 25,0 —15,5 6,60
1857 12,36 2,82 26,8 —14,4 7,59
1858 12,48 1,47 26,6 —15,4 6,97
1859 12,54 3,15 28,7 —11,3 7,84
1860 11,23 1,33 24,4 —12,4 6,28
1861 11,40 2,31 27,3 —22,7 6,85
1862 12,24 2,73 26,4 —13,0 7,48
1863 11,81 4,06 27,0 —7,5 7,93
1864 10,20 0,23 23,0 —15,5 5,21
1865 12,31 1,11 27,2 —17,5 6,71
1866 11,51 2,98 24,5 —8,1 7,24
1867 11,63 2,11 24,5 —14,5 6,87
Durchschnitt 11,80 2,13 25,9 —13,9 6,96
*)Vom April bis Ende September.
**)Vom October bis Ende December und vom Januar bis Ende März.
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I. Die Natur des Landes.

2) Für Hohenleuben:

a) Wärmebewegung durch die einzelnen Monate:
Jan. Febr. März. April. Mai. Juni. Juli. Aug. Sept. Oct. Nov. Dec.
1854 0,39 -1,00 2,34 5,65 10,00 12,52 14,20 13,33 10,34 6,00 0,43 0,65
1855 -3,22 -5,36 1,27 4,55 8,87 13,39 14,22 14,41 10,12 8,85 1,52 -4,07
1856 -0,42 1,25 0,28 7,24 9,36 13,40 13,31 14,70 10,35 8,00 -0,25 0,68
1857 -2,11 -0,48 2,00 5,98 10,74 13,64 16,08 15,75 12,12 8,87 1,93 1,05
1858 -2,52 -3,83 0,67 5,50 9,07 15,94 14,22 13,91 12,36 7,03 -2,36 0,44
1859 0,10 1,21 4,58 5,75 10,16 14,01 17,33 16,14 11,15 7,91 1,55 -2,15
1860 0,88 -2,14 0,72 5,04 11,03 13,52 12,47 13,25 11,00 5,86 0,08 -1,36
1861 -4,79 0,74 3,48 4,28 8,72 14,89 14,80 14,75
Mittel -1,46 -1,20 1,92 5,49 9,74 13,91 14,61 14,53 11,06 7,50 0,41 -0,68
b) Mittler, höchster und tiefster Thermometerstand:
Sommer-mittel. Winter-mittel. Höchster Stand. Tiefster Stand. Jahres-mittel.
1854 11,00 1,46 6,23
1855 10,93 -0,17 5,38
1856 11,39 1,59 6,49
1857 12,38 1,88 7,13
1858 11,83 -0,09 5,87
1859 12,42 2,20 29,0 -12,5 7,31
1860 11,09 0,67 24,5 -12,0 5,88
Durchschnitt 11,58 1,08 6,33

3) Für Schleiz, von Dr. Mauke (1863 bis 1866) und vom Hausmeister des städtischen Krankenhauses (1867) beobachtet.

a) Wärmebewegung der Monate:
Jan. Febr. März. April. Mai. Juni. Juli. Aug. Sept. Oct. Nov. Dec.
1863 1,74 2,07 4,33 6,99 10,64 13,75 14,10 15,38 11,18 9,04 3,80 2,37
1864 -4,34 0,85 4,26 4,69 8,36 13,53 13,65 12,33 11,13 6,37 1,44 -2,82
1865 0,33 -3,86 -0,49 8,17 14,14 12,09 17,45 13,80 11,79 7,69 4,53 -0,44
1866 3,05 2,93 1,87 7,01 7,37 14,05 12,74 12,65 12,76 5,49 2,92 1,50
1867 -1,1 2,9 1,20 6,1 10,3 13,6 13,7 14,9 11,9 6,6 1,6 -1,5
Mittel -0,06 0,98 2,23 6,59 10,16 13,40 14,33 13,81 11,75 7,04 2,86 -0,18
b) Mittler, höchster und tiefster Thermometerstand:
Sommer-mittel. Winter-mittel. Höchster Stand. Tiefster Stand. Jahres-mittel.
1863 12,01 3,89 26,1 -10,2 7,95
1864 10,61 0,96 23,0 -16,1 5,78
1865 12,90 1,29 27,0 -16,5 7,09
1866 11,09 2,96 23,0 -10,0 7,02
1867 11,75 1,62 24,0 -10,0 6,68
Durchschnitt 11,67 2,14 24,8 -12,56 6,90
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7. Klima.

4) Für Rothenacker, vom Lehrer G. Oswald beobachtet:

Jan. Febr. März. April. Mai. Juni. Juli. Aug. Sept. Oct. Nov. Dec.
1865 -1,11 -4,63 -1,67 6,96 13,51 10,99 16,73 12,65 12,85 7,98 3,17 1,00
1867 -1,35 2,32 0,54 5,13 8,38 11,44 11,14 13,26 10,57 5,61 0,68 -2,23
Mittel -1,23 -1,15 0,56 6,04 10,94 11,21 13,93 12,95 11,71 6,79 1,92 -0,61

Mittler Thermometerstand der Jahre 1865 und 1867:
Sommermittel 11,13; Wintermittel 0,86; Jahresmittel 5,99.

5) Ziegenrück*):

a) Monatliche Wärmebewegung.
9jähriger Durchschnitt:

Jan. Febr. März. April. Mai. Juni. Juli. Aug. Sept. Oct. Nov. Dec.
1848 bis 1856 -1,65 -0,04 1,08 5,21 8,52 12,08 12,73 12,59 9,05 6,57 1,97 -4,33

b) Mittler, höchster und tiefster Thermometerstand:

Sommer=mittel. Winter=mittel. Höchster Stand. Tiefster Stand. Jahres=mittel.
1848 11,58 1,69 6,63
1849 10,72 1,51 6,11
1850 10,65 1,05 5,85
1851 8,99 1,59 20,8 -12,1 5,29
1852 9,65 2,57 20,9 -12,6 6,11
1853 9,75 0,08 24,6 -17,4 4,91
1854 20,6 -14,5
1855 9,19 -0,21 22,2 -19,6 4,49
1856 9,88 1,70 22,9 -15,5 5,79
Durchschnitt 10,05 1,25 22,00 -15,3 5,65

Wie im mittleren Luftdrucke der Stationen Gera, Hohenleuben und Schleiz, so zeigen sich in deren mittleren Thermometerständen das Unterland und das Oberland als zwei nach Höhe und Erwärmung verschiedene Landstufen. Im Unterlande ist das Elsterthal der wärmste Strich und hier wieder vor Allen die gegen die Ostwinde geschirmte pohlitzer Bucht und nächst ihr das gleinaer und köstritzer Thalgelände die wärmsten, daher für Blumenzucht am meisten in der Gegend begünstigten Punkte; kühler sind die Seitenlandschaften, weil sie höher liegen. Ob im Oberlande die Thäler der Leuba und Triebes oder das Saalthal die wärmsten Linien bilden, bedarf noch der Untersuchung. Ist übrigens bei Pohlitz der wärmste Punkt des Landes zu suchen, so ist sicherlich der kälteste im Frankenwald. Für beide Stellen fehlen jedoch die genauen Beobachtungen. Es werden zwar für einige hochgelegene Landesstellen mittlere Jahrestemperaturen angegeben, so für Grumbach 5,2°; für Stelzen 5,67°; für Lobenstein 6,90° und für Saalburg 7,66°, indes diese Angaben bieten keine sicheren Maße, entweder weil man nicht weiß, auf welcher Beobachtungsart sie beruhen, oder weil sie, soweit dieselben vorliegen, nur ein Beobachtungsjahr umfassen. Die

*)Zur Vergleichung.

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I. Die Natur des Landes.

Angaben über Stelzen und Grumbach beruhen auf pfarramtlichen Mittheilungen, die über Saalburg und Lobenstein auf Beobachtungen dort von Dr. Baßler, hier von G. Kühn; jene enthalten schlechthin blos das Jahresmittel, diese dagegen folgende Monatsmittel:

Lobenstein. Saalburg.
1863 2,42 December 1864.
Januar 1,30 1,78 Januar 1865.
Februar 1,27 -0,74 Februar "
März 3,51 1,50 März "
April 6,19 6,82 April "
Mai 9,77 13,22 Mai "
Juni 12,32 10,81 Juni "
Juli 12,32 16,85 Juli "
August 14,00 13,45 August "
September 10,00 12,36 September "
October 7,98 8,21 October "
November 3,17 5,25 November "
December 1,00 Maxim. 25,0° Minimum —17,20°.
Jahresmittel 6,90 7,66

Offenbar sind diese Temperaturangaben, wie selbst die von Rothenacker und von Schleiz im Vergleich mit den Angaben von Ziegenrück und Hohenleuben und in Beziehung auf die Vegetationsverhältnisse dieser Orte zu hoch liegend.

Nimmt man Pohlitz 0,02° wärmer als Gera und Karolinensfeld bei Grumbach mindestens um 0,34° kälter an als die 632' tiefer liegende Stadt Hof, die eine mittlere Jahrestemperatur von 5,34° hat, so kann als sicher gelten, daß das Land sich von 7° bis 5° Erwärmung erhebt. Zwischen diesen beiden Wärmegraden liegen nun im Fürstenthume die verschiedenen Stufen der Flora und Fauna und des menschlichen Wohnens und Wirthschaftens. Demnach beginnt das Land nahe an der Nordgrenze der Weinzone und steigt längs der Buchen= und Fichten=, der Korn= und Haferzone hinan. Zwar ist im Mittelalter und noch bis zum 30jährigen Kriege im Unterlande und selbst im Oberlande Wein gebaut worden, weshalb die Alterthumsforschung nicht jeden hier vorkommenden Weinberg in Hainberg oder Weihberg umwandeln darf; indeß der im Lande gepflanzte Weinstock war bei aller Pflege höchstens alle 7 Jahre einmal tragbar und lieferte in diesem Falle mehr Weinessig als durchgesonnten Wein. Eben darum wurde auch im Jahre 1647 der Acker Weinberg im Elsterthal nur zu 8 gl. Nutzung angeschlagen und die herrschaftlichen Weinberge des Ostersteins (der Schloßweinberg mit 5 5/8, der tinzer Weinberg mit 3 7/8 und der Langenberger mit 4 1/4 Acker) gaben bloß ca. 5 Gulden Ertrag. Wie fast überall in Thüringen, so wich auch hier nach dem 30jährigen Kriege der Weinbau dem mehr lohnenden Körnerbau. Die Eiche und die edlen Obstarten, die zarten Gemüse= und Gartenblumen, der Weizen und die Gerste gedeihen, weil sie 6° bis 12° mittlere Sommerwärme nöthig haben, gewinnreich nur im Unterlande und auf den unteren Stufen des Oberlandes. Selbst schon im Unterlande dulden die höheren Gegenden, namentlich diejenigen, auf denen die Stürme durch die jüngsten Entholzungen freien Zugang haben und den Boden rasch austrocknen und erkälten, höchstens das Gedeihen des Kernobstes, selten das der Kirschen und Pflaumen, während umgekehrt dem welschen Nußbaum das Klima der mittleren Berggehänge besser zusagt als das der Thäler,

7. Klima.

in denen ein empfindlicher Wechsel von Erwärmung und Abkühlung häufig erfolgt. Namentlich dringen oft durch die Thäler kalte, die Luft stark abkühlende Nebelschichten, von denen die Höhen befreit bleiben. Trotzdem sind die Thäler und Höhen des Unterlandes gesund, wie denn sein gesammtes Klima einen milden und heiteren Character hat.

Vielfach anders das Oberland. Seine bedeutendere Meereshöhe, seine von dem Thüringer- und Frankenwald und dem Fichtel- und Erzgebirg wehenden Winde, die, wenn sie in Sturm übergehen, Schnee und Regen horizontal vor sich her peitschen, und dann, daß der Frankenwald den Südwestwinden einen Theil ihrer Wärme entzieht, dies Alles macht das Klima des Oberlandes im Ganzen rauh und zugig. In der Regel sind die Winter lang und schneereich, daher nichts Seltenes, daß das Winterkorn auswintert. Beständige schneegesättigte Winter sind übrigens willkommener und für den Verkehr und für Lustfahrten ergiebiger und einladender als unbeständige. Der Frühling tritt hier spät ein und gewährt wegen seiner häufigen, oft den Gärten, Feldern und Wäldern schädlichen Fröste selten einen wonnigen Character. Denn weder der Mai noch Juni ist frei von Schneefällen, von Reif und Frost.*) Zu dem kommt, daß die Sommerzeit bis auf die von Periode zu Periode eintretenden ganz dürren oder ganz nassen Jahre unbeständig ist, wodurch die Sommerfrüchte spät reifen und die Gartenfreuden verkümmert werden. Legen sich die Nachwirkungen des Winters tief in das Frühjahr, selbst noch in den Sommer hinein, so wird dann überhaupt Aussaat, Wachsthum, Reife und Ernte nicht allein weit in den Sommer hinausgerückt, sondern auch zugleich auf drei Monate zusammengedrängt. Erst die hochsommerlichen Tage und die anfänglichen Herbstwochen werden durch den Bestand des Wetters, durch die Ruhe und Milde der Luft und durch die Klarheit des Himmels lieblich und entschädigen den Bewohner für die Leiden in der übrigen Jahreszeit. Diese heiteren Tage bilden den sogenannten fadenspinnenden alten Weibersommer. Wenn freilich dieser Zeit die warmen Nächte und Morgen fehlen, so sind die letzteren überhaupt im Oberlande eine seltene Erscheinung, denn zu häufig schlägt mit dem Untergange der Sonne die warme Luft in empfindliche Kälte um, dies namentlich mehr in wasserreichen Mulden und Thälern als auf den trockenen Höhen, die zwar dem Zutritt der Winde ausgesetzt, aber auch andererseits von den Thalnebeln und kalten, oft eisigen Dünsten der Thäler verschont sind. Jemehr Seitenthäler übrigens in eine Mulde oder in ein Thal einmünden, desto stärker wird dann ihre Abkühlung nach warmen Tagen. Im Ganzen haben aber die Mulden und Buchten des Plateaus eine mildere Temperatur als die Hochflächen, weil deren Ränder Schirmdächer der Kessel und Thäler gegen die Winde sind und eben deshalb haben die oberländischen Orte meist in den Pfannen und nicht auf den Hochwellen ihren Anbau vollzogen. Natürlich tritt dieser klimatische Character des Oberlandes schärfer und schärfer hervor, jemehr

*)Kann schon die unterländische (geraer) Chronik manches Jahr mit spätem Lenze und mit früh eintretender Winterzeit namhaft machen, so weiß noch mehr die oberländische (tannaer) Chronik von Frösten und Schneefällen im Mai und Juni, von lang andauernden schneereichen Wintern (1740 Schlittenfahrt vom December bis in den April), daneben auch von nassen Jahren, von dürren Sommern (1590, wo viele Dörfer in Folge der Hitze abbrannten) und von heißen Nachsommern (1619 blühten im October von Neuem die Rosen) zu erzählen. Die beiden Sommerzeiten 1783 und 1784 brachten eine solche andauernde Dürre und der Sommer 1785 eine solche Nässe, daß dort wie hier die Feldfrüchte größtentheils untergingen. Selbstverständlich hat auch das Unterland in der Regel die gleichzeitigen periodischen Extreme von nassen und dürren Jahren. Wenn aber die geraer Chronik berichtet, 1756 hatte „keinen Winter, weder Frost noch Schnee und Eis“, so thut sie des Guten zu viel.

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I. Die Natur des Landes.

das Plateau ansteigt. Bei dem Allen ist die oberländische Luft durch ihre Frische und Reinheit wie Stahlluft und als solche gesund, besonders für Nerven- leidende kräftigend und epidemische Krankheiten fern haltend oder abschwächend, nur für Brust- und Lungenleidende angreifend.

Mit der Temperatur stehen in engstem Zusammenhange die periodischen Erscheinungen nicht allein der Pflanzenwelt im Blatttrieb, Aufblühen, Frucht- zeitigen und Entblättern, sondern auch die der Zugvögel und der niederen Thiergattungen. Einzelne Beobachtungen über diese Vorgänge liegen vor; Vieles ist noch zu erforschen.

Ueber das erste Aufblühen von Pflanzen haben Dr. Rob. Schmidt in Gera und Rud. Schmidt in Hohenleuben genaue Beobachtungen gemacht. Den gesammten sommerlichen Lebensproceß von mehr als 140 Pflanzen nahmen Rob. Schmidt und K. R. Müller in Gera in Verbindung mit einigen Natur- freunden in Hirschfeld und Zeulenroda ins Auge, gelangten aber nur zu voll- ständigen Resultaten über zwei Pflanzen. Die genannten Beobachtungen sind nun folgende, wobei der Monat als Nenner, der Monatstag als Zähler eines Bruches ausgedrückt ist.

In Gera

blühte: 1851. 1852. 1853. 1854. 1855. 1856. Tage der Differenz.
Viola odorata🔗 20./3. 21./4. 2./4. 19./4. 3./4. 32
Anemone nemorosa🔗 15./3. 4./4. 24./4. 8./4. 18./4. 31./3. 40
Ranunculus Ficaria🔗 15./4. 6./4. 20./4. 16./4. 19./4. 3./4. 17
Primula officinalis🔗 10./4. 24./4. 6./5. 12./4. 22./4. 18./4. 26
Ribes Grossularia🔗 15./4. 5./4. 13./5. 25./4. 2./5. 22./4. 38
Saxifraga granulata🔗 30./4. 8./5. 19./5. 9./5. 22./5. 10./5. 23
Pyrus communis🔗 15./4. 8./5. 16./5. 23./4. 19./5. 26./4. 34
Prunus domestica🔗 12./4. 17./5. 19./5. 30./4. 19./5. 8./5. 37
Prunus Cerasus🔗 12./4. 10./5. 22./5. 22./4. 27./5. 26./4. 45
Pyrus Malus🔗 24./5. 20./5. 27./5. 13./5. 27./5. 11./5. 16
Crataegus Oxyacantha 24./5. 24./5. 1./6. 20./5. 27./5. 25./5. 11
Sambucus nigra🔗 28./6. 12./6. 23./6. 17./6. 18./6. 7./6. 21

In Hohenleuben

blühte: 1853. 1854. 1855. 1856. 1857. 1858. 1859. 1860. 1861. Tage der Differenz.
Viola odorata🔗 21./4. 5./4. 14./4. 4./4. 3./4. 15./4. 28./3. 11./4. 28./3. 24
Anemone nem.🔗 29./4. 7./4. 18./4. 6./4. 4./4. 16./4. 28./3. 12./4. 28./3. 32
Ficaria verna🔗 2./5. 15./4. 28./4. 14./4. 15./4. 28./4. 8./4. 18./4. 11./4. 26
Prim. officinal.🔗 8./5. 22./4. 6./5. 25./4. 19./4. 4./5. 5./4. 30./4. 13./4. 33
Ribes grossul.🔗 16./5. 21./4. 8./5. 17./4. 18./4. 29./4. 6./4. 1./5. 12./4. 40
Saxifraga gran.🔗 22./5. 9./5. 23./5. 9./5. 14./5. 19./5. 4./5. 14./5. 13./5. 19
Pyrus comm.🔗 25./5. 4./5. 26./5. 3./5. 11./5. 12./5. 2./5. 12./5. 12./5. 24
Prun. domest.🔗 26./5. 8./5. 27./5. 10./5. 16./5. 16./5. 8./5. 13./5. 15./5. 19
Cerasus acida🔗 26./5. 3./5. 23./5. 28./4. 10./5. 13./5. 29./4. 12./5. 11./5. 31
Pyrus Malus🔗 30./5. 14./5. 31./5. 15./5. 18./5. 18./5. 14./5. 15./5. 23./5. 17
Crataeg. Oxyat. 7./6. 28./5. 5./6. 27./5. 25./5. 3./5. 26./5. 2./5. 1./6. 35
Sambuc. nigra🔗 14./6. 17./6. 18./6. 11./6. 8./6. 10./6. 7./6. 7./6. 10./6. 11
Vitis vinifera🔗 12./6. 8./7. 12./7. 25./6. 30

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🦅 Vogelzug in Gera (1859–1864) — Phänologische Analyse🦅 Bird Migration in Gera (1859–1864) — Phenological Analysis ×

🐦 Vogelzug in Gera (1859–1864)

Phänologische Beobachtungen von Ludwig Müller

🐢 🐇
❄️ Winter 🌸 Frühling ☀️ Sommer 🍂 Herbst
Mai 1861
🍂 🍁 🍂 🍁 🍂 🍁 🍂 🌸 🌺 🌸 🌺 🌸 🌺
↗️ Ankünfte 0
Anwesend 0
↘️ Abzüge 0
📋 Alle Zugvogelarten
7. Klima.

In Gera zeigte sich bei

Blattansatz. Blüthenansatz. volle Blüthe. erste Frucht. Entblätterung.
Roßkastanie🔗 20./4. 22./5. 5./6. 7./10. 29./10.
Birnbaum🔗 22./4. 9./5. 15./5. 29./8. 19./10.

Nimmt man nach Schübler auf 1000' Bodenerhöhung 8 Tage Verzögerung und umgekehrt auf 1000' Bodenerniedrigung 8 Tage früheres Eintreten der Vegetation an, so lassen sich leicht und einfach die Vegetationsverhältnisse von Gera und Hohenleuben bis auf die Entblätterung, die in der Höhe früher eintritt als in der Tiefe, verhältnismäßig auf die höheren und die niederen Stufen des Landes übertragen. Indeß dieser Maßstab ist für das Land Reuß nicht zutreffend, indem häufig schon mit 500', ja sogar mit noch geringerer Bodenerhebung ein achttägiger Unterschied, besonders bei der Reife und Ernte der Feldgewächse erfolgt. So kommen im Unterlande auf den Seitenwulsten die Gewächse zur Blüthe und Reife um 8—12 Tage später als im Elsterthal, obschon der Unterschied in der Meereshöhe dieser Striche nicht 500' erreicht. Noch auffälliger zeigt sich dies im Oberlande, wo unter Andern Raila seine Ernte acht Tage früher hat als Zollgrün und wiederum dieser Ort acht Tage eher als Tanna und Mielesdorf und doch liegt Raila nur gegen 200' tiefer als Zollgrün und dieses sogar nur 100' Fuß tiefer als Tanna. Hier übt die Beschaffenheit, Stellung und Neigung, die mehr oder minder gebuchtete Lage und die größere oder geringere Feuchtigkeit des Bodens einen großen Einfluß auf die Temperatur und dadurch auf die Pflanzenwelt aus. Ähnliche Verhältnisse wie zwischen Raila, Zollgrün und Tanna finden sich allüberall im Oberlande.

Über Ankunft und Abzug der Wandervögel hat nur Gera durch Ludwig Müller von 1859—1864 genaue Beobachtungen erhalten, aus denen hervorgeht, daß die Periode der Ankunft von dem letzten Drittel des Januar bis Mitte Juni und die des Wegzuges vom Beginn des August bis Mitte November reicht, daß somit jene im Allgemeinen mit dem Beleben, diese mit dem Absterben der Natur zusammenfällt und daß im Ganzen je später die Ankunft, desto früher der Wegzug erfolgt. Von den beobachteten Zugvögeln sind nur diejenigen, bei denen Ankunft und Abzug angegeben ist, in die folgende Tabelle aufgenommen.

Zugvögel. 1859. 1860. 1861. 1862. 1863. 1864.
Ank. Abz. Ank. Abz. Ank. Abz. Ank. Abz. Ank. Abz. Ank. Abz.
Lerche🔗 15./2. 10./11 1./3. 30./10. 7./2. 1./11. 7./2. 16./11. 29./1. 20./10. 20./1.
Bachstelze🔗 15./3. 12./10. 4./3.
Hausschwalbe🔗 21.-26./4. 4./10. 8.-10./4. 15./10. 12.-15./4.
Schwarzk. Grasmücke🔗 3./5. 26./9. 19./8.
Turmschwalbe🔗 4./5. 2.-9./5. 12./8. 26./4. 5./8. 3./5. 7./8. 26./4. 3./8.
Pirol🔗 1./6. 12./5. 11./5. 16./8. 25./4. 16./8. 5./5. 15./8. 4./5.
Kukuk🔗 16./4. 5./5. 1./5. 13./8. 1./4. 20./8. 27./4. 19./8. 27./4.
Mehlschwalbe🔗 4./5. 13./5. 15./9. 29./4. 15./9. 3./5.
Ringeltaube🔗 18./9. 13./3. 7./3.
Rauchschwalbe🔗 29./9. 11./4. 20./9. 11./4. 19./8. 12./4. 1./10.
Hausrothschwanz🔗 24./3. 25./3. 8./10. 13./3. 6./10. 24./3. 11./10. 19./3.
Staar🔗 9./10. 17./2. 2./2. 30./1.
Waldschnepfe🔗 3./4. 12./3. 9./10. 16./3. 28./10. 11./3.
Weiße Bachstelze🔗 4./3. 28./10. 26./2. 15./10. 5./3. 13./10. 5./3. 3./10.
Meteorologische Auswertung (Seite 62) – 1 Grafik(en) ×

Windverhältnisse zu Gera 1856–1865

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I. Die Natur des Landes.

Die Windströmungen zerfallen ihrem näheren oder weiteren Ursprunge nach in örtliche und allgemeine und letztere wieder in eine obere und untere Strömung. Die Windfahne zeigt nur die untere, nie die obere Strömung an. Wasser und Wald, Höhe und Tiefe einer Gegend rufen in ihr für die einzelnen Thäler und Höhen Wärmeunterschiede und dadurch locale, an kleine Räumlichkeiten gebundene Luftströmungen hervor, die fast täglich gelinder oder stärker coursiren, je nachdem die allgemeine Strömung schwächer oder stärker auftritt und die Temperatur sich dem Jahresmittel oder den extremen Graden nähert. Die allgemeinen Luftströmungen, welche durch die ungleiche Erwärmung der Erde entstehen, schreiten mit größerer Kraft und längerer Ausdauer über weite Landräume einher und üben auf die Witterung den größten Einfluß aus, wenn auch ihre Richtung, Stärke und Temperatur durch die Lage eines Ortes und seiner Umgegend fühlbare Abänderungen erleiden. Nur über die Richtung der unteren allgemeinen Windströmung, nicht aber über ihre Stärke und nicht über die obere Strömung hat man an zwei Stellen des Landes, zu Gera und zu Hohenleuben, dort von E. Kratzsch und Rob. Schmidt, hier von Alberti, Beobachtungen gemacht. Die für Gera, auf 16 Richtungen der Windrose angestellt, sind hier dadurch auf die acht Hauptrichtungen derselben zurückgeführt, daß NON. und NWN. mit N., OSO. und ONO. mit O., SOS. und SWS. mit S., WSW. und WNW. mit W. verbunden wurden.

Für Gera ergaben die Beobachtungen von 1856—1865:

N. NO. O. SO. S. SW. W. NW.
Januar 121 67 47 29 458 158 124 95
Februar 175 53 80 22 321 112 135 99
März 186 66 91 33 262 137 162 149
April 240 112 103 31 173 121 162 133
Mai 204 113 189 39 199 83 168 106
Juni 231 71 138 42 128 79 192 177
Juli 177 62 62 39 175 154 249 183
August 173 65 119 39 189 147 211 137
September 141 92 91 57 262 136 117 97
October 140 67 120 35 349 175 159 78
November 182 74 88 30 313 182 143 70
December 133 37 40 24 353 136 164 114
Summa 2103 879 1168 420 3182 1620 1986 1438
Jahresmittel 210,3 87,9 116,8 42,0 318,2 162,0 198,6 143,8
Meteorologische Auswertung (Seite 63) – Windverhältnisse im VogtlandMeteorological Analysis (Page 63) – Wind Conditions in the Vogtland ×

Windverhältnisse: Hohenleuben, Schleiz, RothenackerWind Conditions: Hohenleuben, Schleiz, Rothenacker

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7. Klima.

Für Hohenleuben in sieben Jahren:

N. NO. O. SO. S. SW. W. NW.
Januar 18 21 41 6 37 124 Max. 155 63
Februar 20 26 13 Min. 2 Min. 34 84 212 Max. 33
März 20 37 95 Max. 12 40 71 117 Min. 73
April 38 34 86 18 Max. 46 38 134 56
Mai 30 38 89 14 53 34 Min. 162 40
Juni 26 36 49 7 27 Min. 35 181 89 Max.
Juli 40 19 48 7 34 62 190 65
August 29 26 58 3 43 40 205 61
September 54 Max. 11 Min. 57 5 57 44 161 61
October 12 Min. 30 44 11 43 80 211 34
November 25 19 53 13 58 Max. 53 200 29 Min.
December 25 46 Max. 31 12 32 90 192 37
Summe 337 343 664 110 504 755 2120 641
Jahresm. 48,1 49,0 94,8 15,7 72,0 108,0 302,8 91,6

Für Schleiz in zwei Jahren (1866 und 1867) von Dr. Mauke:

N. NO. O. SO. S. SW. W. NW.
Januar 4 6 4 32 115 22 3
Februar 2 5 7 7 21 76 37 9
März 12 22 13 15 38 43 16 27
April 3 18 11 17 22 52 50 7
Mai 23 39 9 12 16 51 18 26
Juni 4 44 8 11 20 44 23 26
Juli 6 0 7 3 20 77 39 32
August 8 25 2 8 25 68 30 20
September 10 4 13 7 33 65 31 17
October 7 3 10 14 25 70 48 9
November 5 3 1 2 18 67 76 8
December 22 6 1 1 15 80 53 8
Summe 102 173 88 101 285 808 443 192
Jahresmittel 51 86,5 44 50,5 142,5 400,4 221,5 96

Für Rothenacker 1867 vom Lehrer G. Oswald:

N. NO. O. SO. S. SW. W. NW.
Januar 7 4 6 6 23 33 11 6
Februar 2 0 3 2 28 19 25 5
März 7 18 13 15 21 10 6 3
April 3 1 1 4 12 18 40 10
Mai 13 12 13 7 15 9 15 10
Juni 21 2 13 3 12 13 15 10
Juli 2 2 0 0 9 26 40 13
August 21 5 14 6 14 20 8 5
September 6 3 5 3 25 25 19 10
October 2 1 0 7 26 30 18 9
November 14 0 2 0 10 16 34 14
December 12 22 0 6 13 19 11 10
Summe 110 70 70 59 208 238 242 105
Jahresmittel 110 70 70 59 208 238 242 105
Meteorologische AuswertungMeteorological Analysis ×

Grade der Bewölkung in Gera (1783–1792)Degrees of Cloud Cover in Gera (1783–1792)

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I. Die Natur des Landes.

Diesen Resultaten zufolge herrscht in Gera der Südwind, auf den oberländischen Punkten der Westwind vor. Da die letzteren Punkte eine mehr freie Plateaulage haben, so erleiden bei ihnen die Winde theilweise gar keine, theilweise nur eine geringe Ablenkung, in Gera dagegen werden sowohl vielfach die Strömungen von SO. und SW., als auch die von NO. und NW. bei ihrem Eintritte ins Elsterthal, jene in die Richtung von S., diese in die von N. gebeugt. Eben daher erklärt sich, daß, wenn man die vier Kardinalrichtungen der Windrose bezüglich dieser Orte mit einander vergleicht,

N. O. S. W.
Gera 210,3 116,8 318,2 204,6
Hohenleuben 48,1 94,8 72,0 302,8
Schleiz 51 44 142 221
Rothenacker 110 70 208 242

in Gera der Süd- und Nordwind, im Oberlande der Westwind und daneben in Schleiz und Rothenacker der Süd-, in Hohenleuben der Ostwind vorherrscht.

Grade der Bewölkung oder die Ansicht des Himmels.

Für Gera ergab sich

in 10 Jahren in 1 Jahr
bedeckt gemischt hell bedeckt gemischt hell
Januar 88 184 38 8,8 18,4 3,8
Februar 74 146 60 7,4 14,6 6,0
März 65 204 41 6,5 20,4 4,1
April 42 211 47 4,2 20,1 4,7
Mai 44 222 44 4,4 22,2 4,4
Juni 27 237 36 2,7 23,7 3,6
Juli 29 250 31 2,9 25,0 3,1
August 20 227 63 2,0 22,7 6,3
September 33 213 54 3,3 21,3 5,4
October 48 185 77 4,8 18,5 7,7
November 97 167 36 9,7 16,7 3,6
December 96 186 28 9,6 18,6 2,8
Summe 663 2432 555 66,3 243,2 55,5
Meteorologische AuswertungMeteorological Analysis ×

Grade der Bewölkung in Schleiz und HohenleubenDegrees of Cloud Cover in Schleiz and Hohenleuben

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7. Klima.
Für Hohenleuben Für Schleiz
in 15 Jahren in 1 Jahr in 2 Jahren in 1 Jahr
bed. gem. hell bed. gem. hell bed. gem. hell bed. gem. hell
Januar 266 67 132 18 4 9 24 29 9 12 14,5 4,5
Februar 206 66 148 14 4 10 25 21 10 12,5 10,5 5
März 272 48 145 18 3 10 19 36 7 9,5 18 3,5
April 242 47 161 16 3 11 23 26 12 11 13 6
Mai 174 54 237 11,6 3,6 15,8 15 37 10 7,5 18,5 5
Juni 200 95 155 13 7 10 16 22 22 8 11 11
Juli 200 83 183 13 6 12 37 14 11 18,5 7 5,5
August 154 87 224 10 6 15 22 28 12 11 14 6
Septbr. 183 53 214 12 4 14 28 24 8 14 12 4
October 167 97 201 11 7 13 15 17 32 7,5 8,5 16
Novbr. 240 63 147 16 4 10 43 11 4 21,5 5,5 2
Decbr. 307 64 94 21 4 6 24 28 10 12 14 5
Summe 2611 824 2041 173,6 54,9 135,8 290 293 147 145 146,5 73,5

Rothenacker hat als Mittel einer zweijährigen Periode*)
160 bedeckte, 170,5 gemischte und 34,5 helle Tage.

Vergleicht man den Himmelscharacter der vorgenannten Orte einerseits unter sich und andererseits mit den mitteldeutschen Punkten Hof und Arnstadt, so erhält man folgende Tabelle:

bedeckt gemischt hell
Gera . . . . . . . . . 66,3 243,2 55,5
Hohenleuben . . . . . . . 173,6 54,9 135,8
Schleiz . . . . . . . . . 145 146,5 73,5
Rothenacker . . . . . . . 160 170,5 34,5
Hof . . . . . . . . . . . 137 113 115
Arnstadt . . . . . . . . . 152 117 96

Die auffällig starken Abweichungen der inländischen Beobachtungsorte sowohl untereinander als auch von den beiden ausländischen Stationen erklären sich wohl daher, daß nicht überall die gleiche Abgrenzung des Trüben, Gemischten und Heiteren eingehalten ist. Am stärksten tritt die Abweichung in der Rubrik des Gemischten zwischen Hohenleuben mit 54,9 und Gera mit 243,2 Tagen und dann in der Rubrik des Hellen auf, wo Rothenacker 34,5 und Hohenleuben 135,8 heitere Tage als Beobachtungsresultat ansetzt.

Mit den zu Gera, Hohenleuben, Schleiz und Rothenacker beobachteten meteorologischen Erscheinungen, welche Nebel, Regen, Schnee, Reif und Gewitter betreffen, hat man zugleich auf der ersteren Station noch andere Vorgänge am

5

*)Vom Juni 1866 bis Ende Mai 1868.

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I. Die Natur des Landes.

Himmel, die zum Theil in gar keiner Beziehung zu den klimatischen Verhältnissen stehen, in den Kreis der Beobachtung gezogen. Da dieselben indeß für die enge und weitere Ortskunde ein allgemeines Interesse haben, so sind sie in der folgenden Tabelle mit verzeichnet.

Gera hatte von 1856—1867: 1859-65

Nebel. Regen. Schnee-Graupen. Reif. Gewitter. Sturm Höhen-rauch. Sonnen-höfe. Mond-höfe. Zodiakal-licht. Nord-licht.
Januar 64 79 82 52 2 23 6 16 2 2
Februar 53 82 Min. 75 76 1 28 1 10 9 11
März 59 128 95 80 10 32 2 16 10 8 2
April 45 131 40 77 18 24 14 20 7 4 3
Mai 58 180 Max. 13 16 40 6 34 31 6
Juni 43 167 4 1 57 6 17 18 1
Juli 46 169 2 1 59 17 8 9
August 37 142 58 12 10 7 1 2
Septbr. 75 133 6 11 18 10 5 13 4 2
October 134 113 6 56 6 16 11 7 6 3
Novbr. 112 106 44 71 24 5 7
Decbr. 85 92 85 80 1 31 3 12 3
Summe 811 1540 452 521 270 229 102 145 79 25 17
Mittel 67,6 128,4 37,7 43,4 22,4 19 8,5 12,1 6,6

Für Hohenleuben ergab sich als Jahresmittel (15jähriger Durchschnitt):

Nebel. Regen und Schnee. Reif.
Januar 1 14/15 9 4/15 Min.
Februar 1 2/15 11 2/15
März 4 1/5 10 7/15 9
April 3 3/5 10 3
Mai 1 14/15 10 3/5 1/3
Juni 4/5 12 7/15 1/5
Juli 8/15 12 2/3 2/15
August 8/15 13 14/15
September 3 15 7/15 Max. 11/15
October 2 8/15 11 8/15 1 14/15
November 4 12 4/15 1 12/15
December 4 7/15 11 1/3 2/5
Summe 28 2/3 141 2/15 17 2/5

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7. Klima.

Für Schleiz mit zweijähriger Beobachtung *): Für Rothenacker mit zweijähriger Beobachtung **):

Nebel. Regen. Schnee Reif. Gewitter. Nebel. Regen. Schnee Reif. Gewitter.
Januar 3 13 9 15 1 24 15 30 3 0
Februar 2 14 8 20 2 14 27 8 5 1
März 4 8 13 12 0 18 19 17 7 1
April 3 19 9 6 4 6 34 7 1 2
Mai 3 13 2 5 1 14 24 3 4 12
Juni 0 10 0 0 4 7 29 0 0 6
Juli 0 28 Max. 0 0 9 2 45 Max. 0 0 6
August 0 16 0 0 6 6 27 0 0 4
Septbr. 0 16 0 0 4 9 23 0 3 3
October 10 12 2 11 0 19 19 4 12 0
Novbr. 4 11 9 6 0 20 22 17 4 0
Decbr. 3 6 Min. 18 19 0 14 7 Min. 34 4 0
Summe 32 166 70 94 31 153 291 120 43 35
Mittel 16 83 35 47 15,5 76,5 145,5 60 21,5 18,5

Zusammenstellung der gemeinsamen Beobachtungen der vier Orte:

Nebel. Regen. Schnee. Reif. Gewitter.
Gera 67,6 148,4 37,7 43,4 22,3
Hohenleuben . . . . 28,6 141,1 17,4
Schleiz . . . . . . 16 83 35 47 15,5
Rothenacker . . . . 76,5 145,5 60 21,5 18,5

Auch die Resultate dieser Beobachtungen bezüglich der atmosphärischen Niederschläge gehen weit auseinander, ja selbst im Einzelnen zeigt sich keine geringe Verschiedenheit, wie unter Andern das Maximum des Regens in Gera in den Mai, in Hohenleuben in den September, in Schleiz und Rothenacker in den Juli, dagegen das Minimum in Gera in den Februar, in Hohenleuben in den Januar und in Schleiz und Rothenacker in den December fällt.

Was die Gewitter betrifft, so haben wissenschaftliche Untersuchungen für die nördliche Breite von 50—52 1/2° die Zahl 19 als jährliche Durchschnittszahl festgestellt. Ein mit dieser Zahl nahe übereinstimmendes Resultat hat Rothenacker, ein geringeres Schleiz und ein höheres Gera. Die geraischen Beobachtungen zeigen übrigens eine starke Differenz in der Zahl der jährlichen Gewitter. Das Maximum hatte 1861 mit 45, das Minimum 1864 mit 10 Gewittern. Nach Monaten vertheilt, kamen für Gera Gewitter auf:

Jan. Febr. März. April. Mai. Juni. Juli. Aug. Sept. Oct. Nov. Dec.
1853-1858 3 7 23 32 22 36 9 2 2
1859-1867 2 1 10 18 31 49 44 41 10 4 1
Summe 2 4 10 25 54 81 66 77 19 6 3
*)1866 und 1867.
**)Vom Juni 1866 bis Mai 1868.

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I. Die Natur des Landes.

Demnach erscheint der November frei von Gewittern, der Juni, Juli und August als Hochfluthzeit, der Januar, Februar und December als Ebbe, März, April und Mai als Anwachsen und September und October als Rückgang der Gewitter. Nach den Windrichtungen traten von 134 Gewittern (1853 bis 1858) ein

bei: N. NO. O. SO. S. SW. W. NW.
in Gera 23 5 10 7 34 7 37 11
von 47 Gewittern
in Hohenleuben . . 3 2 6 2 5 1 22 6

Somit ziehen im Unterlande und im Oberlande die meisten Gewitter aus dem Westen heran. Vergleicht man mit dem Norden und Süden die gesammten West- und Ostrichtungen, so erhält man

für Gera: für Hohenleuben:
W. 55 29
O. 22 10
N. 23 3
S. 34 5

Aus der Tabelle des Höhenrauches wird ersichtbar, daß die größte Zahl der beobachteten Erscheinungen in die Zeit fällt, wo in der Niederung von Nordwestdeutschland der Moorboden „abgeschwellt“, d. h. verbrannt und dadurch in Dungasche verwandelt wird. Der dabei entstehende Moorrauch (Haarrauch) von brenzlichem, braunkohlenartigem Geruche wird in der Regel mit Nordwestwind über Thüringen und über das Voigtland zwar als eine lästige Frühlingsplage, doch ohne Einwirkung auf das Wetter und ohne Nachtheil für Pflanzen, Thiere und Menschen getrieben, wie denn keineswegs dieser Rauch, sondern das in den Frühling fallende Eisschmelzen im nordwestlichen und nördlichen Europa Ursache der Temperaturerniedrigung zur Zeit der Tage Mamertus, Pancratius und Servatius ist. Von dem Moorrauch muß aber der gewöhnlich im Hochsommer eintretende, geruchlose Dunst (Duft) unterschieden werden, welcher die Höhen bei heiterem Himmel mit einem dünnen bläulichen Flor umzieht, die Fernsichten verhindert und den Namen Höhenrauch (Höhrauch) führt. Zur Zeit ist sein Entstehen noch ein Räthsel. Die in der Tabelle vorkommenden Fälle, welche dem Frühjahre nicht angehören, sind der letzteren Klasse des Höhenrauches zuzuweisen.

Die sogenannten Wetterbäume hat Rob. Schmidt in Hohenleuben von 1853—1859 einer Beobachtung unterzogen. Von den in dieser Zeit beobachteten 299 Wetterbäumen fielen 95 in den Herbst, 82 in das Frühjahr, 77 in den Sommer und 36 in den Winter. Die Mehrzahl kam mit Westrichtung und über die Hälfte war mit Regen begleitet. Ihr Auftreten band sich an keine Tageszeit.

Die Regenmenge, die für Thüringen im Allgemeinen 21,12 par. Zoll angenommen wird, ist für Gera durch acht Jahre von Rud. Schmidt gemessen worden. Die folgende Tabelle giebt die gefundenen Hauptresultate.

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7. Klima.
Schnee. Regen. Summe der Tage. Winter. par. C.=Z. Frühling. par. C.=Z. Sommer. par. C.=Z. Herbst. par. C.=Z. Mittel. p. Z.
1860*) 54 123 177 272,50 554,50 903,59 479,50 19,35
1861 33 122 155 310,75 370,49 990,75 350,37 18,74
1862 30 116 146 499,75 691,32 1078,29 412,50 20,59
1863 13 115 128 319,28 734,00 844,11 675,95 20,98
1864 36 120 156 365,10 379,50 886,00 437,75 20,45
1865 43 93 136 312,04 795,80 829,67 344,50 20,42
1866 29 142 171 272,15 434,26 1029,25 450,75 19,32
1867 48 163 211 665,15 767,50 570,00 569,05 22,73
Mittel 35,7 124,2 160,0 377,09 590,92 891,46 465,02 20,36

Es fällt mithin für Gera die größte Regenmenge in den Sommer, die kleinste in den Winter, sonach mit dem für Deutschland gültigen Regengesetze übereinstimmend. Die jährliche Regenmenge bleibt um 0,76 pariser Zoll hinter dem allgemeinen thüringer Regenmaße zurück. Das Oberland, obschon höher gelegen, hat sicherlich wegen seines Waldreichthums eine wenn nicht größere, doch keineswegs geringere Regenmenge als Gera. Uebrigens unterliegt der durchschnittliche Regenfall im Unterlande wie im Oberlande bezüglich seiner Vertheilung bedeutenden Störungen. Wenn in trockenen Jahren das jährliche Ergebniß hinter dem Jahresmittel zurückbleibt, dagegen in nassen Jahren dasselbe übersteigt, so zeigt oft ein und dasselbe Jahr in vier bis sechs Monaten eine große Regenarmuth, die dann durch den Regenreichthum eines einzigen Monats ausgeglichen wird. Von dem gefallenen Regen wird im Allgemeinen 1/3 den Flußbetten, 1/3 der Verdunstung und 1/3 den tieferen Bodenschichten, welche die Quellen und Brunnen speisen, zugeführt. Dabei arbeiten im Haushalte der Natur Winde und Wälder zur Vermittelung des der Landschaft entsprechenden Feuchtigkeitsmaßes. Wenn jene die Verdunstung beschleunigen, so bannen diese die Feuchtigkeit an den Boden zur Sättigung für die Unterschichten und dadurch zum Segen für das Gefließ und für die Pflanzenwelt.

Ueber die Temperatur der Flüsse und Quellen fehlen noch zur Zeit ausreichend genaue Untersuchungen, weshalb eine die verschiedenen Stufen des Landes umspannende Vergleichung der Wasser- und Luftwärme gegenwärtig nicht ausführbar ist. Es hat zwar J. C. Seydel 11 Quellen in Kraftsdorf und im nahen Dessegrund durch sechs Jahre hindurch im kältesten Winter und im hohen Sommer untersucht und unter Anderm den Queckbrunnen mit 8°, die Hempelsquelle mit 8°, die Martinsquelle mit 9°, den Scheffelsbrunnen mit 8°, die Prechtsquelle mit 6 3/4° R. gefunden und außerdem wird das Brunnenwasser in Hermsdorf von Pastor Dreyhaupt in Heukewalde mit 8° und von Dr. Schmidt zu Hohenleuben der dortige, 40' tiefe Brunnen in der Herrengasse mit 8° und der döhlener Brunnen gleichfalls mit 8° R. angegeben, indeß eine durch alle Monate des Jahres durchgeführte Beobachtung liegt nicht vor. Noch weniger ist über die Quellen der höheren Stufen des Oberlandes irgend eine durchgreifend genaue Untersuchung bekannt. Nur über das Ziehbrunnenwasser in Röttersdorf liegen zwei Beobachtungen des Director Bischoff zu Lehesten vor, nach denen am 12. Mai 1868 halb 4 Uhr Nachmittags bei

*)Die Jahre sind hier von December bis December gerechnet, weshalb die weiter oben angegebenen Schnee- und Regentabellen, welche von Januar zu Januar fortschreiten, andere Zahlenresultate haben.

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7 Orte7 Places
I. Die Natur des Landes.

bewegter Luft das Wasser im obersten Dorfziehbrunnen 5 1/2° R. (Lufttemperatur im Schatten 18 1/2°, in der Sonne 23 1/2° R.) und den 27. Mai 4 Uhr Nachmittags bei ruhiger Luft das Wasser desselben Ziehbrunnens 6 1/2° R. und das des nächst abwärts liegenden 6° R. (Lufttemperatur in der Sonne 26 1/2° R.) gefunden wurde.

Auch hat Ingenieur Elsässer für das Oberland in einem so eben erschienen Aufsatze*) über die Quellen desselben die Temperatur der oberen Quellen auf 11° bis 12°, die der mittleren auf 9° bis 10° und die der unteren auf 7° bis 8° R. angesetzt, freilich dies im Allgemeinen und ohne Angabe, ob dies Resultat die mittlere Jahrestemperatur der Quellen enthalte und auf bestimmten Messungen beruhe.

8. Vegetationsverhältnisse.

Die Thal- und Bergformen haben die holdesten Wesen der Natur, die Pflanzen, zu ihrem Kleide und Anzug, dessen Farbenton, Zuschnitt und Dauer indess nicht nach den Launen der Mode wechselt, sondern nach festen Gesetzen halb an Licht und Luft des Himmels und halb an das Erdreich gebunden ist. Die Landesflora oder der Ausdruck der landschaftlichen Gewächse des Fürstenthums fällt nothwendig im Allgemeinen mit dem Vegetationskleide des übrigen Mitteldeutschlandes zusammen, da die Vertheilung des Regenfalles und die Sonnenwärme, diese beiden obersten Factoren, von denen wesentlich das Pflanzenleben abhängt, in Deutschland und besonders in Mitteldeutschland keine großen Unterschiede zeigen und überdies die Temperatur des Winters keinen Einfluß auf die heimischen Pflanzen Deutschlands ausübt, indem ihr Leben in dem Saamen oder in den Knospen ruht. Aus eben dem Grunde zeigen die beiden Theile des Fürstenthums, das Unterland und das Oberland, die zwar von einander getrennt, doch nur gering von einander entfernt und Glieder von Mitteldeutschland sind, keine großen Unterschiede in denjenigen Pflanzenarten, welche die Eigenthümlichkeit des Vegetationskleides einer Landschaft ausmachen. Nur ihre Verschiedenheit in Höhe, Klima und Bodenbeschaffenheit,**) dazu die Einbürgerung des Unterlandes in die thüringische Platte und die Annäherung des Oberlandes an Oberfranken bewirken nicht allein einzelne Besonderheiten ihrer Vegetationen unter einander, sondern bedingen auch, daß das Oberland, namentlich sein Frankenwald, Übergänge an Franken aufweist, während das Unterland fast ganz mit seiner Flora in Thüringen aufgeht. Und wiederum hat jedes der beiden Landgebiete seine besonderen bald enger bald weiter begrenzten natürlichen Bezirke, welche neben den gemeinsamen Pflanzen die Lebensbedingungen für einzelne Seltenheiten enthalten und eben dadurch sich unter einander kennzeichnen, keineswegs aber sich in dem Gesammtausdrucke ihrer Flora scheiden, weil dieser nicht von dem Einzelnen und Seltenen abhängt. Uebrigens ist das pflanzenphysiognomische Bild der Gegenwart, das man durch

*)Nachrichten über den naturwissenschaftlichen Verein in Schleiz. Vierter Bericht (1865—1868).
**)Bezüglich der Bodenbeschaffenheit ist nicht blos die geognostische und geologische, sondern zugleich auch die physikalische (Empfänglichkeit des Bodens für Licht und Wärme und Wasser, Mischung verschiedener Erdarten, Lockerheit und Gründigkeit des Bodens) ins Auge zu fassen.
8. Vegetationsverhältnisse.

Angabe der gemeinen, d. h. der in einer Gegend vorherrschenden Pflanzen gewinnt, vielfach ein anderes, ungleich freundlicheres, als es zur Zeit war, wo noch keine Menschenhand auf den Boden des Landes eingewirkt hat. Damals war der Boden nicht wie heute „Wonne und Weide“, d. h. neben dem Walde theils durch und für den Pflug und die Hacke (Scharre) gewonnenes Ackerfeld, theils für das Vieh belassenes oder zurecht gelegtes Wiesen- und Angerland und nicht mit eingeführten Pflanzen bereichert, sondern unbebaut, der eigenen Triebkraft überlassen, allüberall mit Gras, Moos, Pilz und Wald besetzt, daher von einförmigem und ernstem, selbst düsterem Ausdrucke. Zwischen den Gras- und Waldboden hat sich die Cultur eingebettet, die Gras- und Waldflächen eingeengt und den urheimathlichen Pflanzen fremde zugefügt, die theils verwildert, theils für ihr Gedeihen der dauernden Pflege bedürftig sind. Die Lichtungen, die in dies ursprüngliche Gras- und Waldland eingetrieben und unter den Benennungen Grün, Geräumde, Reuth, Au (A) zu Fluren umgestaltet wurden, enthalten den Ausdruck und den Maßstab der Gesittung, die das Land gewonnen hat. Während durch dies Werk, das die Germanen, Sorben und Deutschen vollbracht haben, die Blüthenpflanzen der Wiesen und Berggelände und die Moose, Flechten, Farn und Pilze des Waldbodens nur in der räumlichen Ausdehnung, weniger in ihrer Reichhaltigkeit Veränderungen erlitten haben, so sind dagegen die Waldungen gegen einst nicht allein auf engere Schranken zurückgeführt, sondern mehrere Baumarten als Holzbestände getilgt. Wenn noch gegenwärtig Flurlocalnamen daran erinnern, daß vordem auf diesen Stellen, wo sich heute Saatfelder ausbreiten, Waldungen von Eichen, Buchen, Eiben und Birken bestanden, so sind aber diese Baumarten nicht allein von da verdrängt, sondern sie kommen überhaupt nur noch in kleineren Beständen oder vereinzelt in den Waldungen vor. Dagegen hat die Fichte im Oberlande wie im Unterlande gegen früher eine bedeutendere Ausdehnung erhalten, weil sie zum Gedeihen weniger feuchten Boden braucht. Am meisten jedoch zeigen die mit der Menschenhand angelegten Gärten und Saatfelder den neuen Pflanzentypus. Entstammt auch noch immer die größte Zahl der heutigen Pflanzen dem alten heimischen Boden, so ist doch die Zahl der durch Ackerbauer, Gärtner und Forstmänner eingebürgerten Pflanzen an Menge und Segen nicht unbedeutend. Von der germanischen Zeit an bis in die Tage der Gegenwart geschahen absichtlich und unabsichtlich*) die Zufuhren von Pflanzen nicht allein von allen Gegenden Europas, sondern auch von allen anderen Erdtheilen. Dadurch hat das landschaftliche Pflanzenbild neben dem urheimathlichen Schmelz der Kräuterwiesen und neben dem altheimischen Grün der Wälder als neue Zuthat den farbenreichen Teppich der mit Cerealien, Klee, Raps, Flachs und Kartoffeln gesättigten Felder und die süße Wonne der mit Obst- und Zierbäumen, mit lieblichen Blumen und saftigen Gemüsen gefüllten Gärten erhalten und in sein von den Wiesenkräutern, Ackerpflanzen und Waldbäumen, den drei vorherrschend gesellschaftlich wachsenden Pflanzen, abhängiges Gepräge Wechsel und Lieblichkeit gebracht.

Eine vollständig namentliche Aufzählung der in beiden reußischen Gebieten vorkommenden Pflanzenarten ist weder möglich, weil einzelne Theile des Landes, vor Allem die höhere Gebirgsgegend, noch nicht botanisch durchforscht sind, noch auch, selbst wenn das ganze Land so sorgfältig wie der geraer Strich**) aufgeschlossen wäre, dem Raume und Zwecke einer Landeskunde entsprechend. Nur

*)Durch Flußgeschiebe und durch Waareneinfuhr.
**)Namentlich durch Dr. Robert Schmidt, Otto Müller und Chr. Seydel.

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I. Die Natur des Landes.

die Hauptzüge des bis jetzt gewonnenen Beobachtungsmaterials und auch diese blos nach den hauptsächlichsten Standorten Wasser und Land*) und in letzterer Beziehung nach Wiesen, Saatflur, Waldboden, Wald, Weg und Rain können hier als ausreichend, um ein allgemeines Pflanzenbild des Landes zu gewinnen, in Betracht kommen.

Die Phanerogamen, d. h. mit eigentlichen Blüthen begabte Pflanzen des Reußenlandes und ihre Vergleichung mit Thüringen, Franken und Deutschland giebt folgende Tabelle:

Land. Species. Dicoty- len. Monoco- tylen. Verhältniß.
Reußenland 1093 851 242 3,52 : 1
Dem Unterlande allein gehörig . 96 71 25 2,44 : 1
Dem Oberlande allein gehörig . 113 94 19 4,94 : 1
Beiden gemeinschaftlich . 884 686 198 3,46 : 1
Das Unterland im Ganzen . 980 757 223 3,39 : 1
Das Oberland im Ganzen . 997 780 217 3,59 : 1
Thüringen**) . . . . . 1421 1096 325 3,37 : 1
Franken***) . . . . . 1332 1017 315 3,23 : 1
Deutschland . . . . . 2840 2242 598 3,76 : 1

Demnach hat das Reußenland zwar nur 38,4 Procent der Species Deutschlands, dagegen steht es den beiden mitteldeutschen Ländern Thüringen und Franken nahe, indem es nur 328 Species weniger hat als Thüringen und sogar 239 weniger als Franken. Wichtig für die Vergleichung der beiden reußischen Landesgebiete, des Unterlandes und des Oberlandes, sind die jedem einzelnen allein zustehenden Phanerogamen, weshalb ihr Verzeichniß hier gegeben wird. Im Unterlande (und nicht im Oberlande) finden sich ausschließlich folgende Pflanzen†):

Acer Pseudoplatanus. Rosa cinnamomea.
Clematis Vitalba. - pumila.
Myosurus minimus. - gallica.
Ranunculus Lingua.††) Crataegus monogyna, Jcq.
Corydalis solida, Sm. Sempervivum soboliferum, Sims.
- pumila,†††) Host. Silaus pratensis, B.
Conringia orientalis, L. Seseli annuum.
Dianthus superbus. Laserpitium pruthenicum.
Lepigonum rubrum, W. Galium tricorne, With.
Geranium phaeum. Scabiosa ochroleuca.
Coronilla varia. Inula britannica.
Potentilla Fragariastrum, Ehrh. Pulicaria dysenterica, Grtn.
Rosa pimpinellifolia. Helichrysum arenarium, DC.

*)Specialsflorenwerke müssen genauer bei dem Wasser stehendes und fließendes Wasser und dessen Ufer, beim Land Hoch- und Niederwald, lichten und gedeckten Waldboden, Weideland und Trift, Felsstriche und Gebüsch, Wiesen und Aecker, Hecken, Wege, Dämme, Schutthaufen, Mauer und Dach als Standorte eigenthümlicher Floren unterscheiden.
**)Nach Schachtendal.
***)Nach der Bavaria.
†)Die nicht besonders bezeichneten Namen sind die Linneischen.
††)Angeblich auch bei Plothen.
†††)Bei Köstriz, sonst nicht in Thüringen.
8. Vegetationsverhältnisse.
Artemisia Absynthium. Hyssopus officinalis.
Doronicum Pardalianches. Melittis Melissophyllum.
Matricaria discoidea, DC. Ajuga Chamaepitys, Schr.
Rudbeckia laciniata. Teucrium Scordium.
Solidago canadensis. Lysimachia punctata.
Cineraria spathulifolia, Gml. Hottonia palustris.
- campestris, Retz. Amaranthus Blitum.
Senecio paludosus. - retroflexus.
Echinops sphaerocephalus. Parietaria erecta, M. u. K.
Echinospermum Lappula, Lehm. Orchis fusca, Jacq.
Centaurea paniculata. - ustulata.
- calcitrapa. - coriophora.
Picris hieracioides. Anacamptis pyramidalis, R.
Podospermum laciniatum, DC. Ophrys muscifera, Huds.
Hypochoeris maculata. - apifera, Huds.
Crepis foetida. Cephalanthera pallens, R.
Campanula cervicaria. - ensifolia, R.
Ledum palustre. - rubra, R.
Pyrola chlorantha, Sw. Neottia Nidus avis, Rich.
- media, Sw. Cypripedium Calceolus.
Apocynum Venetum (zweifelhaft). Tulipa sylvestris.
Gentiana ciliata. Fritillaria Meleagris.
- cruciata. Anthericum ramosum.
Asperugo procumbens. Ornithogalum umbellatum.
Lithospermum purpureo-coeruleum. - nutans.
Verbascum phlomoides. Allium saxatile, Sternb.
Scrophularia aquatica. - rotundum.
- vernalis. Muscari botryoides, Mill.
Antirrhinum Orontium. Blysmus compressus, Panz.
Linaria arvensis. Carex maxima, Sc.
- Elatine, Mill. Andropogon Ischaemon.
- spuria, Mill. Panicum miliaceum.
Orobanche Galii, Dub. Corynephorus canescens, B.
Pulegium vulgare, M. Triodia decumbens.
Salvia glutinosa.

Ausschließlich im Oberlande und nicht im Unterlande kommen vor:

Pulsatilla vulgaris, Mill. Cardamine hirsuta.
Epimedium alpinum. Dentaria bulbifera.
Ranunculus polyanthemos. Erysimum crepidifolium, Rb.
- paucistamineus, Tsch. - cheiranthoides.
- Philonotis,*) Ehrh. - lanceolatum, Rb.
Aconitum variegatum. Lunaria rediviva.
Nymphaea alba. Subularia aquatica.
Nuphar luteum,*) Sm. Thlaspi alpestre.
Barbaraea arcuata, Rb. Lepidium campestre, RBr.
Arabis brassiciformis, Wallr. Hutchinsia petraea, RBr.
- arenosa, Scop. Viola stagnina, Kit.
- Halleri. Drosera longifolia.
*)Zweifelhaft, obschon als vorkömmlich angegeben.
I. Die Natur des Landes.
Drosera intermedia, Heyn. Lonicera nigra.
Polygala Chamaebuxus. Asperula cynanchica.
Dianthus caesius, Sm. Petasites albus, Gärtn.
- Seguierii, Vill. Aster alpinus.
Silene Chlorantha, Ehrh. Achillea tanacetifolia, All.
Radiola linoides, Gm. Centaurea montana.
Malva moschata. Arnoseris pusilla, Gärtn.
Hypericum pulchrum. Lactuca perennis.
Geranium silvaticum. Campanula Rapunculus.
- sanguineum. Pyrola umbellata.
Erodium moschatum, LHer. Gentiana verna.
Sarothamnus scoparius, Koch. Polemonium coeruleum.
Cytisus nigricans. Cynoglossum montanum, Link.
Trifolium ochroleucum. Myosotis caespitosa, Schltz.
Spiraea opulifolia. - sparsiflora, Mik.
Geum intermedium, Ehrh. Gratiola officinalis.
Comarum palustre. Digitalis purpurea.
Potentilla canescens, Bess. Veronica prostrata.
- norvegica. - spuria.
Cotoneaster vulgaris, Lindl. Teucrium Chamaedrys.
Epilobium alpinum, Aut. Pinguicula vulgaris.
Circaea intermedia, Aut. Utricularia minor.
- alpina. Rumex maritimus.
Trapa natans. Thesium pratense, Ehrh.
Montia rivularis, Gm. - alpinum.
Sedum purpurascens, Koch. Orchis sambucina.
- reflexum. Acorus Calamus.
- album. Herminium Monorchis, RBr.
- vilosum. Listera cordata, RBr.
Saxifraga tridactylites.*) Corallorhiza innata, RBr.
- caespitosa. Gagea saxatilis, Koch.
Pimpinella nigra, W. Calla palustris.
Bupleurum falcatum. Rhynchospora alba,*) Vahl.
Oenanthe fistulosa. Cladium Mariscus, RBr.
Archangelica officinalis, Hoffm. Schoenus nigricans.
Peucedanum Cervaria, Cus. Scirpus ovatus, Rth.
- officinale. Carex filiformis.
Meum athamanticum, Jacq. - Schreberi, Schrk.
Laserpitium latifolium. Agrostis Halleriana.
Imperatoria Ostruthium. Melica ciliata.
Orlaya grandiflora,*) Hoffm. Poa spectabilis.
Myrrhis odorata. Subularia aquatica.
Chaerophyllum aureum. Elatine Alsinastrum.
Sambucus Ebulus. Cyperus flavescens.
Lonicera Diervilla.

An blüthenlosen Pflanzen oder Kryptogamen besitzt das Fürstenthum mit Ausschlusse von 78 Varietäten 658 und zwar von den niederen Kryptogamen 200 Laubmoose, 60 Lebermoose, 131 Flechten, 101 Algen und 140 Pilze,

*)Zweifelhaft, obschon als vorkömmlich angegeben.

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8 Vegetationsverhältnisse.

zusammen 42 Genera (Franken 44, Deutschland 63) und von den gefäßführenden Kryptogamen 26 Farn, Schachtelhalme und Bärlappen. Die bei weitem größere Zahl der Kryptogamen gehört dem Oberlande an.

Aus dem Angegebenen geht hervor, daß das Oberland eine etwas reichere und mehr specifische Flora vor dem Unterlande voraus hat, dies nicht nur in der größeren Zahl seiner besonderen Phanerogamen und Kryptogamen, sondern auch darin, daß mehrere der beiden Gebieten gemeinschaftlichen Pflanzen spärlich im Unterlande, verbreiteter im Oberlande getroffen werden. Dazu kommt, daß das Oberland drei in Deutschland seltene oder gar nicht vorkömmliche Pflanzen aufweisen kann, das Unterland dagegen nur ein einziges Exemplar dieser Art. Im Oberlande finden sich nämlich Gentiana verna bei den Hainteichen unweit Schleiz, Achillea tanacetifolia häufig bei Heinrichsruh und Lonicera Diervilla, L. im Park von Heinrichsruh, wahrscheinlich einst angepflanzt, jetzt gänzlich verwildert. Von diesen drei Pflanzen kommt die erste nur in Süddeutschland, die zweite in den Voralpen und die dritte in Sibirien und in Kanada vor. Die im Unterlande sich vorfindende Seltenheit ist ein Apocynum, das im Küchengarten bei Untermhaus verwildert wächst und sonst nicht in Deutschland, nur in Nordamerika heimisch ist. Zwar wurde 1862 eine nur im mährischen Gesenke vorkommende Korbblüthe (Telekia speciosa, Baumg.) unter räthselhaften Umständen einmal an der Elster bei Gera getroffen, aber seitdem nicht wieder, weshalb sie nicht als stetig unter die Seltenheiten des Unterlandes gerechnet werden kann.

Das Unterland, luftmilder und humusgründiger, aber räumlich kleiner und an Bergformen, Teichen und Sümpfen bedeutend ärmer als das Oberland, hat, sieht man bloß auf die geognostischen Verhältnisse, vorherrschend eine Bunt- sand- und Zechsteinvegetation und nur strichweise eine Flora auf Grauwacke, Rothliegendem und Lehm und auf Dammerde und Torf in Thälern und Mulden. Ist nun auch die Flora im Elsterthal und in mehreren Nebenmulden durch Mischung, Gründigkeit und Feuchtigkeit des Bodens aus einer beschränkten Artenzahl zu einer reicheren erweitert, so werden doch im Ganzen die Pflanzen wichtiger Bodenunterlagen, die hier fehlen, nicht ersetzt, daher nirgends im Unterlande eine characteristische Vegetation oder nirgends eine Flora, die sich von dem Hauptgepräge der anstoßenden thüringischen Gauen unterscheidet. Wasser- und Sumpfpflanzen sind aus Mangel an schleichenden Gewässern, an Teichen und Mooren auf eine geringe Zahl beschränkt. Kolben- und Schilf- rohr, Binsen und Wasserlinsen, Wassermoose, Hohlzungen, Hahnenfuß, Wasser- stern, Tausenblatt, Calmus, Wasserviolen, Glanzgras, Schwertlilien, Froschlöffel, Pfeil- und Saamenkraut, Limnochloen und blüthenlose Algen finden sich hier am Wasser, auf Teichen und auf Geschiebebänken wie überall in Thüringen. Bezüglich der Wiesen ist zwar der Unterschied von Bedeutung, ob sie einen trockenen oder einen nassen Boden, mehr oder minder Dammerde, Sand oder andere Erdarten zur Unterlage haben oder ob sie auf besonnten Hochflächen oder in Thalsohlen und an Thalgeländen liegen, doch gilt für das Unterland allgemein das Gesetz, daß bei ihnen die ächten Gräser in erster und die Ried- gräser in zweiter Linie stehen und außerdem, daß die hochhalmigen Gräser der zwei- und dreischürigen Thalwiesen mit der wenn auch im Ganzen nur um einige hundert Fuß aufsteigenden Höhe des Bodens mehr und mehr in kurze Gräser übergehen, welche die einschürigen trockenen Wiesen der Hochrücken bilden. Selbst die feuchten Wiesen der Hochmulden, wie an der Aga, haben nicht den hochgrasigen Wuchs als die Wiesen der tieferen Thäler. Immerhin aber ändert sich das Theater der Pflanzen im Allgemeinen von der Tiefe

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I. Die Natur des Landes.

nach der Höhe hin nur allmälig, dies theils durch Verminderung des Gedeihens constanter Arten, theils durch Ausscheiden und Zutritt einzelner Arten. Zwischen den tiefer gelegenen feuchten Wiesen mit ihren Carexarten, Gramineen, wohlriechenden Orchideen, Veilchen, Weidenröschen und Distelarten und ihrem Bitterklee, Vergißmeinnicht, Läusekraut, Hahnenfuß, Habichtskraut, Einblatt, Weiderich, Wiesenknoterich, gewöhnlichem Schilf und der Sumpfdotterblume und zwischen dem Waldboden mit seinen Moosen, Schwämmen, Pilzen, Farn und Ginstern, seinen Heidel-, Sumpf-, Preißel-, Moos- und Erdbeeren, seinem männlichen und braunblüthigen Knabenkraut, seinem Bergklee, Bilsenkraut, Birnkraut, Waldwindröschen, Tormentill, Gnaphalium sylvaticum und seiner rauhen Nelke (Dianthus Armeria), seiner Kreuzblume, Eberwurz, Fliegenwurz, Walddistel und Nardus stricta liegen als botanische Glieder die mehr trockenen Thalwiesen und grünen Hügelgelände mit ihren ächten Wiesen- und ihren Riedgräsern, mit ihrem Löwenzahn (der Prachtblume des Lenzes), ihren Aprilkindern, dem Bisam- und Benedictenkraut und der Frühlingszeitlose, ihrem Wiesenaugentrost, Wiesenziegenbart, kleinen Teufelsgüldenkraut und gemeinen Kümmel, mit ihren Schlüsselblumen, Ranunkeln und Kuckuckslichtnelken und mit ihrer pfirsichblättrigen Glockenblume, ihrer Becherblume, Wiesenkresse und gemeinen Kreuzblume; die Torfwiesen mit Riedgräsern, Binsen, Moosen, Torfblumen, Wollgras und Parnassia; endlich die sammtgrünen Matten der sonnigen Hochflächen mit ihren Katzenpfötchen, ihrem Bergklee, Ruchgras und Quendel.

Unter den gemeinen Pflanzen der grünen Flächen treten übrigens manch vereinzelte, sehr seltene auf. So kommt von den Phanerogamen das Bergwolverlei nur sporadisch bei Frankenthal vor, Geranium sylvaticum bei Tinz, Matricaria discoidea bei Köstritz, Ranunculus Lingua bei Zwötzen, Aconitum Lycoctonum (Wolfseisenhut) an der Cosse, Teesdalia nudicaulis bei Debschwitz, Trifolium spadiceum bei Dürrenebersdorf, Coronilla varia bei Langenberg, Vicia dumetorum und Vicia angustifolia in der Kerbe, Peplis Portula (Afterquendel) bei Ernsee, Scrophularia vernalis im Park zu Köstritz, Teucrium Scordium bei Dürrenebersdorf, Anagallis coerulea bei Gera, Amarantus Blitum (gemeiner Fuchsschwanz) auf dem alten Markte, Parietaria erecta bei Pforten, Orchis coriophora bei Gera und Mühlsdorf, Ophrys muscifera bei Osterstein, Cypripedium Calceolus am Hainberg, bei Langenberg und Hartmannsdorf, Iris sibirica bei Pforten; an Kryptogamen Bruchia palustris (Sumpffaulköpfchen) im Martinsgrund, Ephemerella pachycarpa bei Frankenthal, Orthotrichum pallens bei Kaimberg, Neckera pennata bei Ernsee, Lecidea sanguinaria hinter Pöppeln, Fissidens incurvus bei Windischenbernsdorf, Hypnum sylvaticum bei Ernsee, Hypnum ruscifolium zwischen Saara und Hundhaupten, Hypnum populeum am Hainberg, Hookeria lucens in der Kerbe, Leskea im Köstritzer Park, Mnium rostratum bei Windischenbernsdorf, Weisia crispula bei Frankenthal, Ephemerum patens bei Zwötzen, Phascum crispum auf dem Zoitsberg, Ptilidium ciliare bei Pöppeln, Madotheca platyphylla am Hainberg, Pellia epiphylla in der Mooßschlucht, Riccia fluitans bei Zwötzen, Cetraria glauca hinter dem Martinsgrund, Lecidea parasema in der Mooßschlucht, Lecidea candida bei Pforten, Calycium disseminatum bei Kraftsdorf, Peltigera malacea in der Mooßschlucht, Sticta scrobiculata in der Kerbe, Parmelia tiliacea bei Pforten, Collema teretiusculum bei Pforten, Urceolaria calcarea am pfortner Berg, Cliostomum corrugatum bei Ernsee, Opegrapha herp. subocellata bei Weißig, Spiloma viridens bei Ernsee, Lepra nigra auf dem Hainberg, Conferva tenerrima bei Bieblach, Myxonema tenue im Martinsgrund, Myxonema dissiliens bei

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8. Vegetationsverhältnisse.

Frankenthal, Allogonium converfaceum zwischen Köstritz und Caaschwitz, Chaetophora tuberculosa bei Debschwitz, Rivularia dura bei Milbitz, Microcoleus leptodermus bei Bieblach, Micrasterias angulosa bei Dorna, Micrasterias Napoleonis bei Kraftsdorf, Diatoma tenue bei Windischenbernsdorf, Fragilaria acuta bei Bieblach, Eunotia Vergatus bei Windischenbernsdorf.

Auf den Feldern der Culturpflanzen (Getreide, Flachs, Kartoffeln, Klee, Raps, Kraut, Rüben) erscheinen als Feldunkräuter außer Kornblumen, Klatschrosen, Rittersporn, Platterbsen, Stiefmütterchen, Taumellolch, Erdrauch, Flachsseide, Hederich, Leindotter, Hohlzahn und der ächten und Hundskamille vorherrschend auf dem Sandboden Apera Spica venti (gemeiner Windhalm), Avena fatua und praecox (Flug- und Frühhafer), Bromus arvensis und secalinus (Acker- und Korntrespe), Spergula arvensis, Sagina procumbens, Myosurus minimus, Gypsophila muralis, Erodium cicutarium, Herniaria glabra, Filago arvensis und minima, Cineraria arvensis, Trifolium campestre, Ervum hirsutum, Vicia cracca, Rumex acetosella, Sisymbrium Thalianum; auf Kalk die Adonisröschen, die großblumige Orlaya(?), der purpurrothe Wachtelweizen (Melampyrum arvense), Falcaria Rivini, Euphorbia exigua, Teucrium Botrys, auf Grauwacke Scleranthus annuus und Stachys palustris.

Einen Waldcharacter hat die Westlandschaft der Elster bei weitem mehr bewahrt als die Ostlandschaft, auf der die Getreidecultur den größten Theil der Hochflächen beherrscht. Dort sind noch 3/5, hier nur 2/5 mit Wald bedeckt, daher auch dort noch ausgedehnte zusammenhängende Waldstriche, darunter das sogenannte Holzland, d. i. der an der altenburger und weimarischen Landesgrenze hinziehende Waldstrich, der aber von Jahr zu Jahr durch Lichtung an Umfang und Werth verliert. Die Waldungen haben übrigens ihren Hauptbestandtheil in der Rothtanne. Die Weißtanne, Rothbuche, Kiefer und Birke bilden nur auf wenig Stellen, namentlich um Osterstein, kleinere Bestände, sonst sind sie in den Fichtenwäldern zerstreut. Die Eiche, welche gleich der Buche laut alten Sagen und noch vorhandenen Localnamen (Eichberg, Buchberg) vordem eine ungleich größere Verbreitung hatte als jetzt, wird nur noch auf dem Hain- und Weinberg und auf der Lasur und die Weißbuche im Küchengarten und um Osterstein getroffen. Die Linde findet sich einzeln im Laubwalde, in Dörfern, Gärten und Alleen. Den Waldbäumen auf dem Hainberg und im Martinsgrund hat man die Lärche beigepflanzt. Ulmen, weiße Ahorn, Vogelbeerbäume, Eschen und Ebereschen kommen zerstreut in Wald und Flur vor. Wachholder auf den Berghöhen. In niederen Buschhölzern trifft man Birken- und Haselbüsche, Espen, Hollunder, gemeinen Schneeball, Schwarzdorn, wilde Rosen, Waldreben, Brom- und Himbeersträuche; in Gärten und Parks, an Chausseen und auf Friedhöfen als cultivirte Bäume Pappeln, Platanen (Küchengarten), Maulbeerbäume (Gera und Kraftsdorf), Lebensbäume, Cypressen, Weymuthskiefer und Buxbaum.

Die zum Nutzen und Schmuck der Orte allüberall in Gärten und im Felde angepflanzten und in vielen Arten gepflegten Obstbäume (Aepfel, Birnen, Kirschen und Pflaumen) gedeihen reichlich im ganzen Gebiete, nur feinere Arten weniger sicher auf den freien, vom Winde bestrichenen Höhen. Dagegen kommt der Wallnußbaum auf höheren geschützten Terrassen zu Erträgnissen. Die Rebe hat sich von dem freien Felde (Hügelgelände), wo sie früher in geschlossenen Weinbergen gepflegt wurde, an die warmen Sommerseiten der Häuser (Langenberg) und der Hausgärten zurückgezogen. Ebenso wird der Hopfenbau, obschon ihm Klima und Boden günstig sind, nicht mehr mit gleichem Nachdruck als ehemals (daher noch die vorkommenden sogenannten Hopfenberge) getrieben.

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I. Die Natur des Landes.

An stattlichen, selbst majestätischen Bäumen, von denen manche Jahrhunderte alt sind, ist kein Punkt im Unterlande so reich, als die Umgegend vom Osterstein. Im Küchengarten zeichnen sich zwei Linden, eine Platane und eine Silberpappel, auf dem Weinberg mehrere mächtige Ahorn, Eichen, Buchen und Fichten, auf der ernseer Höhe drei herrliche Tannen, eine stolze Einzelsichte und zwei alte Eichen, darunter die sogenannte Diebseiche, auf dem Hainberg zwei ehrwürdige Buchen (bei dem Rindenhäuschen und bei der neuen Reitbahn), eine hohe Fichte bei Louisenruhe und die Torstensohneiche in der Nähe des kleinen Erdfalls, die schöne Linde bei Pöppeln und eine Tanne im Eulengraben aus. Im Hausgarten des Ritterguts zu Dorna ist ein Haselnußstamm von bedeutender (beinahe halbelliger) Stärke merkwürdig.

Das Oberland mit seinen ausgedehnten welligen Hochlandsflächen und seinem Gebirgszuge ruht vorherrschend auf Thon- und Grauwackenschiefer und Grünstein und wird nur von einigen Gneis- und Übergangskalkstrichen durchsetzt. Trotzdem, daß sonach diesem Gebiete für die Pflanzenbildung wichtige Bodenunterlagen fehlen und überdies sein Klima kein mildes und seine Humusschicht vielfach gering und hart ist, so hat es doch eine vergleichungsweise reiche, zum Theil seltene Flora, weil ihm eine Fülle von Teichen, Quellen und Bächen und in Folge des meist wenig geneigten Bodens wasserhaltende moorige Stellen zu Hilfe kommen, für deren Reichthum die hier vorkommenden Flurstücksnamen „Moos, Lohe, Hohelohe, Löhla, Pfütze, Nässe, Suhl, Faulen, Binsig, Binsenbühl, Wassergalle, Moosstäudig, Gries, Röhrig, Brüchicht, Lehm, Säutelle, Tümpfel, Katzentümpfel, Unnützwiesen und Salzwiesen“ Zeugniß geben. Noch reicher an Pflanzen war freilich das Oberland zur Zeit, als dasselbe ein ungelichtetes Holzland mit Urgebirgscharacter bildete; denn mit dem Anbau des Menschen ist die Waldfläche nicht allein an Ausdehnung, sondern auch an Arten, wenigstens an Beständen derselben vermindert worden, wodurch manche Pflanzen für immer verschwunden sind. Selbst noch in den ersten historischen Zeiten muß der Reichthum an Baumarten in Beständen größer gewesen sein als heute, was aus den überall häufig vorkommenden Flurlocalbenennungen „Eichberg, Eichleite, Eichert, Eichanger, Eichwiesen, Hart, Fichtig, Fichtere, Tanna, Tännig, Tannenbühl, Tannenbach, lange Tannen, Buchberg, Buchwald, Buchleite, Buchbühl, Buchreuth, Büchig, Birk, Birken, Birkert, Birkig, Birkenbühl, Birkenäcker, Lindig, Lindenberg, Siebenlinden, Kiefrich, Kiefere, Kiefergarten, kiefernes Holz, Erlicht, Erlfeld, Eibe, Eibenbusch, Eibig, Eibicht, Ahorn, Eschigsleite, Häßlich, Weidig und Weidigsberg“ hervorgeht. Auch haben drei Orte (Tanna, Lerchenhügel und Birk) Holznamen. Gegenwärtig sind die Waldungen mit wenig Ausnahmen Schwarzwald, überwiegend aus der Rothtanne oder Fichte bestehend; daneben bildet die Kiefer oft ganze Schläge, während die Edeltanne und Lärche, letztere meist an Waldrändern, nur vereinzelt vorkommen. Größere Bestände von Laubholz bilden blos die Birke (Betulus alba) und die Buche (Roth- und Weißbuche), diese am kräftigsten mit dem anstehenden Schwarzholz um die Herrschaft ringend im Frankenwald, wo noch einzelne Punkte zur Freude der Forstmänner einen Urwaldscharacter zeigen. Eichen (häufiger Quercus pedunculata, seltener Quercus sessiliflora), Aspen, schwarze Pappeln, Zitterpappeln und Vogelbeerbäume finden sich hie und da in Wäldern, an Waldrändern und an Straßen. Weiden und Erlen fassen die Ufer der Bäche ein. Große und schattige, oft uralte Linden, sowie auch italienische Pappeln sind meist Dorfzierden. Wilde Birnbäume, seltener wilde Apfelbäume, ferner Ulmen, Ahorn, Eschen und Kastanien stehen oft in der Nähe der Orte und auf freiem Felde, an Straßen oder an Waldsäumen. Akazien und verschiedene Spiräen (Geis-

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8. Vegetationsverhältnisse.

bart) trifft man oft in Gärten und Anlagen. Durch die auf dem Oberlande vorherrschenden starken Südwestwinde haben Waldbäume in kleineren Beständen und freistehende Waldbäume häufig eine Beugung nach Nordosten. Die Hecken und Feldgebüsche bestehen aus Weiß- und Schwarzdorn, Eichbüschen, Haselnuß, Hagebutten, Hartriegel, Faulbaum, Brombeeren und Hollunder, letzterer auch allgemein ein Insasse der Grasgärten an Bauernhöfen.

Mehrhundertjährige Waldbestände und Baumriesen konnte die frühere Zeit in größerer Zahl aufweisen als die Gegenwart, deren rationelle Forstwirthschaft das Lebensalter der Wälder in engere Grenzen einspannt. Daß selbst noch vor einem und zwei Menschenaltern im Oberlande Ulmen, Tannen, Buchen und Fichten von bedeutendem Umfange, Wuchse und Alter vorhanden waren, bezeugen die in der fürstlichen Sammlung inländischer Forstproducte aufbewahrten Baumquerdurchschnitte. Was noch heute vor dem Umhau auf längere Zeit verschont bleibt, ist vereinzelt und steht zumeist unter dem Schutze der Orts-pietät oder unter dem Schirme landesherrlicher Parkanlagen. Dahin gehören außer mancher Dorflinde der weitsichtige Stelzenbaum (ein ca. 340 Jahre alter und im Umfange 16 1/2' messender Ahorn) bei Stelzen, die alte Buchen-gruppe im Kirschbühl bei Heinrichsruh, die große Ulme bei Reichenfels und außerdem in dessen Nähe zwei Eichen, von denen die eine an 370 Jahre alt ist und ca. 15' Umfang hat und endlich ein Bestand von 200jährigen Tannen am Sieglitzberg und eine Veteranengruppe von Buchen und Fichten bei Jägersruh.

Während der Waldboden in den Birkenhölzern oft einödig, gleichsam ver-brannt erscheint und höchstens nur von Haide und einigen Moosen überzogen wird, so ist der Boden der Nadelwälder, wo sich nicht die Haide eindrängt, und der des Buchenwaldes mit einem grünen Teppich besetzt, auf dem Heidel-, Preißel-, Mehl-, Him- und Brombeeren, daneben eßbare und giftige Schwämme mit zahlreichen Waldpflanzen abwechseln, darunter manche seltene und manche, die das Oberland reichlicher hat als das Unterland. Außer Hypnum, Mnium, Polystichum, Blechnum, den Straußenfarn und Clidonienflechten und außer Sauerklee, Galium sylvestre, saxatile und rotundifolium sind namentlich characteristisch Circaea intermedia (Hexenkraut), Gentiana verna, campestris und Amarella, Campanula Rapunculus, Juncus alpinus, capitatus, glaucus und squarrosus, Pyrola uniflora (Waldmännchen), Asperula cynanchica und odorata (Waldmeister), Convallaria bifolia und verticillata, Trientalis europaea (Allerweltheil), Dentaria bulbifera, Lycopodium clavatum, complanatum und annotinum, Nardus stricta, Vaccinium uliginosum und oxycoccos, Eriophorum vaginatum, Verbascum Lychnitis und thapsus, Juniperus communis, Cetraria islandica, Carex remota, elongata, distans und filiformis, Stellaria Frieseana, Sesleria, Erysimum odoratum, Thlaspi montanum, Cynanchum vincetoxicum, Aster alpinus, Centaurea montana, Laserpitium pruthenicum, Potentilla norvegica und supina, Arum maculatum, Pulmonaria azurea, Myosotis caespitosa, Coeloglossum viride, Bidens cernuus und tripartitus, Poterium sanguisorba und Genista scoparia (Sarothamnus scoparius) oder der Besenstrauch, der mit dem Zweizahn und Wiesenknopf das ganze oberländische Gebiet von Dittersdorf über Schleiz und Tanna bis Hirsch-berg im Walde und an Wegen beherrscht und diesen Strich ebenso kennzeichnet, wie der Fingerhut und drei Drudenmehlarten den Frankenwald.

Zwischen der Saale und Lobenstein ist der Besenstrauch weniger häufig und jenseits Lobenstein selten.

An Felsen und öden Stellen erscheint überall massig Sedum acre und Silene nutans oder das als Gemüse benutzte Knörschelkraut. Auf Wald-

I. Die Natur des Landes.

rödern und Geräumden zeichnet sich vor allen Pflanzen das niedliche Katzenpfötchen, der gewürzige Bärenkümmel und die dem Volke seit alter Zeit als Heilpflanze theuere Johannisblume (Arnica montana, Wolverlei) aus. Unter den im Oberlande stark vertretenen Sumpf- und Wasserpflanzen stehen in erster Reihe fast alle Potamogetonarten, namentlich Potam. natans, crispus und rufescens, die gewöhnlichen Orchisarten, dann Pedicularis palustris, Petasites officinalis und albus (Tussilago Petasites und alba), Menyanthes trifoliata, Parnassia palustris (nur stellenweise häufig), Calla palustris, Alisma plantago (Froschlöffel), Wasserdolden, die gelbe Schwertlilie (Iris pseudacorus), die weiße und gelbe Wasserlilie (Nymphaea alba et lutea), Wasserknoterich (Polygonum amphibium), Ranunculus aquatilis, Typha latifolia, Sparganium simplex, Utricularia vulgaris und minor, Acorus Calamus (Kalmus). Der gute, mit ausreichender Feuchtigkeit genährte, zwei- und dreischürige Wiesenboden liegt in der Regel wie im Unterlande so im Oberlande dicht an den Orten und hat im Gegensatze der mehr trockenen einschürigen Wiesen (Rangen, Eller) die Namen Auwiesen, Beunten (d. h. gebundene, vom Wege und Viehtriebe abgeschlossene Wiesen), Himmelreich, Engel und Selig. Ebenso führt der fettere Ackerboden meist den Namen Hofgelänge, Engel, Himmelreich, Selig im Gegensatze der mageren Felder, die mit Hölle, Mark, kaltem Feld bezeichnet werden. Auf feuchten Wiesen finden sich vorzüglich Cardamine amara, Chrysosplenium alternifolium, Lychnis flos cuculi, Orchis bifolia, conopea und maculata, Parnassia palustris, Pedicularis palustris und Ranunculus ficaria; auf mehr trockenen Wiesen Alopecurus pratensis, Anthoxanthum odoratum, Briza media, Campanula patula et rotundifolia, Chaerophyllum sylvestre, Cistus helianthemum, Geranium pratense, Gnaphalium sylvaticum, Heracleum Sphondylium, Hieracium dubium, paludosum und murorum, Juncus campestris, Lathyrus pratensis, Leontodon taraxacum, Lychnis dioica, Myosotis palustris, Phyteuma spicatum, Polygonum bistorta (deren Blätter unter dem Namen Otterzunge als Gemüse benutzt werden), Potentilla argentea, Ranunculus acris, Sanguisorba officinalis, Senecio sylvaticus, Sonchus oleraceus, Trifolium arvense und Colchicum autumnale. Als lästige Unkräuter der Saatfelder finden sich Rhinanthus major (Klitsch, Klatsch, Klapper genannt), Sonchus- und Hahnenfußarten, Bromus arvensis, secalinus und tectorum, Apera Spica venti (Schmielen), Vicia cracca (Vogelweide), Ervum hirsutum, Anthemis arvensis (falsche Kamille), Raphanus Raphanistrum, Myosotis arvensis, Senecio vulgaris, Spergula arvensis, Agrostemma Githago, Anagallis arvensis, Centaurea jacea und Cyanus, Delphinium consolida, Euphorbia helioscopia und exigua, Galium aparine, Lamium album und purpureum, Lithospermum arvense, Lolium temulentum, Mentha arvensis, Papaver rhoeas (Klatschrose), Papaver dubium und Argemone, Ranunculus repens, Rumex acetosella, Sedum Telephium, Veronica verna, Viola tricolor. An Wegen und Rainen trifft man außer dem Besenstrauch und der Schafgarbe Alchemilla vulgaris, Asclepias vincetoxicum, Cynoglossum officinale, Dianthus deltoides (Donnernelke), Fumaria cava, Erythraea Centaurium (Tausendgüldenkraut), Geranium sylvaticum, Jasione montana, Origanum vulgare, Saxifraga granulata, Sedum villosum, Tussilago alba et Farfara, Valantia cruciata. Die Zahl der vorkommenden Giftpflanzen ist gering; häufig Schierling*) und Tollkirsche, seltener Bilsenkraut und Seidelbast.

*)Ebenso im Unterlande, wo sogar ein Schierlingsgraben vorkommt.

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8. Vegetationsverhältnisse.

Insbesondere hat die Landschaft Lobenstein manche seltene Pflanzen. Als solche führt Dr. Dürr in Lehesten (S.-Meiningen) an: Allium acutangulum Schr. (Heinrichstein), Acinos thymoides, Mönch. (ebenda), Aronia Amelanchier (ebenda), Aconitum Cammarum (daselbst), Aquilegia vulgaris (daselbst), Bryonia alba, L. (Ebersdorf), Berberis vulgaris (Saalthal), Centaurea Phrygia (auf Wiesen bei Röttersdorf), Cardamine impatiens, (Heinrichstein), Circaea alpina (Wurzbach), Cytisus nigricans, L. (Sormitzgrund und bei Heinrichstein), Conyza squarrosa, L. (daselbst), Digitalis grandiflora, L. (verbreitet, aber nur stellenweise), Drosera rotundifolia, L. (auf Wiesen bei Röttersdorf), Erigeron canadensis (Saalthal), Erysimum Cheiranthoides, L. (auf Äckern bei Röttersdorf), Eupatorium cannabinum (Heinrichstein), Galeobdolon luteum, Sm. (daselbst), Geranium columbinum, L. (zwischen Lobenstein und Ebersdorf), Geranium sylvaticum, L. (Lobenstein), Geranium sanguineum, L. (Heinrichstein), Imperatoria Ostruthium, L. (Röttersdorf, Helmsgrün), Impatiens Nolimetangere (Heinrichstein), Lactuca perennis (Heinrichstein), Lathraea squamaria (daselbst), Lilium Martagon, L. (Saalthal), Lunaria rediviva, L. (Heinrichstein), Luzula albida, D. C. (daselbst), Malva Alcaea (Wurzbach, Heinrichshütte), Malva moschata (Lobenstein im Raps *), Meum athamanticum, J. (Heinersdorf, Oßla, Wurzbach), Mercurialis perennis, L. (Heinrichstein), Myrrhis hirsuta (an Bächen bei Röttersdorf), Orchis sambucina, L. (Oßla, Heinersdorf), Origanum vulgare, L. (Heinrichstein), Polemonium caeruleum (daselbst), Physalis Alkekengi, L. (daselbst), Polygala depressa, Wend. (Oßla, Heinersdorf), Senecio Fuchsii, Gm. (Heinrichstein), Sedum villosum, L. (Unterlemnitz), Sedum sexangulare, L. (Wurzbach), Sedum album, L. (Heinrichstein), Rubus candicans, sylvatica, fuscoater und vestitus, W. (Weitisberga am Hainberg und bei Wurzbach), Thesium pratense, Ehr. (Heinersdorf), Viola palustris (Röttersdorf auf Wiesen), Corallorrhiza innata (Tännich bei Lobenstein.)

Die oberländischen Culturpflanzen sind zwar den unterländischen an Arten gleich, nicht aber in Ausbreitung und Gedeihen, indem auf dem Oberlande mit dem Aufsteigen des Bodens von Hohenleuben nach Tanna und nach dem Frankenwald hin in Gärten und im Felde die edleren Arten abnehmen, so daß auf den höheren Strichen des Landes nur noch hartes Obst, Hafer, Kartoffeln, Kraut, Kohl und Rüben mit sicherem Erfolge gepflegt werden. Die von Hohenleuben bis zum Gebirgswulste vorkommenden sogenannten „Weinberge“ zeugen von früheren Versuchen, die Rebe dem Oberlande aufzuzwingen. Selbst jetzt noch zieht man an geschützten Stellen, namentlich an den sonnigen Wänden der Häuser, Weinreben, erhält indeß höchstens alle sieben Jahre einmal süß gekochte Trauben. Etwas mehr klimatisches Recht haben die gleichfalls sich vorfindenden Flurstücksnamen Rosenbühl, Rosenthal, Rosengarten und Rosenwiesen, indem selbst noch auf dem hochgelegenen windigen Stelzen die Rosen gedeihen.

9. Fauna.

Wie in der Flora, so zeigt das Reußenland auch in seiner Fauna keine wesentliche Verschiedenheit von der Fauna der thüringischen und oberfränkischen Lande, da die geographischen Bedingungen dort wie hier im Ganzen dieselben sind. Am genauesten ist übrigens die Übereinstimmung bezüglich der Wirbel-

*)Wohl verwildert.

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I. Die Natur des Landes.

thiere, etwas abweichender in den niederen Thierordnungen. So reich auch das Volk seinen Flurstücken die mit ihm lebende Thierwelt eingeschrieben hat, so beschränken sich diese Localnamen doch nur auf Wirbelthiere🔗 und Vögel🔗 und auf Reptilien🔗 und Amphibien, jene Gruppe in häufigen, diese in wenigen Belegen; für alle übrigen Ordnungen hat dasselbe kein Auge gehabt, wie es denn auch meist aus den höheren, selten aus den niederen Ordnungen einen Thiernamen zu ernsten Zwecken (Familienname) oder zu Scherz und Schimpf gebraucht hat. Die vom Volke localisirten Thiernamen bezeichnen und enthalten im eigentlichsten Sinne diejenige Fauna, welche sein Leid oder seine Freude, sein Schädiger oder sein Nutzen war. Eben deshalb hat diese topographische Fauna eine historische Bedeutung und ist mit Uebergehung der Hausthiere folgende: Wisent🔗, Bärenthal (auch Berthel), Bärenloch, Bärengrund, Bärenfeld, Bärenwiesen, Bärwinkel, Wolfere, Wölfe, Wolfsacker, Wolfsbach, Wolfsgalgen, Wolfsgraben, Wolfsgrube, Luchsleite, Luchslöcher, Luchsweg, Fuchsmühle, Fuchsloch, Fuchsberg, Hirschbach, Hirschberg, Hirschfeld, Hirschgraben, Hirschholz, Hirschkopf, Rehbach, Rehstäudig, Rehteich, Hasenbühl, Hasensäule, Hasenwinkel, Dachsgraben, Ebersberg, Ebersdorf, Iltisfelder, Hamsterbeete, Igelsbach, Igelsdorf, Mäusebach, Falkenberg, Geiersberg, Geiershügel, Geiersleite, Starenburg, Kranich, Krähenhügel, Eulengraben, Eulenwinkel, Lerchenberg, Wachtelberg, Taubenbühl, Taubenthal, Taubenheerd, Taubensteig, Schwalbenziel, Pfauenbach, Otterbach, Krötensee. Ob der Lauseberg vom Insect den Namen hat, wird bezweifelt.

An Säugethieren kommen im Lande 50 Arten vor, am meisten Handflügler und Nager, weniger Insectenfresser, Raubthiere und Wiederkäuer und nur ein Dickhäuter. Gegen früher hat sich die Zahl der wilden Säugethiere in einigen Familien, namentlich bezüglich der Raubthiere, sehr vermindert. Unter den Handflüglern sind die kleine und große Blattnase und verschiedene Arten von Fledermäusen über das Land verbreitet, ebenso von den Insectenfressern der gemeine Igel, der gemeine, leider stark verfolgte Maulwurf und mehrere Spitzmausarten. Der Bär🔗, Luchs🔗 und Wolf🔗, die vormals in starker Zahl in den heimischen Waldgebieten hausten, sind seit einem Jahrhundert vollkommen ausgerottet, wodurch die Forste Sicherheit vor diesem Gethier gewonnen haben. Die drei letzten Bären wurden in einem Winter um 1730 in der Hart bei Langenwetzendorf erlegt. Als man ihr Mooslager entdeckt hatte, machten die durch Sturmläuten herbeigerufenen Bewohner der Umgegend unter Leitung des von Schleiz zu Hilfe geeilten Landesherrn Jagd auf das Kleeblatt der Petze🔗 und befreiten das Land von diesem Uebel. Zu gleicher Zeit wurde auch das Luchsgeschlecht und einige Jahrzehnte darauf das Geschlecht der Wölfe, die sich zu Zeiten, besonders während des 30jährigen Krieges, stark vermehrt hatten, für immer auf dem Frankenwald, ihrem alten Hauptlager, vernichtet. Zwar kommen von Zeit zu Zeit in harten Wintern Wölfe vor, nicht aber als Standwild, sondern auf Streifzügen. Der Fuchs🔗 ist noch ziemlich häufig. Sein Verwandter, der Haushund, mit seinen Spielarten und ebenso die Hauskatze gehören zu den allbekannten Thieren. Die ächte wilde Katze hat schon längst ihr Quartier im Lande verloren. Fischottern und Iltise und dann das kleine und große Wiesel, der Edel- und Hausmarder, diese lästigen Hühnerjäger, fehlen in keinem Landestheile. Die Dachse bevorzugen das wärmere Unterland und auch den Nagethieren, namentlich den Hasen, für welche das Oberland mit seinen starken Wäldern und rauhen Wintern keine behagliche Stätte bietet, der Haus-, Feld-, Wald- und Wassermaus und der seit einigen Jahrzehnten eingedrungenen Wanderratte🔗, welche die Hausratte ganz verdrängt hat, ganz besonders aber dem Hamster🔗, sagt das Unterland besser zu; nur das Eichhorn🔗

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9. Fauna.

ist häufiger im Oberlande, wo man das muntere Springthierchen🔗 verspeist. Siebenschläfer🔗 sind im ganzen Gebiete selten, ja die niedlichen Haselschläfer🔗, die in den wärmeren Thälern Thüringens vorkommen, hat man bis jetzt nirgends vorgefunden. Zahlreich zeigen sich Kaninchen🔗 an den sonnigen Abhängen des Unterlandes, im Oberlande nur in der alten Pflege Reichenfels, am meisten an der Starkenwand bei Kleinwolschendorf. Möglich, daß sie hier verwildert sind. Das im Oberlande einst heimische Wisent🔗 (Wisentstier🔗, Auerochs🔗), von dem der Fluß Wiesenthal (richtiger Wisentthal*) seinen Namen und die Stadt Schleiz ihr Wappen hat, ist längst verschwunden. Auch die im Unterlande gehegten Wildschweine🔗 sind seit Kurzem aufgegeben. Sie waren früher auch im Oberlande und zwar hier zahlreich, weshalb sie noch 1647 unter die Abgaben an die Herrschaft gezählt wurden. Das Land hat meist eingeführte Pferde🔗, dagegen vorherrschend selbst gezüchtete Schweine🔗, die sogenannten Landsäue🔗. Das Schafvieh🔗 wird theils im Lande gezogen, theils aus Franken gewonnen, dessen Schlag größer und fetter wird als der heimische. Die frühere sogenannte oberländische oder voigtländische Rindviehrace, durch niederständigen Bau, dunkelbraune Farbe, kleinen Kopf, beträchtliche Wampe und starke Hintertheile markirt, ist jetzt theils durch die aus Oberfranken (Naila) herüber gebrachte schäckige Race (anspacher Schlag) von kräftigem, gestrecktem Bau, theils durch eine Züchtung aus allgäuer und berner Bullen🔗 und niederländischen Kühen🔗 sehr verdrängt, weshalb man auf den oberländischen Viehmärkten meist nur Schack- und Mischthiere sieht. Eben deshalb giebt es im Lande keine characterisirte Landrace mehr. Ziegen🔗 und die wenigen Esel🔗, die im Lande vorkommen, haben nichts Eigenthümliches. Edelhirsche🔗 stehen nur noch vereinzelt in den großen Wäldern des Oberlandes, wo auch die Rehe🔗 der größeren Ruhe wegen besser gedeihen als im Unterlande; doch kommt dies Rothwild🔗 seit 1848 im Unterlande gar nicht mehr vor und im Oberlande nur noch mäßig in der Gegend von Schleiz und im weidmannsheiler Parke. Dammhirsche🔗 fanden sich bis vor Kurzem im Unterlande und zwar eingeparkt.

Die Klasse der Vögel🔗 besteht aus Brut- und Zugvögeln, von denen nur jene als heimathberechtigt anzusehen sind, obschon der größere Theil derselben im Winter seinen Standpunkt wechselt und südwärts oder von der Höhe nach der Tiefe zieht. Die Zugvögel dagegen kommen im Lenz und Herbste bei ihren Zügen gen Süden und ihren Rückzügen nach Norden auf wenige Tage oder Stunden durch das Land; die meisten jährlich regelmäßig, manche zufällig. Die Zahl der stets im Lande brütenden Vogelarten beträgt gegen 140, wozu noch außerdem einige Arten unregelmäßig brütende kommen; die Zahl der Zugvogelarten ist, soweit Beobachtungen vorliegen, nicht viel geringer, so daß die Gesammtzahl der im Lande vorkömmlichen Vogelarten auf ca. 280 steigt. Am stärksten sind nach der Zahl der Arten die Singvögel🔗 mit Einschlusse der sperling-, schwalben- und krähenartigen Vögel🔗, der Schrei- und Klettervögel und zwar über 70 Arten brütende, nach der Menge der Individuen aber die Hühner🔗- und Schwimmvögel (Tauben🔗, Hühner🔗, Gänse🔗, Enten🔗), jene Gruppe von Sängern als naturfreie, diese meist als an das Haus gebundene Wesen. Unter den heimischen Singvögeln, welche die Natur in Wald und Feld beleben, sind die meisten zugleich im Unterlande und im Oberlande gleich stark einheimisch, einige indeß finden sich häufiger in dem einen Gebiete als in dem anderen und wieder einige werden nur in dem einen, nicht in dem anderen getroffen. Häufig

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*)Der Name Wiesenthal gehört zu denjenigen, welche noch von den Germanen herstammen und von den Sorben unangetastet belassen wurden.

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I. Die Natur des Landes.

oder nicht selten sind im Unterlande und im Oberlande: Amseln🔗, Singdrosseln🔗 (Zippen🔗), Misteldrosseln, Rothdrosseln (auf dem Zuge), eigentlicher Krammetsvogel (Ziemer) colonienweise im pöllwitzer Walde und bei Niederdorf, Rohrsperling, Spottlaubvogel, Weidenzeisig, beide Rothschwänzchen, Rothkehlchen, graue und fahle Grasmücke, Klappergrasmücke, Zaunkönig, beide Goldhähnchen, gewöhnlicher Baumläufer, Specht-, Kohl-, Tannen- und Schwanzmeise, Bachstelze, Baumpieper, Heidel-, Feld- und Haubenlerche (letzte mehr und mehr zum Standvogel übergehend), Goldammer, Hänfling, Stieglitz, Zeisig (in beiden Gebieten brütend), Leinfinke (strichweise), Edelfinke, Sperlinge *), Grünling oder Zwuntsch (auch Zetscher), Gimpel (im Oberlande verhaßt), Seidenschwanz, Holzheher, Dohlen (an einzelnen Punkten seßhaft), Rauchschwalbe, Segler, Ziegenmelker (Nachtschatten), Grünspecht und Eisvogel🔗; selten in beiden Gebieten: Heuschreckensänger, grauer Fliegenschnapper, Kernbeißer und Grauspecht; nicht selten im Unterlande, selten oder weniger häufig im Oberlande: Rohrdrossel, Rohrsänger, schwirrender Laubvogel, Rohrammer, Hausschwalbe, Pirol, Kukuk und die drei Grünspechte, von denen der große Buntspecht nicht selten im Unterlande nistet; selten im Unterlande und nicht vorkömmlich im Oberlande: Nachtigall, Sperbergrasmücke, braunkehliger Steinschmetzer, Uferschwalbe, Krautvogel, Wiedehopf, Wendehals und Nebelkrähe; häufiger im Oberlande als im Unterlande: Wasserschwätzer (nur im Winter im Unterlande), Staar🔗, großer Steinschmetzer, Kiefern- und Fichtenkreuzschnabel (selten im Unterlande nistend, aber dann häufig) und die Würger, von denen der große Würger (wälsche Elster genannt) im Unterlande ausgerottet ist.

Der Fang vieler dieser Thierchen, sowie der Zugsingvögel in Sprinzeln, Garnen und Vogelheerden ist mit Recht verboten und findet darum gegenwärtig bei weitem weniger statt als früher. Namentlich war vordem der Meisenfang ein oberländisches Hauptgeschäft in der Herbstzeit. In gutem Andenken steht noch der reiche Meisenfang am 18. October 1813, wo der Kanonendonner bei Leipzig Tausende dieser Wesen nach dem Voigtlande getrieben hatte. Wenn der thüringer Wäldner Kreuzschnäbel, Finken und Rothkehlchen vor Allen liebt, so wird bei dem Voigtländer neben der Zippe und Amsel der Staar🔗 als Frühlingsverkündiger und als Insectenvertilger hoch gehalten und gepflegt, wie er denn auch im Oberlande jetzt selten (früher viel) gegessen wird. Uebrigens ist dieser Vogel, wie alte Localnamen darthun, nicht erst seit den 1790er Jahren im Lande, wohl aber hat er sich seit 60 Jahren stark vermehrt. Auffällige Vermehrung alteinheimischer Arten hat man überhaupt in jüngster Zeit mehrfach beobachtet und dabei zugleich auch Einwanderungen neuer Vogelarten. So ist seit fünf Jahren in den warmen Thälern des Unterlandes und seit 1868 bei Schleiz die Gersten- oder Grauammer und seit fünf Jahren in den Teichstrichen des Oberlandes die Rohrammer eingezogen. Haubenlerchen, welche zur Winterszeit die Straßen der unterländischen Thäler beleben, bleiben seit einer Reihe von Jahren in immer größerer Zahl auch im Sommer daselbst. Ein Gleiches gilt vom Stieglitz und Hausrothschwänzchen im Oberlande, von denen sich letzteres Ende des vorigen Jahrhunderts daselbst eingethan hat. Die Mistel- oder Walddrossel (großer Krammetsvogel, Turdus viscivorus) brütet jetzt im Oberlande häufiger als sonst und in einzelnen Paaren auch in den Nadelhölzern des westlichen Unterlandes. Seit etwas mehr als zehn Jahren ist im pöllwitzer Walde die Wachholderdrossel (kleiner Krammetsvogel, Turdus

*)Einige körnerarme Orte des Oberlandes soll dieser gefräßige Vogel meiden.

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9. Fauna.

pilaris) in größerer Zahl als Brutvogel eingezogen und hat auch in den letzten Jahren im Unterlande Wohnung genommen. Dagegen ist der Steinsperling🔗 aus dem Saalthal bei Weidmannsheil neuerdings verschwunden. Die oberländischen Nadelhölzer beherbergen jedes Jahr Kreuzschnäbel🔗 und zwar zu Zeiten in ungeheurer Menge, in den Wäldern bei Gera hingegen quartieren sie sich nur bisweilen ein und brüten auch hier in einzelnen Jahren, wie namentlich im Winter 1867/68. Die liebliche Nachtigall🔗 meidet das Oberland, nicht aber das wärmere und buschreichere Unterland, wie der Nachtigallengrund bei Steinbrücken beweist, wird aber hier stets weggefangen. Andererseits hat sich aus dem reußischen Gebiete in Folge der Waldlichtungen eine Anzahl von Vögeln mehr und mehr zurückgezogen, wie z. B. der Schwarzspecht🔗, der noch vor Kurzem im ernseer Forst nistete. Kolkraben🔗 horsteten vordem im pöllwitzer und neuärgernisser Revier, kommen aber jetzt nur hie und da einmal im Frankenwald vor. Ebenso ist die Elster im Abnehmen. Die Saatkrähe🔗 horstet jetzt nicht mehr im Unterlande, wohl aber noch in einigen Feldhölzern des Oberlandes, namentlich am Zipfelteich bei Görkwitz.

Unter den Raubvögeln sind häufig der Sperber, Mäusebussard, Flußadler🔗 (schon im Juli vorkommend), der Thurmfalke und der schädliche Rauchbussard (im Winter); nicht selten der Hühnerhabicht und des Winters im Unterlande der Seeadler🔗; vereinzelt der Wespenbussard; selten der Wanderfalke und Baumfalke und noch seltener der Milan. Zur Zugzeit thut den oberländischen Fischteichen der Fischadler (Fischaar) viel Schaden. Mehr dem Oberlande gehört die Waldohreule (Strix Otus) und der viel häufigere Waldkauz (Strix aluco), mehr dem Unterlande die Schleiereule und der Steinkauz (Strix noctua). Der Schuhu (Uhu) horstet nur noch an der Saale bei Burgk. Von den hühnerartigen Vögeln haben sich die Ringeltauben etwas gemindert, die Hohltaube dagegen wird in allen größeren Waldungen getroffen, nur im gräfenwarther Forste ist sie durch die Dohle verdrängt. Auerwild und Birkwild steht noch, freilich in geringer Zahl, im pöllwitzer Walde und im Frankenwald; im Unterlande sind Birkhühner selten, dafür finden sich hier Wachteln und Rebhühner häufiger vor als dort; zudem werden in Tinz Fasanen gezüchtet. So sehr auch zur Zug- und Strichzeit die Flüsse des Landes und die oberländischen Teichgruppen von Sumpf- und Wasservögeln aufgesucht werden, so wenig werden sie von denselben zu Brutplätzen erkoren. Im Ganzen ist das Oberland an diesen Vögeln reicher als das Unterland. Bläßhühner, Teichhühner (Rohrhühnchen, Gallinula chloropus) und der kleine Reiher brüten im Oberlande häufig, seltener alle übrigen, wie z. B. Rohrdommeln und der Kragentaucher. Im Unterlande ist der kleine Regenpfeifer und die Wasserralle häufiger als im Oberlande, während der Kiebitz daselbst seltener wird. Die Beccasine (Himmelsziege), der kleine Strandläufer und der Haubentaucher kommen im Lande wenig, Enten und der graue Reiher nur auf dem Zuge und die Säger nur verschlagen vor. Störche haben früher im Ober- und Unterlande gehorstet, aber seit geraumer Zeit nicht mehr. Waldschnepfen finden sich häufig. Trappen nahmen im Lande niemals ihren Aufenthalt.

Zu den seltenen Arten der Zug- und Strichvögel, die um Schleiz und Gera geschossen wurden, gehören als Raubvögel der Stein-, Schrei- und Flußadler🔗, der rothe Milan, die Schilf-, Korn- und Rostweihe, der schwarzbraune Rauchfußbussard, der Wander-, Merlin-, Lerchen-, Würg- und rothfüßige Falke; die Sumpf-, Zwerg- und große Ohreule, die Habichts-, Sperlings-, Zwerg- und Sperbereule; als Singvögel der Citronenfink, Grau-, Schnee-, Zipp-, Rohr- und Zaunammer, die Rothdrossel, der Seidenschwanz, Wasserschwätzer, Sprosser

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I. Die Natur des Landes.

Fitislaubvogel🔗, Schilfrohrsänger🔗, die Braunelle🔗, Haubenmeise🔗, Nachtschwalbe🔗 und das Schwarzkehlchen🔗; als krähenartige🔗 der Kolkrabe🔗, der Tannenheher🔗, der kleine graue Heher🔗, der rothköpfige und rothrückige Würger; als hühnerartige🔗 der große Trappe🔗; als spechtartige🔗 der Schwarz-, Grau- und Weißpecht; als Sumpf- und Wasservögel der Fischreiher🔗, die große und kleine Rohrdommel🔗, der schwarze Storch🔗, die Moor- und kleine Pfulschnepfe, der vielfarbige Kampfläufer🔗, der Alpen-, Meer- und kleine Strandläufer, der Bruch- und Teichwasserläufer, der Gold- und Küstenregenpfeifer, der kleine Strandpfeifer🔗, graue Sonderling🔗, europäische Austernfischer🔗, Ohrentaucher🔗, große und kleine Lappentaucher🔗, Eis- und rothkehlige Taucher, Gänsesäger🔗, weiße und große Säger, die Saat- und Ackergans, Eis-, Pfeif-, Tafel-, Knäck-, Berg-, Reiher-, Schall-, Spieß- und Sammtente.

Die Ankunftszeit der Wandervögel fällt bezüglich des Unterlandes im Allgemeinen in die Monate Februar, März, April und Mai, die des Abzuges in die Mitte August bis Mitte November. Für das höher gelegene Oberland geschieht die Heimkehr ein bis zwei Wochen später. Manche Wandervögel haben in den verschiedenen Jahren wenige Tage, manche einen Monat Unterschied in ihrem Eintreffen. Den Reigen beginnen für den Landestheil Gera im Februar die Feldlerchen🔗, Staare🔗, Singdrosseln🔗, Kiebitze🔗, Buchfinken🔗 und Heidelerchen🔗. Im März folgen Rothkehlchen🔗, weiße Bachstelzen🔗, Waldschnepfen🔗, Holztauben🔗 und Hausrothschwänzchen🔗; im April Steinschmätzer🔗, Hausschwalben🔗, Fitislaubvogel🔗, Gartenrothschwänzchen🔗, Waldlaubvögel🔗, Wiedehopfe🔗, Wiesenpieper🔗, Teich- und Wasserhuhne; im Mai Kukuk🔗, Mauerschwalben🔗, Gartengrasmücken🔗, Pirol🔗, Mehl- und Nachtschwalben, Fliegenschnapper🔗, Wachteln🔗 und Wasserrallen🔗.

Der Reptilien🔗 und Amphibien hat das Land 19 Arten und ist deshalb ebenso arm an diesem Lurchen- oder Echsengeschlecht als das übrige Deutschland. Das schleichende Wesen dieser Thierchen erweckt bei sehr vielen Menschen Furcht und Grauen, dem Volke sogar gilt die Mehrzahl der Lurchen als giftig, obschon nur eine einzige Art einen giftigen Biß hat, alle übrigen Arten aber durchaus unschädlich sind. Die gemeinen flinken Eidechsen🔗 und die Blindschleichen🔗 sind im ganzen Lande oft in starker Zahl vertreten, dagegen hat man die grüne Eidechse🔗 und die Bergeidechse🔗 noch nicht getroffen. Unter den Schlangen🔗 ist am häufigsten die glatte Natter oder Schlingnatter (Coluber laevis), die sich gern auf trockenen steinigen Gehängen und nadelwaldigen Höhen aufhält. Nächst ihr ist die Ringelnatter🔗 zu nennen, die gern in milderen Fluren an wasserreichen Orten und bei Viehställen Quartier nimmt und öfters dreißig und mehr Zoll lang wird. Die Kreuzotter🔗 oder Kupfernatter, die einzige Giftnatter🔗 Deutschlands, kommt jetzt seltener vor als früher, weil man sie durch ausgesetzte Preise an vielen Stellen, wie unter Andern bei Niederndorf im Erlbachsthal, vertilgt hat. Als von ihr bewohnte Localitäten gelten noch theilweise wohl mit Unrecht die warmen Thalgehänge bei Gera (Kerbe), Langenberg, Reichenfels, Saalburg und Hirschberg. Der Laubfrosch🔗, grüne Frosch🔗 und die beiden Grasfrösche🔗 sind überall häufig. Die Feuerkröte🔗 (Unke🔗, Bombinator igneus🔗) findet sich ebenso wie die grüne Kröte🔗 (Bufo variabilis🔗) allenthalben an geeigneten Oertlichkeiten. Die kurzfüßige Feuerkröte🔗 kommt nur im Oberlande vor, wo auch die Wasserkröte🔗 (Pelobates fuscus🔗) häufiger angetroffen wird als im Unterlande. Die Kreuzkröte🔗 und die veränderliche Kröte🔗 sind im Lande noch nicht nachgewiesen. Der Feuersalamander🔗 hingegen ist in warmen Schluchten häufig anzutreffen, zumal im Unterlande. Noch gemeiner ist der Sumpfmolch🔗 (Triton palustris🔗) und der Teichmolch🔗 (Triton cristatus🔗). Auch der gefleckte Wassermolch🔗 ist keine Seltenheit.

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9. Fauna.

Der frühere Reichthum an Fischen in allen Flüssen, Bächen und Teichen des Landes ist sehr vermindert worden. Waren noch 1647 sämmtliche Bäche im Ober- und Unterlande Forellenbäche und als solche ergiebige Einnahmequellen, so sind die meisten gegenwärtig nicht allein an der Forelle🔗, diesem köstlichen Süßwasserfisch, sondern auch an allen anderen Fischen arm geworden. Dies hat vor Allem seinen Grund bezüglich der Wildfische in einem rücksichtslosen, räuberischen Fischfange. Aber auch die künstliche Fischzucht wird im Allgemeinen nach altem Schlendrian betrieben und lässt daher viel zu wünschen übrig. Die im Lande vorkommenden Arten sind:

Zoologische Namen. Saale. Volksname. Elster. Volksname. Wiesenthal. Volksname. Teiche.
1. Cobitis fossilis🔗 Schlammbeißer🔗 Schlammpitzger, Wetterfisch (bes. bei Köstritz) Wetterfisch
2. Cobitis barbatula* Schmerle Schmerle Schmerle häufig ohne Züchtung.
3. Cobitis taenia* Brandschmerle, selten Steinpitzger, Schmerle Schmerle
4. Cyprinus carpio* Karpfen🔗, aber aus den Teichen eingetreten; selten desgl. desgl. Karpfen🔗.
5. Cyprinus dobula Elling, Aelmt Schnottfisch, Hasel
6. Carassius vulgaris* Karausche🔗 bis 1 Pfd. schwer.
7. Tinca vulgaris* bisweilen aus den Teichen eingetreten desgl. desgl. Schleihe🔗.
8. Barbus fluviatilis* Barbe Barbe (bis 9 Pfd.) erst eingesetzt
9. Gobio fluviatilis* Kresse Kressling, Kresse Kresse
10. Rhodeus amarus Bitterling Pritsch
11. Phoxinus laevis* Ellritze, Erlkress Ellritze, Ellerling Ellritze
12. Leuciscus rutilus* Weissfisch Rothauge, Rothflosse Rothauge
13. Leuciscus (Scardinius) erythrophthalmus* Rothauge, Plötze Rothauge, Rothflosse Rothauge
14. Squalius cephalus Elte, Eltfisch Altfisch, Dickkopf (Weissfisch) Altfisch
15. Squalius leuciscus Haase Häßling Altfisch
16. Idus melanotus Weissfisch Weissfisch Altfisch
17. Aspius rapax* Rappe Rappe
18. Alburnus lucidus Schneider, Stromblickke, Weissfisch Schneider, Weissfisch ?
19. Alb. bipunctatus Weissfisch Weissfisch Weissfisch
20. Abramis brama Blei, eingesetzt?
21. Abramis melanops Zährde Zehrde
22. Blicca Björkna Schlammblikke, Eisfisch, Weissfisch Grundblikke, Eisfisch, Weissfisch ?
23. Lota vulgaris* Aalrauppe🔗, Quappe🔗 sonst häufig, jetzt selten Aalruppe sonst hie und da.
24. Cottus Gobio* Kaulbarsch, Rotzkolbe, Rotzkober Kaulbutz, Rotzkolbe, Kaulquappe, seltener Kaulbatze
25. Acerina cernua* Krebsfisch? Stachelbarsch
26. Perca fluviatilis* Barsch, Börsch Bunt- oder Stockbarsch Bertsche

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I. Die Natur des Landes.
Zoologische Namen. Saale. Volksname. Elster. Volksname. Wiesenthal. Volksname. Teiche.
27. Thymallus vulgaris* gemeine Forelle, (Asche) Asche früher
28. Salmo Salar* Lachs, jetzt sehr selten jetzt sehr selten
29. Salmo trutta* Lachsforelle
30. Salmo Fario* Steinforelle früher in Bächen, jetzt gezüchtet (Niederndorf) in allen größeren Bächen des Oberlandes
31. Esox lucius* Hecht Hecht Hecht häufig, meist ohne besondere Züchtung.
32. Anguilla fluviat.* Aal Aal häufig, zumal im August bei trübem Wasser Aal
33. Petromyzon fluv. Bricke, selten
34. Petrom. Planeri Steinbeißer kleines Steinauge, Neunauge Steinbeißer

Die mit * bezeichneten sind besonders bevorzugte Arten.

Für die Fauna der wirbellosen Thiere hat sich bis jetzt das Auge der Forschung nur auf die lebenden Schaalthiere und auf die Schmetterlinge gerichtet; alle übrigen Ordnungen liegen noch brach. Bezüglich der Molluskenfauna sind bis jetzt durch Prof. Liebe und Dr. Zimmer im Fürstenthum neun Arten Muschelthiere in vier Geschlechtern und 73 Arten Schnecken in 18 Geschlechtern, im Ganzen also 82 Arten in 22 Geschlechtern aufgefunden worden. Von den Nacktschnecken fand man die in Franken fehlende Daudebardia rufa, Arion mit vier Arten (ater, rufus, albus und hortensis) und Limax mit zwei Arten (cinereus und agrestis), von der Glasschnecke oder Vitrina zwei Arten (pellucida und diaphana), von der Knoblauchschnecke oder Zonites acht (cellarius, glaber, hyalinus, crystallinus, nitidulus, nitidosus, lucidus und fulvus), von der Schnirkelschnecke oder Helix zwanzig (darunter als seltene pygmaea, aculeata, strigella, bidentata, umbrosa, als gemeine rotundata, obvoluta, personata, lapicida, arbustorum, pulchella, costata, sericea, hispida, incarnata, fruticum, ericetorum, nemoralis, hortensis und pomatia), Sira acicula, von Bulimus drei (lubricus, montanus und obscurus), von der Windelschnecke oder Pupa drei (muscorum, Venetzii und pygmaea), von der Balea die interessante Gebirgsform fragilis, von der Clausilia acht (ventricosa, similis, plicata, rugosa, obtusa, filograna, parvula, bidens), Bernsteinschnecke oder Succinea drei (putris, Pfeifferi und oblonga), die Ohrschnecke (Carychium minimum), von der Schlammschnecke sieben (Limnaeus stagnalis, auricularius, ovatus, pereger, palustris, minutus und fuscus), von der Blasenschnecke nur Physa fontinalis, von der Napfschnecke oder Planorbis fünf (contortus, nitidus, marginatus, leucostoma und albus), von den Kammkiemenschnecken nur Bythinia impura.

Aus der Ordnung der Malermuscheln (Conchiferen) kennt man Unio pictorum, crassus, batavus und margaritifer, Anadonta cygnea und piscinalis, Pisidium fontinale etc. etc. und Cyclas cornea und calyculata.

Fünf Arten der Schaalthiere sind allein dem Oberlande eigenthümlich, darunter die Gebirgsform Balea fragilis🔗 und 17 Arten dem Unterlande, wo Laubholzschluchten und wärmere Thalstriche günstig wirken. Auffällig ist es,

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9. Fauna.

daß im Unterlande die sonst so häufige gefleckte Schnirkelschnecke (Helix arbustorum) ganz fehlt und die im Oberlande und sonst gemeine Hainschnirkelschnecke (Helix nemoralis) äußerst selten ist. Ueberhaupt fehlen die ausschließlich auf reinen Kalkboden angewiesenen, schon im Saalthal häufigen Schneckenformen im ganzen Gebiete. In der oberen Wiesenthal war früher, ehe das Flüsschen durch lange Trockenheit auf eine Reihe fauliger Tümpfel reducirt war, die Flußperlmuschel🔗*) nicht selten. Die Weinbergsschnecke🔗 wird im Frühjahr nach Gera zum Verkauf gebracht und aus dem Oberlande hie und da ausgeführt.

Was die im Lande vorkommenden Gliederthiere (Insecten) betrifft, so liegen hierfür keine wissenschaftlichen Beobachtungen vor, nur die Schmetterlinge haben, freilich auch mehr Verehrer als gründliche Erforscher gefunden. Immerhin ist aber das, was der Lehrer Schreck bezüglich der Schmetterlinge für einen Strich des Oberlandes beobachtet hat, dankenswerth. Es ist somit in Hinsicht auf die verschiedenen Ordnungen der Gliederthiere noch ein weites Feld der Entdeckung vorhanden, umsomehr als man deren Arten in Deutschland über 10,000 annehmen muß.

Wenn in Franken die Käfer mit beiläufig 2800 und in Altbayern mit ca. 3000 Arten vertreten sind, so läßt sich erwarten, daß auch im Reußenlande deren Zahl**) nicht gering ist. Leider fehlt hier für eine sichere Angabe jede Unterlage. Am meisten kennt man diejenigen Käfer, die durch Größe und Farbe oder durch ihre Schädigung an Wald, Busch, Feld und Hausmobiliar in die Augen fallen. Der Kinder Freude oder Aufmerksamkeit erwecken von der zahlreichen, zum Theil großförmigen Familie der Scarabäen der Hirschschröter (Feuerschröter, Baumschröter, Lucanus Cervus), der Mai-, Gold- und Mondkäfer, dann manche Rüssel-, Lauf- und Schnellkäfer und von den Blattlauskäfern der Marienkäfer. Dem Oeconomen und Forstmanne machen sich bekannt als Schädiger an Waldbäumen Hylobius abietis, Otiorhynchus, Pissodes notatus und mollis, Bostrychus lineatus und typographus, Hylurgus piniperda, Platypus cylindrus, Scolytes destructor (Borkenkäfer), Oryctes nasicornis (Nashornkäfer🔗), Prionus Faber und coriarius (Bockkäfer🔗), Callidium variabile und sanguineum, an den Obstbäumen Rynchites alliariae, Magdolis cerasi und der Apfelrüßler (Anthonomus pomorum), in den Häusern die Holzbohrer (Ptiniden), in den Flachs-, Raps- und Kleefeldern der Erdfloh (Haltica oleracea) und auf Feldern, Wiesen und Gärten, zumal des Unterlandes, die Larven verschiedener Monatskäfer (Melothonta vulgaris oder Maikäfer, Melothonta Hippocastani, Amphimalla solstitialis oder Junikäfer, Annomala horticula oder Rosenkäfer).

Von Schmetterlingen, diesen reizenden Geschöpfen, gleichsam den luftschwebenden Pflanzen, fand Herr Schreck in der Umgegend von Zeulenroda, in der das schleizer Unterland seinen Ausdruck findet, 84 Arten Tagfalter oder Papilioniden, 31 Schwärmer oder Sphingiden, 73 Spanner oder Bombyciden, 166 Eulen oder Noctuiden und 135 Spanner oder Geometriden, im Ganzen 489 Arten, eine Zahl, die sicherlich für das ganze Land zu klein ist, da im schwarzburger Oberlande 601 Arten beobachtet worden sind und das benachbarte Frankenland 1800 zählt. Mehrere unter den von Schreck aufgeführten Arten sind nur einmal beobachtet worden. Ein einziges dieser Thierchen und zwar der Seidenspinner (Bombyx mori) tritt als Seidenraupe🔗 nutzenbringend in nähere Beziehung zum Menschen und wird daher hie und da im Unterlande gezüchtet; mehrere andere dagegen erweisen sich, besonders bei starker

*)Woher der Muschelgrund bei Göschitz seinen Namen hat, ist nicht bekannt.
**)Prof. Sigismund nimmt für das schwarzburger Oberland 1000 Arten an.
I. Die Natur des Landes.

Vermehrung, als höchst schädlich für die Gewächse in Feld und Au. Unter den im Lande vorkommenden 16 schädlichen Arten sind in den Nadelwäldern die Nonne (Liparis monacha), welche schon öfters sämmtliche Nadelhölzer des Oberlandes fast vollständig vernichtet hat, die Kieferneule (Trachea piniperda) und die Kieferspinne (Gastropacha pini) gefürchtet. Ebenso gefräßig zeigt sich der Stammspinner (Liparis dispar) an den Eichen, der Heckenweißling (Pieris Crataegi) und der Obstspanner (Acidalia brumata) an Hecken und Obstbäumen, der Kohlweißling (Pieris Brassicae) am Kohl, die Gammaeule (Plusia gamma) am Flachs, die Graueule (Xylina gram.) auf Feldern und Wiesen, namentlich im Oberlande.

Wie reich im Lande die Ordnung der Immen oder Hautflügler🔗 an Arten ist, läßt sich nicht angeben. Nur im Allgemeinen weiß man, daß unter ihren Familien die der Schlupf= und Springwespen am stärksten vertreten sind. Wenn übrigens im Haushalte der Natur diese beiden Familien Feinde der Raupen🔗 und dadurch Wohlthäter des Menschen sind, wenn unter den Bienen🔗 die Honigbiene🔗 als nützliches Hausthierchen in Dörfern und Städten des Landes Pflege findet und wenn selbst der Oberländer von den Ameisen🔗 Nutzen (Eier, Spiritus) zu ziehen weiß, so richtet dagegen die Kohlblattwespe🔗 oft große Verwüstungen an.

Aus der Ordnung der Zweiflügler, deren 31 Familien sicherlich im Lande nachweisbar sind, machen sich vor Allen dem Menschen die Schnacken🔗, Bartmücken🔗, Stuben=, Fleisch= und Stechfliegen, die Bremsen🔗 und Flöhe bemerklich und theilweise sehr lästig. Namentlich hat im August mancher Strich in dem zudringlichen „Geschmeiß“ dieser kleinen stechenden Thierchen seine Mosquitoplage.

Unter den Ohnflüglern sind die Läuse, unter den Geradflüglern die Heuschrecke🔗, die Haus= und Maulwurfsgrille, die Wasserjungfern🔗, die Ohrwürmer🔗 und die Schaben🔗 und unter den Schnabelkerfen die Wanzen🔗 und Zirpen🔗 oder Cicaden🔗 und wiederum unter diesen die Singzirpe🔗 hervorzuheben. Von diesen Thierchen war früher die Heuschrecke🔗 eine entsetzliche Landplage. Die Chronisten des Landes wissen viele Jahre anzugeben, wo sie das Hochland und das Unterland in verheerenden Zügen überschwemmt haben. Seit mehr als 100 Jahren sind derartige Züge nicht mehr vorgekommen, obschon die Wanderheuschrecke (Oedipoda migratoria) noch immer vereinzelt getroffen wird. Als eine noch bestehende Hausplage dagegen erscheint aus der Familie der Schaben🔗 (Blattida) die Küchenschabe (Schwabe, Schwarzbürger, Periplaneta orientalis) und die deutsche Schabe (Russe, Blatta germanica). An Eß=, Leder= und Wollwaaren nagend, bilden sie besonders in den Schrothäusern des Oberlandes ein schädliches Ungeziefer.

An Krustenthieren hat das Land in einzelnen Bächen seinen schmackhaften Flußkrebs🔗, an Tausendfüßen keine geringe Zahl von Arten und an spinnenartigen Thierchen mehr Milben als Spinnen🔗. Was es aber an Würmern🔗, Polypen🔗 und Protozeen🔗, diesen kleinsten Wesen der untersten Kreise des Thierreichs, besitzt, liegt wissenschaftlich noch vollkommen unaufgeschlossen.